TriPlast in Enns : Einblicke in die modernste Kunststoff-Sortieranlage Europas

ABD0042_20240710 - ENNS - ?STERREICH: ++ THEMENBILD ++ Projekt Zukunftsbild: Die modernste Kunststoff-Sortieranlage Europas steht in Enns (Ober?sterreich). 20 Tonnen pro Stunde schafft die Anlage, die Jahreskapazit?t von TriPlast liegt damit bei 100.000 Tonnen Kunststoff- und Metallverpackungen. Im Bild: Die Verpackungen werden aufbereitet und zu Rezyklat weiterverarbeitet. Dieses kann dann f?r die Herstellung neuer Verpackungen oder anderer Produkte eingesetzt werden, etwa f?r Shampoo-Flaschen, Kanister, Folien oder Bauteile f?r die Automobil- und Elektroindustrie, aufgenommen am Montag, 1. Juli 2024. - FOTO: APA/BARBARA GINDL

Die Verpackungen werden aufbereitet und zu Rezyklat weiterverarbeitet. Dieses kann dann für die Herstellung neuer Verpackungen oder anderer Produkte eingesetzt werden, etwa für Shampoo-Flaschen, Kanister, Folien oder Bauteile für die Automobil- und Elektroindustrie.

- © APA/BARBARA GINDL

Beim Kunststoffrecycling in Österreich ist derzeit noch Luft nach oben: Aktuell kommt von den rund eine Million Tonnen Kunststoffabfällen, die pro Jahr in Österreich anfallen, nur ein Viertel in den Recyclingprozess. Die EU-Vorgaben sehen vor, dass die Recyclingrate bei Kunststoffverpackungen bis 2030 aber auf 55 Prozent gesteigert werden muss. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es laut ARA-Geschäftsführer Martin Prieler notwendig, dass 80 Prozent aller Verpackungen gesammelt, daraus wiederum 80 Prozent aussortiert und dann im Recycling eine Ausbeute von 80 Prozent erreicht werden - derzeit liegen diese drei Werte bei 58, 58, und 78 Prozent. Rund 20 Prozent der heute gesammelten Verpackungen aus Kunststoff und Metall unterliegen ab 2025 der Einwegpfand-Regelung. Auch diese werden weiter die Sortieranlage durchlaufen.

Lesetipp: Europas modernste Sortieranlage für Leichtverpackungen

In der knapp 14.000 Quadratmeter großen Halle wird Verpackungsmüll aus dem gelben Sack und der gelben Tonne getrennt. Im Schnitt beträgt der Kunststoffanteil im gelben Sack/der gelben Tonne rund 70 Prozent, 10 Prozent sind Metalle, rund 14 Prozent Fehlwürfe und der Rest Getränkeverbund-Kartons, erfährt man bei TriPlast. Im sogenannten Input-Bereich werden die gelben Säcke entladen, aufgerissen und auf Förderbänder verteilt, die über 2,5 Kilometer und 6 Stockwerke durch die Anlage führen.

Aussenansicht von TriPlast in Enns

100.000 Tonnen Kunststoff- und Metallverpackungen

Mit einem Trommelsieb wird das Material nach Größe vorsortiert, bevor Folien mit dem Windsichter - einer Art Gebläse - abgesaugt bzw. die Abfälle mit Hilfe von 38 Nahinfrarot-Sensorgeräten in unterschiedliche Kunststoffarten und Farben weiter getrennt werden. Metall wird durch Magnete herausgefiltert. 57 Sortieraggregate durchläuft der Kunststoffmüll. Die Verpackungen werden aufbereitet und zu Rezyklat weiterverarbeitet. Dieses kann dann für die Herstellung neuer Verpackungen oder anderer Produkte eingesetzt werden, etwa für Shampoo-Flaschen, Kanister, Folien oder Bauteile für die Automobil- und Elektroindustrie.

20 Tonnen pro Stunde schafft die Anlage, die Jahreskapazität von TriPlast liegt damit bei 100.000 Tonnen Kunststoff- und Metallverpackungen, was laut Geschäftsführer Kurt Bernegger die Hälfte der österreichischen Sortierkapazität für Leichtverpackungen abdecke. 24 verschiedene Abfallfraktionen kann TriPlast erkennen, analysieren und sortenrein trennen und so als Rohstoff zurückgewinnen. Ab kommenden Jahr wird mit 60 Mitarbeitenden ein Umsatz von 15 bis 20 Millionen Euro erwartet. Der Standort am Ennshafen erlaubt eine trimodale Anbindung - Lieferungen und Abtransporte sind via Lkw, Schiene und Schiff möglich.

Blick in die 14.000 Quadratmeter große Halle und auf Sortierbänder, wo Verpackungsmüll aus dem gelben Sack und der gelben Tonne getrennt wird.

Kunststoffbereich bei Abfallvermeidung bedeutend

Global liegt die Recyclingrate von Verpackungen aus Kunststoff bei 14 Prozent. Seit den 1950er-Jahren wurden weltweit rund 8 Milliarden Tonnen Kunststoff hergestellt. Drei Viertel davon landeten bereits im Müll, 9 Prozent des Abfalls wurden recycelt. Da im Recyclingprozess auch Material ausgeschieden wird und es zu Qualitätsverlusten kommt ("Downcycling"), ist die Ausbeute deutlich magerer als etwa bei Aluminium, das ohne Qualitätsverlust wiedereinsetzbar ist. Wie die österreichische Umweltberatung auf ihrer Website vorrechnet, blieben selbst beim Erreichen des ehrgeizigen 55-Prozent-Ziels von einer Tonne Primärkunststoff nach zehn Nutzungszyklen nur 2,5 Kilogramm des Ausgangsmaterials übrig. Daher komme im Kunststoffbereich vor allem der Abfallvermeidung große Bedeutung zu.