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Workerbase: Start-up entwickelt Smartwatch für die Industrie

Von der Consumerwelt inspiriert hat das Münchner Start-up Workerbase die erste Smartwatch für die Industrie entwickelt. Wie die Gründer damit manuelle Tätigkeiten am Shopfloor verbessern wollen.

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Vom Consumer-Markt inspiriert: Thorsten Krüger (li.) hat zusammen mit seinen Kollegen Norman Hartmann (mi.) und Hamid Reza Monadjem (re.) die erste Smartwatch für die Industrie entwickelt und gleich fünf große Pilotkunden an Land gezogen.

Von Datenbrillen oder unhandlichen Tablets waren sie nie ganz überzeugt. „Das hat zwar alles Potenzial, ist aber für den Shopfloor nicht praktikabel.“ Lange hat Thorsten Krüger zusammen mit seinen Kollegen Norman Hartmann und Hamid Reza Monadjem in einem Forschungsprojekt bei Siemens an Alternativen gearbeitet und tatsächlich auch eine gefunden. Inspiriert vom Consumer-Markt haben die drei nämlich die erste Smartwatch für die Industrie entwickelt und sich prompt damit im Oktober letzten Jahres selbstständig gemacht.

Bestehende ERP oder MES-Systeme sind integrierbar

Im Grunde ist Workerbase eine Plattform, die aus einer für die Industrie optimierten Smartwach sowie einer cloudbasierten Backend-Software besteht. Die drei Gründer wollen damit vor allem manuelle Tätigkeiten ins Zeitalter der Digitalisierung verfrachten. Und das gleich geschmeidig wie der Consumer-Markt. „Deswegen auch die Entscheidung für eine handliche Smartwatch“, so Krüger. Für die Organisation der manuellen Arbeit werden in der Backend-Software zuerst Benutzer, Rollen und Geräte konfiguriert. Arbeitsschritte und Regeln, z.B. für die Alarmierung von Mitarbeitern bei Problemen an der Maschine, werden als Apps zusammengeführt und auf der Smartwatch dargestellt. Diese Apps lassen sich ohne Programmierkenntnisse flexibel im Webbrowser zusammenstellen und bilden mehrstufige Workflows ab. Großes Plus: Bestehende ERP oder MES-Systeme können integriert werden. Hardware, wie Waagen oder RFID-Leser per Bluetooth angeschlossen werden.

Thorsten, Krüger, Workerbase © Workerbase

"Ausgestattet mit Kamera und Barcodescanner können wir z.B. Kommissionierprozesse flexibler gestalten." Thorsten Krüger, Mitgründer von Workerbase

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Umrüstzeiten von acht Stunden auf nur 90 Minuten reduziert 

Das pfiffige Accessoire kann aber noch mehr: Ausgestattet mit Kamera und Barcodescanner können z.B. Kommissionierprozesse flexibler gestaltet werden. Eben „Pick-by-Watch“, wie es die Gründer intern gerne nennen. „Das lässt sich aber auch für das Qualitätsmanagement oder für die Dokumentation von Maschinenfehlern verwenden“, so Krüger. Dass Workerbase den Nagel auf den Kopf trifft, beweisen die fünf Pilotprojekte aus der Automobil- sowie Zulieferindustrie, die das junge Start-up bereits in Angriff genommen hat. „Indem die notwendigen Arbeitsschritte per Mini-Workflow auf der Smartwatch angezeigt wurden, konnten in einem Fall sogar die Umrüstzeiten einer Maschine von acht Stunden auf nur 90 Minuten reduziert werden“, berichtet Krüger. Schon im Juli geht die Smartwatch von Workerbase in die Serienfertigung.

Anwendungsfelder der Smartwatch

  • Kommissionieren: Flexible Steuerung von Picking-Prozessen mit direkter Anbindung ans SAP.
  • Materialschub nachfordern: Direkt vom Arbeitsplatz kann ein Bestellprozess initiiert werden, der dem Staplerfahrer oder Routenzugführer zeitgleich auf seiner Smartwatch angezeigt wird.
  • Montage-Assistenzsystem: Schritt-für-Schritt-Anleitung auf der Uhr. Teile und Komponenten können durch eingebauten Barcodescanner identifiziert werden.
  • Rüstzeiten reduzieren: Arbeitsanweisungen können flexibel zugeordnet werden. Im cloud-basierten Backend werden Abläufe als „wenn-dann“ Verknüpfungen abgelegt. So lassen sich Arbeitsschritte parallelisieren.
  • Instandhaltung: Alarme im Falle von Maschinenfehlern werden in Echtzeit direkt auf das Handgelenk von Servicetechnikern gesendet. Zusätzlich können Informationen zur Position der betroffenen Maschine sowie benötigte Materialien und Werkzeug eingeblendet werden. Schritt-für Schritt-Reparaturanweisungen lassen sich darstellen. Alle Interaktionen werden im Backend aufgezeichnet und dienen als Datenpunkte für Auswertungen, z.B. OEE, Stillstandzeiten, Reparaturzeiten etc.
  • Qualitätsmanagement: Daten lassen sich schneller und komfortabler aufnehmen (z.B. über Wertelisten mit Plausibilitätschecks). Neue Daten können leicht erfasst werden (z.B. per Kamera und Barcodescanner). Über Bluetooth-Schnittstellen lassen sich zudem externe Geräte wie z.B. Waagen oder RFID-Leser an die Smartwatch anschließen.

Tipp der Redaktion: Workerbase ist definitiv einen Besuch auf der Hannover Messe (Halle 6, F28) wert. 

https://www.youtube.com/watch?v=Q2satBG7jM4 Wer ist Workerbase. Kurz erklärt in einem Video. 

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