VDI Umfrage

Unkrautvernichtung: Wie Roboter die Chemie vom Feld drängen

Eine Umfrage des Vereins Deutscher Ingenieure verkündet Löbliches: In spätestens zehn Jahren sind mechanische Methoden der Unkrautregulierung wirksamer und auch ökonomisch sinnvoller als Herbizide.

Immer noch erfolgt die Bekämpfung von Unkraut in der konventionellen Landwirtschaft durch den Einsatz von Herbiziden. Doch der chemische Pflanzenschutz gerät zunehmend in die Defensive: Resistenzen, mögliche Einträge in Grundwasser und Umwelt sowie eine kritische öffentliche Meinung fördern die Suche nach Alternativen. Die Digitalisierung bzw. die fortschreitende Entwicklung von Sensorik und Aktorik rückt daher zunehmend das klassische Hacken wieder ins Blickfeld. Dies geht aus der aktuellen Mitgliederumfrage des VDI-Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik (MEG) hervor, deren Ergebnisse im Rahmen der Tagung Land.Technik 2018 vorgestellt wurden.

Die Mehrheit der befragten MEG-Mitglieder ist generell davon überzeugt, dass mechanische Methoden der Unkrautregulierung zukünftig an Bedeutung gewinnen. Über 60 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass in spätestens in zehn Jahren durch immer genauere Sensoren zur Pflanzenerkennung, Echtzeitverarbeitung von Daten durch Algorithmen und zunehmend sichere Aktorik eine wirksame und ökonomisch sinnvolle Bekämpfung von Unkräutern ohne Herbizideinsatz möglich sein wird. 

Autonome Roboter für Unkrautentfernung

Das Startup Acrai arbeitet genau an diesen geforderten Innovationen, denn das junge Unternehmen hält den Einsatz chemischer Unkrautvernichtungsmittel für nicht zukunftsfähig. Es entwickelt autonome Roboter zur nicht-chemischen Unkrautentfernung für die Landwirtschaft. Dabei kombiniert das Team um Gründer Moritz Mangold Deep-Learning-basierte Computer Vision zur Erkennung und Lokalisierung von Nutzpflanzen mit der Automatisierung bewährter, reinmechanischer Methoden zur Unkrautentfernung. 
„Ziel ist, dass unsere Roboter wettbewerbsfähig gegenüber chemischen Unkrautvernichtungsverfahren werden“, sagt Mangold. „Die größte technische Herausforderung ist, das komplexe System so zu entwickeln, dass es auf dem Feld wirtschaftlichen Mehrwert schafft. Die Erkennung und Lokalisierung der Pflanzen muss mit einem robusten, für die Landwirtschaft entwickelten Entfernungsmechanismus zuverlässig zusammenspielen.“

White Paper zum Thema

Digitale Transformation als Chance für die Landwirtschaft

Für Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück sind ein wesentlicher Technologie-Pusher die zunehmend kostengünstigen bildgebenden Systeme in Verbindung mit Verfahren zur Dateninterpretation und leistungsfähigen Rechner- und Kommunikationssysteme. „Die Unkrautregulierung ist dabei eine wichtige Applikation autonomer Feldrobotik. So können beispielsweise Feldroboter mit geringen Fahrgeschwindigkeiten präzisere Prozesse durchführen“, meint Ruckelshausen. In Zukunft werden nur ökologische Prozesse mit Integration des Menschen ökonomisch erfolgreich sein. „Dies ist die Chance und muss das Ziel der digitalen Transformation in der Landwirtschaft sein“, so Ruckelshausen.

Verwandte tecfindr-Einträge