Stiwa

Automatisierte Produktion: Stiwa schlägt sie alle

Die oberösterreichische Stiwa konnte ihre Stückkosten so weit senken, dass sie mit Billiglohnländer wie China längst konkurrieren können. Wie das geht und warum die Kunden am Anfang doch skeptisch waren.

Automation Elektronik Industrie 4.0 Robotik STIWA Group
In der Automation schlägt Stiwa Sie alle.

Manufaktur ist Luxus. So sieht es Harald Strauß und behält auch Recht damit. Der Leiter des Bereichs Vertrieb und Marketing bei Stiwa hat gelernt mit einem Produktionsstandort in einem Hochlohnland umzugehen. So hat die STIWA Group ihren Produktionsprozess am Standort Gampern komplett automatisiert. Warum? „Weil wir jetzt mit unseren Stückkosten so niedrig sind, dass wir neben dem amerikanischen als auch den chinesischen Markt bedienen können“, erklärt Strauß. Die Gamperer brauchen mittlerweile für jedes Bauteil statt 20 Sekunden nur mehr fünf Sekunden. Eine gewaltige Leistung, die Harald Strauß und sein Team am Anfang sogar Überzeugungsarbeit bei ihren eigenen Kunden kostete.

Drei Hebel zur Kostensenkung.

Die oberösterreichische STIWA Group hat sich im Bereich der Zulieferproduktion auf die Herstellung lasergeschweißter Getriebebaugruppen und Fahrzeuglenkungskomponenten spezialisiert. Seit über 10 Jahren gelten die Gamperer als Pioniere auf diesem Gebiet und Premiummarken wie Audi, BMW oder Landrover vertrauen schon lange auf die Bauteile made in Austria. „Wir waren die ersten die Lenkungsbauteile automatisiert laserschweißten“, so Strauß. Um den Herausforderungen am Hochlohnstandort Europa begegnen zu können, mussten messbare Ziele erreicht werden. Eines davon war das Reduzieren der Stückkosten. „Es gibt drei Hebel mit denen sich diese Kosten senken lassen“, erklärt Strauß. „Taktzeit, Personalbindung und Maschinenlaufzeit.“ Dafür müssen Zusammenhänge analysiert und vor allem visualisiert werden. Maschinen und Abläufe sollten bei Stiwa vollkommen transparent werden. Die Produktion hochautomatisiert. „Durch die Kombination von mechanischen und elektronischen Bauteilen werden die Prozesse aber immer komplexer und die Beziehungen zwischen den Teilen und den Prozessen verdichten sich exponentiell“, erklärt Strauß. Nicht zu vergessen seien dabei auch die hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards gegenüber den Kunden der Oberösterreicher. Keine leichte Aufgabe also.

Harald, Strauß © Stiwa

„Wir bearbeiten das Thema der vernetzten Produktion schon seit 20 Jahren, als der Begriff Industrie 4.0 noch nicht einmal als Idee vorlag.“ Harald Strauß, Leiter des Bereichs Vertrieb und Marketing bei Stiwa.

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Weltweit bereits im Einsatz.

Dass das nur eine Standardsoftware schafft, die Produkt, Automation und Prozess völlig herstellerunabhängig vernetzt, war Stiwa klar. „Tatsache ist leider, dass es derzeit keine solche Standardsoftware gibt “, so Strauß. Namhafte Anbieter würden zwar gerade versuchen, „Defacto“-Standards zu etablieren, die Ergebnisse bleiben jedoch abzuwarten. Als innovativer Hersteller von Automationslinien war Stiwa daher bereits früh gezwungen, eigenen Softwarelösungen zu realisieren. Ursprünglich vor Jahren als „automatisches Abnahmeprotokoll“ entwickelt, ist die sogenannte CI-Software (Completely Integrated) heute eine Leitstandsoftware für vernetzte Produktion. Sie kommt bereits auf über 1.000 Maschinen weltweit zum Einsatz. „Dieses CI-System, das zum Großteil softwaretechnische Lösungen umfasst, wurde in der Zwischenzeit so ausgebaut, dass nahezu beliebige Anlagen integriert werden können“, so Strauß. Mittlerweile liefe die CI-Software sogar auf so mancher Maschine des Mitbewerbs. „Alle Prozess- und Maschinendaten werden konsequent erfasst und jedes einzelne Teil kann zu jedem Prozessschritt zurückverfolgt werden“, erklärt Strauß weiter. Eben ein völlig transparenter Produktionsprozess.
 
Während in der Vergangenheit Produkt und Anlage im Vordergrund standen, rückt mit der CI-Lösung der Prozess, genauer gesagt das Wissen um den Prozess, in den Fokus. „Wertschöpfung muss dabei an oberster Stelle stehen“, mahnt Strauß. Industrie 4.0 -Ansätze hätten ohne diese Prämisse keinen Sinn.

„Wir bearbeiten das Thema der vernetzten Produktion schon seit 20 Jahren, als der Begriff Industrie 4.0 noch nicht einmal als Idee vorlag “, bemerkt Strauß. Die Oberösterreicher haben das Jammern um den Hochlohnstandort Europa beendet und fahren dank innovativer Vernetzung der Produktionsprozesse mittlerweile Gewinne ein.