Pilotprojekt

Jetflyer: Graz Vorreiter bei autonomer Transportlogistik

Könnte die Zustellung von Paketen im Stadtgebiet in naher Zukunft mit einem unbemannten E-Fahrzeug funktionieren? Ja meint ein Pilotprojekt der Technischen Universität in Graz und hat schon konkrete Tests am Laufen.

Viele Partner, ein Projekt:(v.l.n.r.) Peter Umundum (Post-Vorstand Paket und Logistik) mit den Vorständen der Energie Steiermark Christian Purrer und Martin Graf, Energie-Landesrat Anton Lang, Wirtschafts- und Wissenschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, Gerald Steinbauer (Projektleiter TU) und Martin Painsi (Prokurist i-Tec Styria)

Finanziert wird das Projekt von der Energie Steiermark und der Post AG. Das Ergebnis: Ein eigens adaptiertes, innovatives E-Mobil, „made in styria“, dessen Technik neue Maßstäbe setzen könnte. Jetzt wurde der grün-gelbe „E-Post-Roboter auf Rädern“ erstmals der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt. Der Prototyp des vollautonomen Jetflyer aus dem weststeirischen Unternehmen i-Tec Styria (er wird in seiner Ur-Variante von der Post bereits seit geraumer Zeit eingesetzt) navigiert in Schrittgeschwindigkeit selbstständig und ohne Fahrer zu unterschiedlichen, programmierten Zielen in der Grazer Innenstadt. Die Adressaten werden bei der Ankunft des Jetflyers per SMS informiert und können ihr Paket selbst aus den Boxen entnehmen.

Erste Schritt für das autonome Fahren im urbanen Raum

„Wir sehen in der E-Mobilität generell großes Potential und investieren derzeit 3,2 Millionen Euro in 150 neue E-Tankstellen“, so Vorstandssprecher Christian Purrer von der Energie Steiermark. „Diese Innovations-Partnerschaft mit der Post eröffnet neue Möglichkeiten, die wir ganz offensiv entwickeln wollen“. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen für neue Geschäftsmodelle genützt werden: „Durch das Jetflyer-Projekt erschließen sich neue Anwendungsgebiete, die wir möglichst rasch unseren Kunden als Dienstleistungen anbieten werden“, so Vorstandsdirektor Martin Graf.

„Als landesweit führender Paketdienstleister erproben wir laufend innovative Transport- und Logistiksysteme mit dem Ziel, unseren KundInnen neue, individuelle Lösungen und ein breites Leistungsportfolio bieten zu können. Die Evaluierung, Pilotierung und der Bau von Prototypen ist dabei enorm wichtig, um die Möglichkeiten für die Zukunft optimal ausloten zu können. Gemeinsam mit unseren heimischen Partnern hat die Österreichische Post AG nun ein Konzept zur automatisierten Paketzustellung erarbeitet und in einem ersten Schritt das autonome Fahren im urbanen Raum erfolgreich getestet – wir sehen hierbei große Potenziale und werden daher in diesem Bereich die Forschung und Entwicklung weiter vorantreiben“, so Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik der Österreichischen Post AG.

White Paper zum Thema

Automatische Ortsbestimmung

„Wir sind stolz, dass wir es mit diesem Prototypen geschafft haben, unsere Expertise in der autonomen Navigation von Robotern erfolgreich auf ein Elektrofahrzeug in einem städtischen Umfeld zu übertragen. Die Robotik erobert sukzessive neue Bereiche mit autonomen Fahrzeugen, die sich von der Ausstattung her nicht von Hightech-Robotern unterscheiden. Zum Beispiel sind freifahrende Transportroboter mittlerweile Standard in der Industrie. Der nächste Schritt ist die Erweiterung auf urbane Bereiche wie Innenstädte“, erklärt Gerald Steinbauer, Leiter der Arbeitsgruppe Autonome Intelligente Systeme - Institut für Softwaretechnologie (TU Graz).

Das Grundkonzept für den autonomen Jetflyer ist im Rahmen einer Diplomarbeit am Institut für Softwaretechnologie entstanden. Konkret wurde ein handelsüblicher Jetflyer in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fahrzeugtechnik aufwändig umgebaut: Paketboxen wurden montiert, wofür der Fahrersitz verkleinert wurde. Sensorik und Rechner mit entsprechender Software für die autonome Steuerung und die Navigation des Fahrzeuges (automatische Ortsbestimmung im urbanen Raum mittels Karten und Lasersensoren, effiziente Routenplanung und zuverlässige Vermeidung dynamischer Hindernisse) wurden integriert. Das freie, autonome Navigieren im urbanen Raum stellt im Vergleich zu Indoor-Umgebungen durch die erhöhte Komplexität und Dynamik der Umgebung eine große Herausforderung dar.

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