Leuchtturmprojek

Boost 4.0: Wie Fill für die EU Daten sprudeln lässt

Boost 4.0 ist bis dato die größte europäische Initiative im Bereich Big Data, das den Aufbau des europäischen Industrie-Datenraums vorantreiben soll. Dazu gehört auch der Maschinenbauer Fill.

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Closing the Loop: Für das EU Projekt Boost 4.0 realisiert Maschinenbauer Fill eine Pilotfabrik zum Thema „Smart Digital Engineering“. Dort werden Daten von OPC UA-standardisierten Maschinen erfasst und im Anschluss für Analytics und die daraus resultierenden Optimierungen genutzt.

Mit einem Budget von 20 Millionen Euro und weiteren 100 Millionen Euro aus dem privaten Bereich unterstützt die EU-Initiative Boost 4.0 die europäische Fertigungsindustrie bei der Implementierung von Big-Data-Technologien. Im Zuge dessen sollen dem Industriesektor die notwendigen Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, um den maximalen Nutzen von Big Data auszuschöpfen und so die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Europa zu verbessern. Gleichzeitig möchte die Initiative mit BOOST 4.0 ein sogenanntes Europäisches Industrial Data Space aufbauen, das fortschrittliche Analyselösungen durch globale Standards, offene Programmierschnittstellen (APIs), eine sichere digitale Infrastruktur, vertrauenswürdige Big Data-Middleware sowie digitale Fertigungsplattformen auf den Weg bringt.

Leuchtturmfunktion für Europa

Zu den an Boost 4.0 Teilnehmern gehören insgesamt 50 Unternehmen aus 16 Ländern, darunter Philips, Volkswagen, Volvo, FCA, Whirlpool, Fill und Siemens. Durch die Initiative wird letztlich eine ausgewählte Gruppe intelligenter und vernetzter Unternehmen in Europa gefördert, die als Leuchtturmfunktion für die restliche europäische Industrie fungieren soll. Für die partizipierenden Unternehmen werden während des 36-monatigen EU-Projekts Produktivitätssteigerungen von bis zu 20 Prozent sowie eine Reduzierung unerwarteter Instandhaltungsarbeiten von bis zu 50 Prozent prognostiziert.

Alois, Wiesinger © Matthias Heschl

„Im Laufe der nächsten zwei Jahre wollen wir mit unserer Pilotfabrik den Beweis antreten, dass wir damit eine ansehnliche Wertschöpfung erzielen können.“  Alois Wiesinger, Technischer Leiter bei Fill

White Paper zum Thema

Innovative Fill-Pilotfabrik

Der Beitrag des österreichischen Maschinenbauers Fill beschäftigt sich mit der Realisierung einer Pilotfabrik zum Thema „Smart Digital Engineering“. Matthias Grimmer, Software-Architekt bei Fill, stellte beim European Big Data Value Forum einen Prototyp als innovatives Geschäftsmodell für die geplante Fill-Pilotfabrik erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor. In der Fill-Pilotfabrik werden Daten von OPC UA-standardisierten Maschinen erfasst und im Anschluss für Analytics und die daraus resultierenden Optimierungen genutzt. „Wir nennen das ‘Closing the Loop‘“, so Grimmer. „Das heißt, die gewonnenen Erkenntnisse werden zurück ins Engineering gespielt, um dort Neukonzepte zu beflügeln.“ Für Fill stehen dabei folgenden Ziele im Fokus: Die Kostensenkung durch Reduzierung des Zeitaufwands für zukünftige Entwicklungs- und Kundenprojekte, die Entwicklung von datengesteuerten Geschäftsmodelle in Service und Support sowie die Identifizierung von Optimierungspotenzialen im Engineering-Prozess zur langfristigen Reduzierung der Entwicklungszeiten von Maschinen.

Optimierter Bauteilfluss

Für den reibungslosen Ablauf ist Cybernetics, die Smart-Factory-Lösung von Fill, zuständig. Die intelligente Prozesssteuerung optimiert den Bauteilfluss und die Auslastung einer Produktionslinie. Wartungszeiten werden im Vorhinein ermittelt und eingeplant, um unvorhergesehene Stillstände zu vermeiden. Parallel dazu werden Produktions- und Prozessdaten erfasst und aufgezeichnet. „Im Laufe der nächsten zwei Jahre wollen wir mit unserer Pilotfabrik den Beweis antreten, dass wir damit eine ansehnliche Wertschöpfung erzielen können“, sagt Alois Wiesinger, Technischer Leiter bei Fill. „Zu diesem Zweck wird der Prototyp kontinuierlich weiterentwickelt.“

Die Zielsetzungen auf einen Blick

Die Initiative etabliert für die EU-weite Implementierung von Big Data-Lösungen einen Zusammenschluss zu einem europäischen industriellen Datenraum.

  • 1. Globale Standards: Es soll ein Beitrag zur internationalen Standardisierung von Datenmodellen für den europäischen Industrial Data Space geleistet werden. Dazu zählen offene Schnittstellen, die mit dem europäischen Referenzarchitekturmodell für Industrie 4.0 (RAMI 4.0) kompatibel sind.
  • 2. Sichere digitale Infrastrukturen: Topmoderne Cloud-Infrastrukturen sollen eine maximale Performance für den europäischen Industrial Data Space garantieren. Support durch High-Performance-Computing und Analytics von großen, heterogenen industriellen Datenquellen.
  • 3. Vertrauenswürdige Big-Data-Middleware: Zusammenführung der vier europäischen Hauptinitiativen im Bereich Open Source: Industrial Data Space, FIWARE, Hyperledger und Big Data Europe. Auf diese Weise soll die Entwicklung von offenen Konnektoren und Big-Data-Middleware mit eingebauter Blockchain-Unterstützung im europäischen Industrial Data Space vorangetrieben werden.
  • 4. Digitale Fertigungsplattformen: Offene Schnittstellen für Big-Data-Pipelines für fortgeschrittene Analysedienste und Datenvisualisierung, unterstützt durch die Hauptplattformen für digitales Entwickeln, Simulation, Ausführung und Qualitätskontrolle.
  • 5. Zertifizierung: Europäisches Zertifizierungsprogramm für Infrastrukturen, Plattformen und Big-Data-Dienste.

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