Robert Weber ist Journalist und Newsgame-Entwickler aus Deutschland. Seit mehr als zehn Jahren ist der Westfale journalistisch tätig. War Chefredakteur von elektrotechnik, schrieb für den deutschen MaschinenMarkt und engagiert sich derzeit als Journalist für das Manager Magazin und Markt&Technik. 2015 gewann er den Karl-Theodor Vogel Preis.

ProductionPiefke

SPS IPC Drives: Automatisierer zwischen den Stühlen

Immer mehr Unternehmen, die weder SPS noch Antriebe bauen, drängen auf die Weltleitmesse SPS IPC Drives. Für so manches Urgestein eine echte Bedrohung.

2016 waren es 9,3 Prozent: Auch Softwareschmieden kommen dieses Jahr nach Nürnberg und nicht jeder Aussteller findet das begrüßenswert.

Nächste Woche startet die SPS IPC Drives in Nürnberg. Die mittelständischen Automatisierer fiebern der Messe entgegen, wenige Stunden vor der Öffnung der Messehallen schrauben viele noch an Exponaten, das Fachpublikum ist technikbegeistert und möchte neue Antworten auf die Fragen der Digitalisierung bekommen. Ein bisschen feiert sich die Branche in der Frankenmetropole auch selber – Standpartys, bunte Abende inklusive. Die Automatisierer haben Grund zu feiern. Die Branche wuchs in den letzten Jahren oft zweistellig.

Wachstum schöpfen andere ab

Die tollen Ergebnisse haben andere Unternehmen aufhorchen lassen – große Unternehmen. Unternehmen, die weder SPS noch Antriebe bauen – die Softwareschmieden kommen dieses Jahr auch nach Nürnberg und nicht jeder Aussteller findet das begrüßenswert.

Den Wettbewerb spürten manche wohl schon vor einigen Jahren und einige Firmen entschieden sich für den Systemgedanken. Das Ziel: Systemanbieter werden, vom Antrieb, über die Steuerung bis zur Cloud – alles aus einer Hand. Doch wenn man mit dem Industrieanwender spricht, dann wollen viele gar keine Systemanbieter haben. Einkaufsstrategie: Abhängigkeiten sind zu vermeiden, Single-Sourcing ist nicht gefragt.

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In den Betrieben arbeiten Steuerungen von A und B und C zusammen und beim Maschinenbau entscheidet der Endkunde, welche Steuerung er wünscht. Und dann noch das: Die Kunden wollen offene Systeme, offene Kommunikation. Die Automatisierer sitzen zwischen den Stühlen: Sie wollten Systeme verkaufen, viele Kunden schworen auf die Komponenten und das weitere Wachstum könnten jetzt andere Unternehmen abschöpfen. Warum?

Kaum Differenzierung bei Komponenten

Die Komponenten unterscheiden sich technisch nur noch in ganz, ganz kleinen Details voneinander. Für den Kauf entscheidend sind sie bei vielen nicht mehr. Dank neuer offener Kommunikationsstandards betreten neue Wettbewerber den Markt in der Fabrik: Cisco oder Microsoft beispielsweise oder eine Google-Cloud oder der Amazon Webservice. Sie bauen auf den technisch sehr guten Komponenten vom Mittelstand auf und verführen die Kunden zur Cloud, zur Software oder zum Machine-Learning.

Was also tun? Cloud aufbauen? Sicher nicht, das können andere besser und sicherer. Algorithmen entwickeln? Nein, das machen die Unternehmen lieber selber. Das Beratungsgeschäft könnte eine Lösung sein oder eben Netzwerke anbieten in denen der Steuerungsanbieter und der KI-Experte gemeinsam arbeiten und Ideen für den Kunden entwickeln. Es ist nicht schlimm Komponentenlieferant zu sein, es braucht nur die richtigen Partner im Netzwerk.