Interview

Herr Wirsing, was wird unsere Logistik wirklich verändern?

Multikopter, 3D-Druck oder doch K.I.:Welche Entwicklungen für den Chef der Innovationsabteilung bei DB Schenker wirklich Bedeutung haben, verrät Erik Wirsing im Interview mit Factory.

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Will neue Entwicklungen wie Multikopter und 3D-Druck nicht aufhalten, aber herausfinden wohin sich das Ganze entwickelt, Erik Wirsing, Head of Innovation bei DB Schenker. 

Factory: Herr Wirsing, welche Technologien werden die Ersatzteillogistik verändern?

Erik Wirsing: Es gibt derzeit viele Dinge, an denen geforscht wird. Ein Thema sind beispielsweise Multikopter, die zur Inventur eingesetzt werden. Bisher war die Inventur gerade bei Hochregallagern aufwändig: Man musste mit dem Stapler hochfahren, Paletten von oben herunterholen, unten scannen und wieder nach oben heben. Heute machen wir das mit Multikoptern, die mit Kameras ausgestattet werden.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Wirsing: Die Multikopter arbeiten wie Staubsauger, die man zuhause hat und autononom fahren: Wenn der Akku leer wird, fliegt er zurück, lädt sich wieder auf und fliegt dann weiter – den ganzen Tag und die ganze Nacht.

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Und was ist der Vorteil eines Multikopters?

Wirsing: Vor allem mehr Transparenz. Früher führte man die Inventur ein oder zwei Mal im Jahr durch. Mit dem Multikopter ist es so kostengünstig und schnell, dass man jede Woche eine Inventur durchführen kann.

Stichwort 3D-Druck: Warum interessiert sich ein Logistikunternehmen wie DB Schenker dafür?

Wirsing: Ganz einfach: Wir wollen wissen, wohin die Reise geht. Wir kennen die Logistikprozesse und forschen daran, wie wir diese mit modernen Technologien verknüpfen können. Aufhalten können wir die Entwicklung sowieso nicht. Wir können aber herausfinden, wohin sich das Ganze entwickelt.

Was machen Sie mit diesem Wissen?

Wirsing: Wir optimieren einerseits die Prozesse in unserem Unternehmen. Unser Ziel ist es, die gesamte Transportkette zu optimieren. Wir gehen jeden Schritt von Abholung bis Zustellung durch und sehen uns an, wo es noch Lücken in der Prozesskette gibt. Andererseits geben wir dieses Wissen an unsere Kunden weiter.

Inwiefern?

Wirsing: Wir sprechen mit den Kunden über aktuelle Entwicklungen und sagen ihnen beispielsweise: „Die Teile, die ihr heute produziert, werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich durch 3D-Technologie ersetzt.“ So können wir Kunden bei ihrer Unternehmensentwicklung helfen.

Brauchen wir mit den Druckern vor Ort bald niemanden mehr, der Dinge von A nach B transportiert?

Wirsing: Der Transport bleibt nach wie vor ein wichtiges Thema. Solange wir nicht beamen können, müssen wir Dinge transportieren. Das wird sich auch durch den 3D-Druck nicht ändern.

Aber ein bisschen setzt 3D Druck die Logistikbranche schon unter Druck?

Wirsing: Die Branche wird sich verändern, ja. Mit dem 3D-Druck ist aber auch ein großes Transportvolumen verbunden, an dem wir interessiert sind. Verschleißteile wie Granulate oder Polymere müssen transportiert werden – und da sie temperatur- und luftfeuchtesensibel sind, kann das auch nicht jeder. Das können nur jene mit dem nötigen Know-how.

Vielen Dank für das Gespräch! Das Gespräch führte Angelika Dobernig. 

Erleben Sie Erik Wirsing live auf Österreichs einziger Ersatzteiltagung am 6. März in Linz.  

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