Robert Weber ist Journalist und Newsgame-Entwickler aus Deutschland. Seit mehr als zehn Jahren ist der Westfale journalistisch tätig. War Chefredakteur von elektrotechnik, schrieb für den deutschen MaschinenMarkt und engagiert sich derzeit als Journalist für das Manager Magazin und Markt&Technik. Darüber hinaus ist er Lehrbeauftragter an der TH Nürnberg.

Kommentar

PR-Lachnummer: Deutschlands nicht fliegende Flugtaxis

Gestern präsentierten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Digitalisierungs-Staatssekretärin Dorothee Bär den Prototyp eines Flugtaxis. Das Problem: Es fliegt noch nicht, verbraucht viel Energie und löst die Verkehrsprobleme nicht. Kritiker sprechen von einer PR-Nummer und haben Recht.

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Die Zukunft am Himmel: Können Flugtaxis Deutschlands Verkehrsprobleme lösen?

Deutschlands Digitalisierungs-Staatssekretärin Dorothee Bär kann Kritik an ihren Ideen nicht immer gut vertragen. In Deutschland gebe es zu viele Bedenkenträger, wenn es um neue Mobilitätskonzepte der Zukunft gehe. Ein Totschlagargument und schon ist die Debatte um Flugtaxis ist für sie beendet. Flugtaxis sind ihr Lieblingsprojekt, denn viele Firmen, die in dem Feld agieren, kommen aus ihrem Heimatbundesland Bayern. Ihr fehle Enthusiasmus in der deutschen Digitalisierungsdiskussion ließ sie via Twitter ihren Landsleute vom SXSW Festival ausrichten. Das stimmt, denn die Politik löst die Probleme nicht. 

Ein Flugtaxis, das nicht fliegt

Verehrter Herr Bundesverkehrsminister Scheuer, verehrte Frau Digitalisierungs-Staatssekretärin Bär, seit mehreren Jahren verantwortet ihre konservative Partei aus Bayern den Breitbandausbau in Deutschland. Leider geht nichts voran. Pardon, stimmt nicht: Im Schneckentempo tut sich was. Gleiches gilt für den Mobilfunk. Dazu gesellt sich ein großes Problem mit der Deutschen Bahn - betrifft auch wieder ihr Ministerium Scheuer und Ihr Ex-Ministerium Frau Bär, ihre Partei. Die Bahn ist unpünktlich, kämpft mit Defekten. Dazu kommen eilig aufgelegte Sparprogramme. Doch die Bahn ist nicht ihr einziges Problem. Stichworte sind: Diesel-Affäre, Dieselfahrverbote, öffentlicher Personennahverkehr oder Tempolimits und die Maut nicht zu vergessen. Doch jetzt wird alles gut, denn wir investieren ja in Flugtaxis. Der Prototyp in Ingolstadt, den sie gestern bestaunten, wurde schön in Nebel gehüllt und blinken konnte er auch. Nur fliegen konnte er nicht. Aber das macht nichts. Es geht um das Foto, die Botschaft an die Dieselfahrer, die Bahnfahrer, die Mittelständler, die auf schnelles Internet hoffen, die gesamte Bevölkerung: Bayern, Entschuldigung, Deutschland ist spitze. 

In erster Linie PR für das Land Bayern

Der Mobilitätsforscher Andreas Knie bringt es in der Süddeutschen Zeitung auf den Punkt: Die Bepackungsdichte im Luftraum ist weit geringer als die am Boden. Und so ein Flugtaxi braucht wahnsinnig viel Energie, auch wenn sie elektrisch ist. So viele Flugtaxis können Sie gar nicht in die Luft bringen, dass es eine spürbare Entlastung für den Verkehr am Boden geben würde. Am Ende verlagert man den Stau vom Boden in die Luft, oder man schafft sogar noch ein zusätzliches Angebot, das zu noch mehr Verkehr führt. Und ein paar Sätze weiter spricht er aus, was sich viele Bürger schon lange denken: Das ist in erster Linie PR für das Land Bayern. Ich ergänze: PR in eigener Sache. Kümmern Sie sich bitte um die Rahmenbedingungen und überlassen Sie den Unternehmen die Entwicklung und Vermarktung von Produkten. 

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Ach ja, Stichwort: Fehlender Enthusiasmus. Kommen Sie doch mal auf die Hannover Messe und besuchen Sie die Mittelständler aus dem Maschinenbau und der Automatisierungsbranche. Da spürt man Aufbruchstimmung und da "fliegen" die Ideen auch. 

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