Beschaffungsplattform

Laserhub: Startup will Blechbearbeitung digitalisieren

Laserhub hat das erklärte Ziel, die blechbearbeitende Industrie zu digitalisieren. Wie die jungen Stuttgarter das mit einer neuartigen Beschaffungsplattform realisieren wollen, lässt so manchen Lohnfertiger aufhorchen.

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Start-up Digitalisierung Laserhub Metallbearbeitung IT

Wollen mit der Beschaffungsplattform Laserhub die Blechindustrie digitalisieren: (v.l.n.r.) Start-up Gründer Adrian Raidt, Christoph Rößner, Jonas Schweizer.

Von einer zentralen Frage zum findigen Geschäftsmodell: Adrian Raidt, einer der Gründer und geistiger Vater von Laserhub, hat lange beobachtet, dass Lohnfertiger teure Blechbearbeitungsmaschinen anschaffen – diese dann aber nicht voll auslasten können. Eine Frage, die ihn direkt an die Schnittstelle zwischen den Kunden und den Blechbearbeiter führte. Für Christoph Rößner, ebenfalls Gründer der Laserhub GmbH, ist man in der Branche ganz klar auf dem Stand von 1990 stehengeblieben. Der Mitgründer von Laserhub spricht von einem „administrativen Bottleneck“, das es zu überwinden gilt. Und genau das versucht das Stuttgarter Start-up mit einer digitalen Beschaffungsplattform für Blech.

Preis nach Lieferzeit gestaffelt

2017 stellte das junge Start-up die Beschaffungsplattform Laserhub ins Netz. Die Prozesse der Blechbeschaffung und des Auftragsmanagements sollen drastisch abgekürzt werden. Die Kunden laden dabei ihre CAD-Zeichnungen im Online-Portal hoch, erhalten direkt ein Feedback über die Produzierbarkeit des Bauteils und innerhalb kurzer Zeit auch den entsprechenden Preis. Dieser ist nach Lieferzeit gestaffelt. Die Bestellung kann direkt online ausgelöst werden und die digitale Plattform sucht aus dem Pool an Produktionspartnern den geeignetsten Produzenten. Die Stuttgarter kümmern sich übrigens auch um die Logistik. Rößner will aber kein zusätzlicher großer Blechbearbeiter sein, „wir möchten diese Industrie letztlich digitalisieren“, so der Gründer.

Aus der Industrie für die Industrie

Übrigens: Völlig „branchennackt“ starten die beiden Laserhub-Gründer nicht. Vor der Gründung des Start-ups waren Raidt und Rößner für große Player in der metallverarbeitenden Industrie tätig. Wesentliches Branchenwissen ist ihnen also nicht fern. Die Idee zur Online-Plattform hat sich aus Beobachtungen heraus entwickelt. Und dafür holten sich die beiden Stuttgarter Jonas Schweizer, heute CTO von Laserhub. Er ist Softwareentwickler und hat im Vorfeld für eine Digitalberatung gearbeitet. Ein wesentlicher Meilenstein für das Jungunternehmen war eine Finanzierungsrunde, die vor kurzem abgeschlossen werden konnte. „Dass Laserhub das Vertrauen von Investoren genießt, das Vertrauen darin, dass wir den Markt verändern können –ist für uns sehr bedeutend“, sagt Rößner und fügt hinzu: „Den Durchbruch haben wir geschafft, ja.“ Die drei Blech-Digitalisierer haben ein etabliertes Geschäftsmodell entwickelt, das sehr gut funktioniert. „Aber wir sind natürlich hungrig nach mehr.“

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Internationalisieren und Komplettanbieter werden

Mitte 2019 wagte Laserhub den Schritt nach Österreich. Das komplette Geschäftsmodell wurde quasi auf den österreichischen Markt transferiert. Und die Ziele sind hoch gesteckt: Zehn Prozent des Gesamtumsatzes sollen bald in Österreich erwirtschaftet werden. Geht es nach den drei Gründern soll noch in diesem Jahr ein weiteres Land folgen. Im Fokus steht auch eine weitere Erhöhung der Fertigungstiefe. Hier wird mit Themen, wie der CNC-Bearbeitung, Drehen und Fräsen, geliebäugelt. Man wolle ein Blech-Komplettanbieter werden, meint Rößner. Und dafür strebt das Start-up auch nach einer Integration in die gängigen ERP-Systeme. Denn auch für größere Unternehmen und Konzerne soll Laserhub bald zum Digitalisierungshub werden.

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