Kolumne : Ergonomie – Der (un)messbare Vorteil

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Die Idee der menschenleeren Produktion ist durchaus nicht illusorisch, zumindest wenn man sie von der technischen Seite her betrachtet. Und die notwendige Instandhaltung von Maschinen sowie die kontinuierliche Verbesserung des Systems – was Maschinen bis auf weiteres nicht können – ausblendet.

Wirtschaftsethisch ist es verwerflich, denn wenn alle Unternehmen nur nach automatisierten Prozessen streben, wird die Wirtschaft ihre Kund:innen verlieren. Wenn es kaum noch Menschen gibt, die Einkommen erzielen, gibt es am Ende kaum noch jemanden, der konsumiert. Aber das ist ein anderes Thema.

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Die sichere Reserve

Es gibt Bereiche, in denen Automatisierung auf jeden Fall sinnvoll ist, weil die Tätigkeit für den Menschen zu monoton und damit zu unattraktiv ist. Dennoch muss man auch bei solchen Stationen Aspekte der Ergonomie mitdenken, ansonsten hat man im Fall einer Störung ein Problem. Die beste Automatisierung macht schließlich auch mal Probleme.

Im Fall eines für den Menschen machbaren Prozesses kann die Produktion weiterlaufen, wenn man einen Reservearbeitsplatz eingerichtet hat, an dem ein Mitarbeitender ergonomisch vernünftig arbeiten kann. Damit lassen sich im Falle von Störungen Produktionsausfälle, OEE-Verluste und womöglich Lieferprobleme vermeiden.

Sowohl präventive Instandhaltung als auch Reparaturen müssen letztlich von Menschen durchgeführt werden.

Die notwendige Instandhaltung

Jede Automatisierung braucht stets einen Instandhaltungsprozess. Präventive Instandhaltung sollte eigentlich ein logischer Standard sein, aber oft erlebe ich in Unternehmen lückenhafte Wartungspläne oder fehlende Dokumentationen. Dies ist erforderlich, um Störungen grundsätzlich zu verhindern. Aber die beste Maschine kann auch einmal ungeplant ausfallen, dann sind Reparaturen nötig.

Sowohl präventive Instandhaltung als auch Reparaturen müssen letztlich von Menschen durchgeführt werden. Damit dies schnell und sicher möglich ist, müssen die Maschine und ihre wichtigen Positionen ergonomisch erreichbar sein. Dieser Aspekt ist bereits beim Maschinendesign zu berücksichtigen. Darüber hinaus braucht es am Ort des Geschehens ergonomische Einrichtungen, an denen Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden können.

Die schwarze Zahl am Schluss

Beim Thema Ergonomie wird oft die Frage gestellt: „Rechnet sich das?“ Die Antwort lautet: „Ja!“ Bei den beschriebenen Beispielen kann man die Dauer des Produktionsausfalls mit Investitionen in Ergonomie gegenrechnen.

Es gibt weitere Aspekte, die sich nicht leicht rechnen lassen, aber trotzdem evident sind. Wenn Arbeitsinhalte für Mitarbeitende gut machbar sind, steigt die Zufriedenheit und die langfristige Gesundheit. Dies hat klare Auswirkungen und wird besonders in Zeiten des Fachkräftemangels nochmals besonders wichtig.