Start-up

PHS Logistiktechnik: Grazer Start-up will mit einem Teppich LKWs schneller entladen

Mit einem neu entwickelten „Entladeteppich“ will das Start-up PHS Logistiktechnik LKWs nicht nur schneller sondern vor allem vollautomatisch entladen. Die Österreichische Post ist bereits von der steirischen Erfindung überzeugt.

Von
PHS Logistiktechnik Österreichische Post Logistik Transport Start-up

Logistikprofis: Die beiden Erfinder der „Dock-and-go“-Lösung (v.l.): Andreas Wolfschluckner und Matthias Fritz.

Junge Menschen, die in coolen Lofts residieren oder in der Garage sitzen, um mit ihren kreativen Ideen die Welt erobern, so werden Start-ups oft gern beschrieben. Im Fall zweier steirischer Jungunternehmer ist es eine Lagerhalle, wo das Start-up phs im Begriff ist die Logistik-Welt zu entern. Andreas Wolfschluckner und Matthias Fritz, haben Großes mit ihrer Erfindung vor: Die beiden studierten Maschinenbauer haben einen „Entladeteppich“ für Lkw erfunden. Damit sollen sich künftig Pakete vom Lkw schnell, sicher und vor allem vollautomatisch entladen lassen. Ein ganzer KEP-LKW soll sich so ohne menschlichen Handgriff „in weniger als einer halben Stunde entladen lassen“, verspricht Fritz.

Österreichische Post als Pilot

Um ihre Erfindung, an der sie seit 2015 tüfteln, professionell zu vermarkten gründeten sie PHS Logistiktechnik, das im Untertitel die Bezeichnung parcel handling solutions führt. Dass hinter PHS ordentlich Logistikpower steckt, zeigt die Beteiligung von niemand geringerem als Österreichs Post (26 Prozent). An diesen Partner kann sich PHS nicht nur wirtschaftlich anlehnen, in deren Verteilzentren werden die ersten Teppiche installiert. Für das weltweite Vorzeigen der Erfindung steht damit ein sehr willkommener Referenzkunde zur Seite. Im Rahmen des Programms „Mobilität der Zukunft“ stand auch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) zur Seite. Realisiert wurde die Erfindung von den beiden Jungunternehmern an der TU Graz gemeinsam mit dem Unternehmen TAGpilot und der Post.  

Dock-and-go Lösung

Das Entladesystem ist eine  sogenannte „Dock-and-go-Lösung“ und besteht aus einer mit Gurten ausgestatteten Auflage auf dem Lkw und einer stationären Vorrichtung beim Hallentor, wo das System mit dem Lkw verbunden wird. Die Pakete werden auf diesem Teppich aus dem Lkw gezogen, wobei sie beim Herausziehen in einem zeitlich genau berechneten Ablauf nach vorne fallen und dann direkt – in einem Paket-Verteilzentrum beispielsweise – auf die vorhandenen Aufschlusslinien weiterbefördert und in weiterer Folge auf Förderbändern identifiziert und sortiert werden. Der Teppich ist dabei für alle Lkw-Typen nachrüstbar. Einen Prototyp des Entladesystems gibt es bereits, in diesem Jahr wird daraus ein Serienmodell entwickelt und soll in weiterer Folge mit der Vermarktung in Europa begonnen werden.

White Paper zum Thema

PHS, Logistiktechnik, Entladeteppich © PHS Logistiktechnik

Clever adaptierbar: Der „Entladeteppich“ lässt sich bei allen Lkw-Typen nachrüsten.

 

Riesige Absatzschancen

Das bereits europaweit patentierte System ist primär für sortierfähige Pakete gedacht, aber auch gut geeignet für Stückgüter oder ähnliche Waren, die schneller als bisher vom Lkw entladen werden sollen. Als potenzielle Abnehmer des Teppichs vor Augen haben die beiden Erfinder die kontinuierlich wachsende Kurier-Express-Paket-Branche, Online-Händler mit ihren Verteilzentren, Logistik-Zentren oder Errichter von Logistik-Immobilien. Großes Plus: Das Entladesystem lässt sich unkompliziert jederzeit in Lkw oder bei den Hallentoren installieren.

  Wolfschluckner und Fritz sehen für ihr System gute Absatzchancen. Für die DACH-Region schätzen sie den Umsatzmarkt auf 310 Mio. Euro ein, europaweit auf 920 Mio. Euro und weltweit sogar für stolze zwei Milliarden Euro. Das deshalb, weil zum einen der E-Commerce-Handel förmlich explodiert und zum anderen weil die Paket-Verteilzentren und Logistik-Immobilien mit der Abfertigung des jährlich im zweistelligen Prozent-Bereich steigenden Paket-Aufkommens langsam an ihre Grenzen stoßen. Das heißt: Der Umschlag zwischen Lkw und den Verteilzentren muss schneller werden „und hier setzt unser PHS-System optimal an“, so Wolfschluckner.