Sustainability Lighthouse Award : "Leuchtturm" für Nachhaltigkeit: World Economic Forum würdigt Siemens Fürth

Im Herbst 2023 wurde auf dem Dach des Parkhauses eine Photovoltaikanlage mit 460 Kilowatt-Peak Leistung installiert.

Im Herbst 2023 wurde auf dem Dach des Parkhauses eine Photovoltaikanlage mit 460 Kilowatt-Peak Leistung installiert.

- © Siemens

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat den Siemens-Standort Fürth als Leuchtturm für Nachhaltigkeit (Sustainability Lighthouse) ausgezeichnet. Die Fürther Vorzeigefabrik ist die 21. Fertigung weltweit, die mit dem Titel geehrt wurde. Das WEF zeichnet Organisationen, Projekte und Produktionsökosysteme aus, die durch technologiegestützte Energie-, Emissions-, Wasser- und Abfallreduzierungen einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Netto-Null-Ziele, zur Dekarbonisierung und zur Kreislaufwirtschaft geleistet haben. 

Das Netzwerk der Sustainability Lighthouses zeige, dass Produktivität und Nachhaltigkeit kein Widerspruch mehr seien, so das WEF. „Der Sustainability Lighthouse Award würdigt die herausragende Arbeit unseres Teams in Fürth. Durch die Einführung unseres intelligenten Energiesystems haben wir den Energieverbrauch um 64 Prozent reduziert und die Treibhausgasemissionen um 72 Prozent pro Durchsatz gesenkt. Zusätzlich haben wir die Produktion um 145 Prozent erhöht und damit gezeigt, dass Nachhaltigkeit und Produktivität Hand in Hand gehen können”, sagte Cedrik Neike, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO Digital Industries.

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Fürth will bis 2026 Netto-Null erreichen

An dem 1954 gegründeten Siemens-Standort Fürth mit rund 1.700 Mitarbeitenden entwickelt und fertigt das Technologieunternehmen Produkte für die Industrieautomation, die zur Digitalisierung sowie zur Effizienzsteigerung in verschiedenen Industrien beitragen. So werden unter anderem hochmoderne Human-Machine-Interface (HMI)-Panels produziert, die als Bedienpanels in Fertigungen weltweit überall da Anwendung finden, wo Menschen mit oder an Maschinen und Anlagen arbeiten. 

Fürth ist der globale Sitz der Simatic HMI-Panel Produktion. Der Standort strebt an, bis zum Jahr 2026 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Das ist vier Jahre vor dem übergreifenden Unternehmensziel. Am Standort Fürth wurde bereits 2012 ein abteilungsübergreifendes Nachhaltigkeitsteam eingerichtet, das systematisch Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und der CO₂e-Emissionen einführte. Wie in einer Aussendung beschrieben wird, konnten in den beiden Bereichen eindrucksvolle Ergebnisse erzielt werden. Zudem habe der Standort seine industriellen Abfälle im Zeitraum 2019 bis 2023 um 47 Prozent pro Durchsatz reduziert.

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Energieeffizienz in der Produktion und den Gebäuden

Ein innovatives, ganzheitliches Energiesystem für Produktion und Gebäude wird als Herzstück der Nachhaltigkeits-Maßnahmen in Fürth beschrieben. Hier kommen mehrere miteinander kommunizierende Systeme aus dem Hause Siemens zum Einsatz: Simatic Energy Manager Pro, der Siemens Navigator sowie integrierte Performance-Services wie zum Beispiel der Performance Optimizer. 

Mehr als 350 Energiezähler vor Ort verknüpfen sämtliche Energiedaten und sollen eine zielgerichtete Reduzierung des Energieverbrauchs sowie eine präzise Berechnung des CO2-Fußabdrucks der Produkte (PCF) ermöglichen. Das System schlägt selbstständig konkrete Verbesserungen vor und hat laut Unternehmen bereits deutliche Einsparpotenziale realisiert, etwa bei der Beleuchtung mit 952 Megawattstunden pro Jahr und der Gebäudeautomation mit 103 Megawattstunden jährlich. 

Damit könnten etwa 2.000 Haushalte im gleichen Zeitraum mit Strom versorgt werden. Die Ergebnisse fließen auch in das lokale E2E-PFC-Management (End-to-End Product Carbon FootprintManagement) ein, das den CO₂-Fußabdruck der Produkte überwacht. Bereits etwa 90 Prozent der Serienprodukte werden in Sigreen, der Siemens-Software zum Emissionsmanagement auf Produktebene, erfasst und zeigen den PCF auf Basis von Primärdaten.

Verbesserung der Netzqualität und Kreislaufwirtschaft

Ein zusammen mit einem Partner eingeführtes elektromagnetisches Filtersystem minimiert Energieverluste aufgrund von Netzstörungen. Dies führte innerhalb des Betrachtungszeitraums von 2019 bis 2023 zu einer Verringerung des Gesamtstromverbrauchs um 3,8 Prozent und stabilisierte die Stromverteilung, wodurch das Risiko von Maschinenstillständen gesenkt werden konnte. 

Der Standort führte zudem eine Kreislaufwirtschaft ein, um den industriellen Abfall zu reduzieren und die Lebensdauer der Produkte zu verlängern. Fürth profitiert dabei von einem bestehenden Reparaturzentrum vor Ort, das für ausgewählte Produkte einen erweiterten Life-Repair-Service anbietet. Aktuell sind es bereits 310 Produkte, deren Lebenszyklus verlängert wird, bis 2026 soll diese Zahl auf 2000 Produkte steigen. „Darüber hinaus vermeiden wir Emissionen, die bei der Verschrottung sowie bei der Herstellung sonst benötigter neuer Produkte anfallen würden“, sagte Werkleiter Lorenz Rappl.

Standort wird dekarbonisiert

Daneben laufen weitere Maßnahmen, um den Energieverbrauch des Standorts zu senken und auf eine eigene Versorgung auszurichten. Im Herbst 2023 wurde auf dem Dach des Parkhauses mit 3.300 Quadratmetern eine Photovoltaikanlage mit 460 Kilowatt-Peak Leistung installiert, laut Aussendung eine der größten Anlagen bei Siemens Bestandsgebäuden. 

Auch den unter anderem für Schweißvorgänge benötigten Stickstoff in der Fertigung produziert man nun selbst. 2024 stellte man die Versorgung mit angeliefertem Stickstoff auf eine Anlage zur Stickstoff-Eigenerzeugung um. Zudem soll die Abwärme von industriellen Prozessen zur Heizung des Standorts genutzt werden. Diese Projekte sollen nicht nur zur Emissionsreduktion beitragen, sondern auch eine effizientere Ressourcennutzung ermöglichen.