Leonhard Muigg ist als Industrie 4.0-Koordinator der Siemens AG Österreich tätig. Er fungiert als Kommunikator zwischen den Siemens-Bereichen und den Industriepartnern, um das Thema Industrie 4.0 zu positionieren und voranzutreiben.

Kommentar

Digitalisierung: Hype, Trend oder doch Strategie?

Leider wird in Österreich die Wichtigkeit einer digitalen Transformationsstrategie in vielen Führungsebenen nicht mit der Priorität gesehen, die sich dieses Thema verdient.

Digitalisierung Blog Siemens IT Automation

Leonhard Muigg als Vortragender auf der Industrierobotik Konferenz am FH Technikum in Wien. 

Siemens ist für seine Kernkompetenz in Elektrifizierung und Automatisierung bekannt.  Durch die Veränderungen in der IT-Technologie musste das Unternehmen aber seine Kernkompetenzen um das Thema Digitalisierung erweitern. Diese Reaktion ist von enormer strategischer Wichtigkeit, da man sonst sehr rasch zu einem bloßen Komponentenlieferanten mutieren würde.


Drei Zwillingsarten

Siemens hat sehr früh reagiert und sein Lösungsportfolio über die gesamte Wertschöpfungskette erweitert und ausgebaut. Allein der Zukauf von Software-Unternehmen ist aber nicht ausreichend, um als Partner für die Digitale Transformation wahrgenommen zu werden. Der strategische Ansatz von Siemens wird unter dem Begriff „Digital Enterprise“ in der Industrie positioniert. Siemens ist das einzige Unternehmen, das die Digitale Transformation als ganzheitlichen Ansatz definiert - und auch das gesamte Lösungsportfolio unter einem Dach anbieten kann. Erfolgsgarant für eine erfolgreiche Transformation sind die drei definierten digitalen Zwillinge:  der digitale Produktzwilling, der digitale Produktionszwilling und der digitale Performancezwilling.
Hausaufgaben machen

White Paper zum Thema

Leider wird in Österreich die Wichtigkeit einer digitalen Transformationsstrategie in vielen Führungsebenen nicht mit der Priorität gesehen, die sich dieses Thema verdient. Vielfach wird es  nicht als Strategiethema gesehen und auf Anwendungsfälle heruntergebrochen in den technischen Abteilungen der Unternehmen positioniert. Dort ist man aber vielfach darum bemüht, zu beweisen und zu zeigen, was nicht geht, und nicht das Potenzial zu erkennen, welchen Nutzen die Digitalisierung bringen kann.  Dazu gibt es aber von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen ein Reifegradmodell, mit dem aufgezeigt wird, dass Nachhaltigkeit im Gedankengut von Industrie 4.0 nur dann erreicht werden kann, wenn die Hausaufgaben im Bereich Digitalisierung gemacht werden.

Technologie ist nicht das Wichtigste

Unter Digitalisierung versteht man in diesem Modell die ersten zwei Stufen im Reifegrad: die Computerisierung und die Connectivity (Vernetzung der Datenquellen). Erst nach Abschluss dieser grundlegenden Vorarbeiten ist man reif für die notwendigen Datenmodelle oder digitalen Zwillinge für einen nachhaltigen Industrie 4.0-Ansatz im Unternehmen. Wenn man das unter diesem Aspekt sieht, hat aber die Technologie nur mehr eine Wichtigkeit von fünf bis zehn Prozent.  Der Rest ist auf der Ebene Organisation und Strategie zu sehen. Bei der Bereitschaft zu Kulturveränderung im Unternehmen sind die Länder Slowenien, Slowakei usw. den Österreichern voraus. Dort geht man „open minded“ an dieses Thema heran.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass man sich jetzt in den Führungsetagen der Unternehmen die passenden digitalen Strategieleitbilder zur digitalen Transformation erarbeitet und auch die dafür notwendigen Entscheidungen auf Organisationsebene trifft.