Buchtipp

Digitalisierung: Herbert Jodelbauer bringt neues Buch heraus

Vom Pferdemist zur Digitalen Transformation: Das neue Buch „Digitale Transformation der Wertschöpfung“ von Studiengangsleiter Herbert Jodlbauer ist erschienen.

Digitalisierung FH OÖ IT Produktion

Das neue Buch „Digitale Transformation der Wertschöpfung“ von Studiengangsleiter Herbert Jodlbauer ist erschienen.

Herbert Jodlbauer, Studiengangsleiter und renommierter Forscher für Produktionswirtschaft, macht in seinem Buch die Themen Big Data, Advanced Analytics, Internet der Dinge oder Industrie 4.0 nachvollziehbar und zeigt darin sowohl deren wirtschaftlichen Nutzen als auch die Möglichkeiten der Geschäftsmodellinnovation auf. Sein Buch erschien heuer - als bereits Drittes binnen zwei Jahren – im Kohlhammer Verlag und adressiert Unternehmer, Experten sowie Studierende, die als Vordenker und Gestalter das Business von morgen konzipieren und betreiben. Das Buch ist bereits online erhältlich.

London im Jahre 1894. Die Zeitung ‚The Times‘ sagt voraus, dass bis 1950 die Straßen der Innenstadt mit einer drei Meter hohen Mistschicht bedeckt sein werden. Auch in New York zeichnete ein Kolumnist das Bild eines 21. Jahrhunderts, in dem Pferdeäpfel bis zum 3. Stock der neuen Wolkenkratzer reichen werden. 1898 tagte in New York eine internationale Konferenz zur Lösung des Problems. Bereits nach 3 Tagen wurde diese ergebnislos abgebrochen. Mit dem Aufkommen des Automobils, das sehr schnell auch für den Transportbereich entdeckt wurde, löste sich das Problem innerhalb kürzester Zeit von selbst. Auch heutzutage gilt die Entwicklung und Umsetzung von Klimaschutzprogrammen als große Herausforderung. Als ein großer belastender Faktor für unsere Umwelt wird dabei das Auto gesehen, welches damals die Welt vor dem Ersticken in Pferdemist rettete. Die Suche nach Lösungen für den umweltschädigenden CO2-Ausstoß bringt heutzutage eine Wende für die Automobilbranche.

Ansätze erfolgreicher Unternehmensführung


Für Herbert Jodlbauer ist dies nur eines von vielen Beispielen, wie sich die technologische Entwicklung auf sämtliche Lebensbereiche des Menschen auswirken kann. Intelligente Komponenten oder digitale Dienstleistungen verdrängen oder ersetzen vermehrt physische Produkte und klassische Dienstleistungen etablierter Anbieter. Die gesamte Wertschöpfung befindet sich in der Transformation. „Die Digitalisierung wird unsere Welt, Arbeit und Freizeit wesentlich beeinflussen“, so Autor und Studiengangsleiter Herbert Jodlbauer und erläutert die Motivation für sein neues Buch wie folgt: „Der zentrale Punkt ist, dass die Digitalisierung ganze Wertschöpfungsketten und die gesamte Wirtschaft radikal verändern wird.“ Das Buch bietet einen State of the Art neuer Technologien und Ansätze im Bereich der erfolgreichen Unternehmensführung. Der Autor zeigt auf, wie diese wirtschaftlich genutzt werden können und warum es notwendig ist, Geschäftsmodelle anzupassen.

White Paper zum Thema

Die angesprochenen Leser sind sowohl Praktiker – insbesondere Verantwortungsträger zur Absicherung des langfristigen Unternehmenserfolges – als auch Studierende, die durch die digitale Transformation der Wertschöpfung Mehrwert für Kunden und Unternehmen schaffen wollen. Auch in die Hörsäle der FH OÖ findet das Buch seinen Weg. Aktuell setzt Jodlbauer das Buch in der Vorlesung ‚Geschäftsmodellinnovation‘, im Masterstudium Operations Management ein. Auch bei Fachkongressen oder internationalen Konferenzen ist er ein gern gesehener Gast und macht so sein Wissen einem breiten Publikum zugänglich.

Datenexplosion
Seit der Jahrtausendwende ist die explosionsartige Entwicklung des Datenbestandes festzustellen. Im Jahr 2015 wurden in nur zwölf Stunden gleich viele digitale Daten neu geschaffen, wie die gesamte Menschheit von der Urzeit bis zum Jahr 1997 in Summe unter Berücksichtigung aller Medien an Daten generiert hat. Heute produzieren wir in nur zwei Stunden digitale Daten, deren Umfang höher ist als der Datenumfang aller jemals gedruckten Bücher. Experten schätzen, dass bereits ab 2020 das Datenvolumen 100 Zetabyte überschreiten wird, wobei nur 3 % der vorhandenen Daten konkret analysiert, genutzt oder verwertet werden. Es entsteht ein enormes ungenutztes Potenzial.

In seinem Buch greift Herbert Jodlbauer diese Thematik auf, beleuchtet wissenschaftlich neue Technologien wie Big Data, Internet of Things oder Advanced Analytics und stellt diese im Detail vor. „Digitalisierung und Industrie 4.0 werden häufig nur als technischen Herausforderungen gesehen. Nur in neue Technologien zu investieren reicht aber nicht. Die gesamte Wertschöpfungskette ist vom digitalen Zeitalter betroffen,“ betont Jodlbauer, der den Kundennutzen und die Schaffung eines echten Kundenmehrwertes als zentralen Punkt der Veränderung sieht: „Der an die jeweilige Kundensituation angepasste Service kombiniert mit digitalen Diensten wird die materiellen Güter immer mehr verdrängen.“

Neue technische Möglichkeiten

Schlagworte wie Internet of Things, Pervasive Computing, Embedded Systems, Machine to Machine Communication oder Cloud sind in aller Munde und tragen dazu bei, dass immer mehr Daten verfügbar sind und zur zentralen Ressource werden. Jodlbauer sieht den Schlüssel zum Erfolg in der strategiegeleiteten Anwendung und Verwertung dieser neuen Technologien: „Momentan erleben wir eine Verschmelzung der physischen mit der virtuellen Welt. Personalisierte, intelligente Produkte, kurze Lieferzeiten und ein hoher Servicegrad charakterisieren in Zukunft den Markt.“  In einem ständigen Kreislauf werden Daten durch Internet of Things, Social Media oder Industrie 4.0 generiert, durch Technogien wie Big Data transformiert und schließlich für Services, Anwendungen und Entscheidungen genutzt. In diesem Buch werden dieser Kreislauf und seine Elemente bezogen auf die Wertschöpfung und insbesondere auf die Produktion von Wirtschaftsgütern diskutiert.

Die Integration neuer Technologien wird oft von fehlendem Wissen, hohen Kosten oder unklaren Nutzendarstellungen gehemmt. „Ich versuche in meinem Buch, diese Hemmnisse zu beseitigen und den Nutzen der Anwendung von Big Data darzustellen“, führt Jodlbauer aus. Ein klarer Wettbewerbsvorteil für Unternehmen ginge mit der Fähigkeit, unstrukturierte Daten zielorientiert verarbeiten zu können, einher. Auch der Druck auf produzierende Unternehmen, die Produktivität ständig steigern zu müssen, sei enorm. Big Data könne hier eine erhebliche Steigerung der Produktivität bewirken, erklärt Jodlbauer. „Im güterproduzierenden Bereich können so zwischen 10 und 50 % Fertigungs- und Montagekosten eingespart werden.“

Ein bekanntes Beispiel für die erfolgreiche Nutzung digitaler Ressourcen ist die Firma Beiersdorf, die durch die Auswertung von Social Media Fotos und Videos und den dazugehörigen Postings festgestellt hat, dass ein Deo, das zu keinem weißgrauen Rückstand in der Kleidung unter der Achsel führt hohe Marktchancen hat. Kurze Zeit nach diesem Erkenntnisgewinn brachte Beiersdorf höchst erfolgreich ‚Nivea Invisible for Black and White‘ auf den Markt.  Auch Tata Motors analysiert 4 Millionen Texte pro Monat und kombiniert dies mit Kundenzufriedenheitsanalysen, um Verbesserungen im Wertschöpfungsprozess zu finden.

Digitale Transformation der Wertschöpfung

Die maschinelle automatische Diagnose, die Optimierung von Fertigungsprozessen, Instandhaltungsmaßnahmen, die generative Fertigung bzw. 3D-Drucken, die Mensch-Maschine-Kollaboration, das Mixed Reality, Assistenzsysteme oder Smarte Steuerung bedienen sich intelligenter Prozesse sowie intelligenter Dinge und leisten so einen sinnvollen Beitrag zur Wertschöpfung.

Den Ängsten, die digitale Transformation würde das Ende der menschlichen Arbeitskraft bedeuten, begegnet der Autor so: „Die digitale Entwicklung kann die physische Arbeit eines Technikers vor Ort nicht ersetzten, jedoch unterstützen.“ Bei Softwarekomponenten verhalte es sich anders. Softwareupdates, Analysen oder Beurteilungen könnten bequem remote ohne Techniker vor Ort durchgeführt werden. „Gewisse Berufe werden von intelligenten Maschinen ganz verdrängt werden. Aber auch neue Berufe werden durch die neuen Geschäftsmodelle entstehen“, erklärt Jodlbauer.

Betrachtet man beispielsweise die generative Fertigung genauer, werden aufgrund verbesserter Rahmenbedingungen auch Produkte mit geringeren Preisen und höherem Volumen interessanter. So könnte zukünftig der Prozess einen Zahnersatz zu erhalten deutlich vereinfacht werden. Nur ein Zahnarztbesuch mit den Schritten Diagnose, 3D-Kameravermessung, 3D-Keramikdruck, Anpassung und Einsetzen des Zahnersatzes wäre erforderlich. Ähnlich wie der 3D-Zahndruck einen Wirtschaftszweig ändern würde, sind Änderungen in Wertschöpfungselementen zu erwarten.

Intelligente Geschäftsmodelle

Ein erfolgreiches Geschäftsmodell versetzt das Unternehmen in die Lage, gleichzeitig einen Kundennutzen zu stiften und einen Wert für das Unternehmen zu schaffen. „Die künftigen Geschäftsmodelle werden sich durch Lösungs- statt Produktangebote auszeichnen“, betont Jodlbauer und sieht neue Wege zum Kunden, enge Anbindung der Kunden und eine schnelle Transformation als Must-Haves für erfolgreiche Unternehmen. Dieser Erfolg fuße nachhaltig auf den Konzepten und neuen Technologien in der digitalen Transformation. Der Autor zeigt in seinem Buch Möglichkeiten auf Kunden zu integrieren, datenbasierte Dienstleistungen zu schaffen und Daten als Basis des wirtschaftlichen Erfolges zu sammeln und auszuwerten.


Über den Autor

Prof. Dipl.-Ing. Dr. Herbert Jodlbauer lehrt Operations Management an der FH Oberösterreich, ist der wissenschaftliche Leiter des Center of Excellence for Smart Production und berät Unternehmen in den Bereichen Wertschöpfung, Produktion und Digitale Transformation. Geboren 1965, studierte er Technische Mathematik und Maschinenbau. In seiner Forschung beschäftigt sich Jodlbauer insbesondere mit Industrie 4.0 sowie Big Data. Darüber hinaus betreibt Jodlbauer seit 1995 das Beratungsunternehmen TechTransfer mit den Schwerpunkten Produktions-optimierung, Planung und Steuerung. Er ist der Erfinder des Zahlenrätsel JODICI. In zahlreichen Vorträgen wie auch Publikationen sind von ihm entwickelte Methoden und Verfahren einem breiten Publikum zugänglich gemacht worden. Durch seine breite Erfahrung als Projektleiter, Geschäftsführer, Aufsichtsrat, Professor und Berater ist er mit dem Thema Daten aus unterschiedlichsten Perspektiven bestens vertraut.

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