Offener Brief

Offener Brief: KI-Forscher machen Politik Druck

600 führende Experten für Künstliche Intelligenz haben gestern ein Schreiben veröffentlicht, mit dem sie europäische und nationale Entscheider auffordern, ihre Unterstützung für Forschung rund um Künstliche Intelligenz (KI) drastisch zu erhöhen. Auch Österreicher sind dabei.

Von

Offener Brief von KI-Experten, ihre Forderung: Europa muss beim Thema KI zusammenarbeiten. 

Unter den Unterzeichnern sind Spitzenforscher aus 20 europäischen Ländern, aus allen Bereichen der KI, darunter Vorsitzende nationaler KI-Gesellschaften, Leiter von Spitzenforschungsinstituten und viele Herausgeber wissenschaftlicher KI-Zeitschriften. Ab sofort können weitere Unterstützer den Brief auf claire-ai.org elektronisch unterschreiben. In ihrer Erklärung argumentieren die Experten, dass die Forschung zur Künstlichen Intelligenz für die Zukunft Europas von entscheidender Bedeutung ist. „Wir leben in einer wissensbasierten Welt“, sagt Holger Hoos, Professor für Maschinelles Lernen an der Universität Leiden und einer der Initiatoren. „Wissen und Intelligenz sind die wertvollsten Ressourcen in jeder Gesellschaft. Daher sind Investitionen in Forschung und Bildung klug. Investitionen zur Erforschung und Lehre der Künstlichen Intelligenz sind doppelt klug: Sie steigern die Intelligenz von Menschen und Maschinen.“

Aus Österreich haben 

  • Prof. Dr. Thomas Eiter, EurAI Fellow, Member of Academia Europea, kM Austrian Academy of Sciences, ​Vienna University of Technology​ (Informatik) 
  • Prof. Dr. Gerhard Friedrich, EurAI Fellow, Dean, Universität Klagenfurt (Informatik)
  • Prof. Dr. Georg Gottlob, EurAI Fellow, University of Oxford, UK and TU Wien (Informatik)
  • Prof. Dr. Werner Horn, EurAI Fellow, Medical University of Vienna (Medizin)
  • Dr. Cezary Kaliszyk, University of Innsbruck (Informatik)
  • Prof. Dr. Gerhard Widmer, EurAI Fellow, Johannes Kepler University Linz (Informatik)
  • Prof. Dr. Stefan Woltran, EURAI Fellow, TU Wien (Informatik) 

unterzeichnet.

White Paper zum Thema

Wir werden das nicht anderen überlassen

Die USA, China und Kanada investieren kräftig. Im vergangenen Jahr kündigte die chinesische Regierung ein Programm an, das darauf abzielt, bis 2030 die Spitzenstellung in allen Bereichen der Künstlichen Intelligenz zu erlangen. Dazu Morten Irgens, Vizerektor an der Metropolitan University Oslo: „Wenn es ein anderes Thema gewesen wäre, hätte ich gesagt: Gut für sie. Wir haben eine Reihe von Bereichen, in denen wir gut sind. Aber wenn es um den Bau von intelligenten Maschinen geht, die im Grunde genommen Dominanz in allen erdenklichen Bereichen, von Konsumgütern bis hin zu Sicherheit, etablieren sollen, dürfen wir unsere Köpfe nicht in den Sand stecken.“ „Künstliche Intelligenz ist ein globaler ‚Game Changer‘“, so Irgens weiter. „Sie wird unser Leben und unsere Gesellschaften verändern. Man sagt manchmal, der beste Weg die Zukunft zu meistern, bestehe darin, sie zu schaffen. Wir werden das nicht anderen überlassen.“

Am 10. April 2018 unterzeichneten 25 europäische Länder die Zusage, die Finanzierung und Koordination der KI-Forschung zu erhöhen, zwei Wochen später veröffentlichte die Europäische Kommission erste Pläne zur Finanzierung von KI-Forschung und Innovation mit rund 20 Milliarden Euro.

Konföderation der Laboratorien

„Diese Investition ist für Europa enorm wichtig“, sagt Prof. Philipp Slusallek, wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), dem weltweit größten KI-Forschungszentrum. „Aber wir sollten sie smart nutzen. Die Unterzeichner dieser Erklärung halten es für notwendig, in die Forschungsexzellenz in allen Bereichen der Künstlichen Intelligenz in ganz Europa zu investieren.“ Die Initiative fordert die Gründung einer Konföderation der Laboratorien für Künstliche Intelligenz-Forschung in Europa (CLAIRE). Ein großer zentraler Knotenpunkt stellt Forschungsinfrastruktur, Daten und Computing-Ressourcen zur Verfügung, die ansonsten unerreichbar wären, und macht sie regionalen Exzellenzzentren und allen anderen Partnern zugänglich. „CERN ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was wir mit CLAIRE erreichen wollen“, so Slusallek. „Die Hauptforschung wird von vielen exzellenten Forschern und Laboren in ganz Europa und der Welt betrieben. Aber durch die Koordinierung ihrer Forschung erhalten sie in allen Bereichen eine viel größere Hebelwirkung und deutlich mehr Anerkennung.“

„Europa muss nicht nur seine Forschung und Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz verstärken, sondern auch seine Kräfte bündeln“, fügt Prof. Hoos hinzu. „Europa hat viele exzellente Forscher in der KI und viele exzellente Forschungsgruppen. Aber es ist es wichtig, dass wir auf den Stärken Europas aufbauen: Verantwortungsvolle Forschung und Innovation, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.“ „Wir brauchen eine KI, die die menschliche Intelligenz ergänzt und nicht ersetzt“, so Hoos weiter. „KI hilft uns, unsere Grenzen und Vorurteile zu überwinden. Dies ist ein Schlüsselaspekt des menschzentrierten Ansatzes von Künstlicher Intelligenz, die von der CLAIRE-Initiative gefordert wird.“ „Die Industrie in vielen europäischen Ländern ist sehr gut positioniert, um die KI-Technologie einzusetzen“, sagt Irgens. „Die Frage ist, ob das eine anderswo entwickelte Technologie oder eine KI ‚Made in Europe‘ sein soll, die auf europäischen Werten wie Transparenz, Fairness und Sozialverträglichkeit basiert.“

Verwandte tecfindr-Einträge