Leichtbau

Anger Machining mit neuer Maschinengeneration am Markt

Anger Machining ruft ein Ende der Kompromisslösungen aus und startet den Verkauf einer neuen SP-Maschinengeneration, die eine altbekannte Leichtbau-Lücke im Automobilzulieferermarkt schließen soll.

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Lückenschließer: Dietmar Bahn, Head of Business Development bei Anger Machining (li.) und Bernhard Morawetz, Geschäftsführer Anger Machining (re.) bringen die erste Maschinengeneration auf den Markt, die es schafft großvolumige Leichtbauteile wie Batteriewannen wirtschaftlich zu bearbeiten.

„Die gesamte Industrie hat auf den Trend zu Leichtbauteilen und zur Elektrifizierung viel zu spät reagiert. Anger Machining-Geschäftsführer Bernhard Morawetz will diesen Leidensdruck in der Branche mit der neuen SP-Maschinengeneration lindern. Wie? Indem die Trauner eine Lücke im dicht gedrängten Automobilzulieferer-Markt schließen. Für Strukturbauteile und großvolumige Komponenten aus Aluminium und Magnesium gibt es nämlich am Markt keine spezialisierten Bearbeitungszentren. „Viele Zulieferbetriebe weichen auf Tischlerfräsen oder auf Maschinen aus dem Formenbau aus, denn Serienmaschinen für große Komponenten sind zu marktkonformen Preisen nicht erhältlich“, so Morawetz. Mit der SP-Maschinengeneration wollen die Trauner also eine Vorreiterrolle übernehmen. Und das könnte ihnen auch gelingen: Die Dimensionierung der Maschine erlaubt nämlich sogar die Bearbeitung von großen Batteriewannen. Und obwohl es die Maschine bis dato nur am Computer gibt, wurde die Erste schon verkauft. Nach langer Zitterpartie, scheint der Trauner Maschinenbauer endlich wieder in die Spur zurückgefunden zu haben.

Raumwunder und Multitalent

„Schon ab November diesen Jahres wird das erste SP-Bearbeitungszentrum bei einem führenden Automobilzulieferer in Polen bis zu 300.000 Strukturbauteile pro Jahr produzieren“, erzählt Morawetz. Auf der AMB in Stuttgart wird das Maschinen-Konzept übrigens erstmals einer breiten Öffentlich vorgestellt. Warum sich niemand vorher an solche Maschinenkonzepte gewagt hat? Schwer zu sagen. Nur so viel sei verraten: Großvolumige Leichtbauteile aus Aluminium oder Magnesium werden bisher mit Maschinen bearbeitet, die weder für den Einsatzzweck noch für einen 24/7-Betrieb konstruiert sind. „Oder Maschinen aus verwandten Branchen, die zu klein oder zu spezialisiert und damit zu teuer und unwirtschaftlich sind“, so Morawetz. In rund fünf Monaten Entwicklungszeit hat ein 5-köpfiges Entwicklerteam bei Anger daher eine Maschinengeneration entwickelt, die mit enormen Dimensionen überrascht: Die Außenabmessungen der SP X2000-Modelle von 5000 x 4100 x 3250 mm bzw. der SP X3000-Modelle 5000 x 5100 x 3250 mm verfügen jeweils über einen Rotationsdurchmesser der Bauteile von 1.000 Millimetern. „Die X3000 Modelle können sogar Schweller mit einer Länge von über 2.500 mm beziehungsweise Batteriewannen mit 1.000 mm in Doppelbearbeitung bearbeiten“, präzisiert Dietmar Bahn, Head of Business Development bei Anger Machining. Der Verfahrweg der für die Modellbezeichnung verantwortliche X-Achse beträgt bei den beiden Modellen 2.000 mm bzw. 3.000 mm, die Y-Achse jeweils 900 mm und die Z-Achse 630 mm. Gefertigt werden können damit etwa Batteriewannen, Quer-, Längs-, Motor- und Gehängeträger, Stoßdämpferbrücken, Motorhalter oder Schweller. Da die SP-Maschinengeneration auch als Doppelspindler erhältlich ist, können etwa zwei Batteriewannen gleichzeitig und fünfachsig gefräst, gebohrt und entgratet werden. Palettenwechsler erlauben die rasche Be- und Entladung der Bearbeitungszentren.

SP, Anger, Machining © Anger Machining

Bis dato erst am Bildschirm existent, aber schon verkauft: Schon ab November dieses Jahres wird das erste SP-Bearbeitungszentrum bei einem führenden Automobilzulieferer in Polen bis zu 300.000 Strukturbauteile pro Jahr produzieren.

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Time-to-market durch Teamarbeit minimiert

Das kleine Konstruktions-Team von Anger profitierte in der Entwicklung von einer Entwicklungszusammenarbeit mit der Tongtai-Konzernmutter und der Schwestergesellschaft PCI SCEMM im französischen St. Etienne. Zur Info: 2015 hatte das drittgrößte taiwanesische Maschinenbauunternehmen Tongtai 76 Prozent der Firmenanteile der mbi-group Beteiligung GmbH mit den Unternehmen Anger und Hellmerich erworben sowie 100 Prozent der französischen PCI Scemm.  Darüber hinaus wurde auch das anerkannte Engineering-Büro VMS in Turin miteinbezogen, um alle Anforderungen restlos zu erfüllen. „Diese außergewöhnliche Team-Konstellation war ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die extrem sportliche Entwicklungszeit dieser modularen Maschinenarchitektur“, erklärt Bahn.

Neue konstruktive Herausforderungen

Dass die ungewöhnlich großen Dimensionen eine Herausforderung für die Trauner Maschinenbauer waren, gibt Morawetz unumwunden zu. „Die Spannvorrichtung so zu konstruieren, dass auch bei über zwei Meter langen Bauteilen keine störenden Vibrationen entstehen, braucht viel Know-how und Fingerspitzengefühl.“ Technisch bemerkenswert ist auch der Palettenwechsler, welcher optional mit einem Nullpunktspannsystem samt Medienkupplung ausgeführt werden kann. Das sorgt für einen Zeit- und Komfortgewinn. Während eine Palette im Bearbeitungsraum ist, kann die zweite Palette bereits beladen werden. „Durch das Nullpunktspannsystem kann praktisch auf Knopfdruck die Spannvorrichtung gelöst und durch eine andere mit einem neuen Bauteil ersetzt werden“, erklärt Morawetz. Der komplikationsfreie Wechsel auf ein neues Bauteil ist somit gewährleistet und bei für Hochlaufkurven für hohe Flexibilität gesorgt. Da in der gesamten Zulieferbranche derzeit noch nicht klar vorhersehbar ist, wie sich die Nachfrage für E-Bauteile aus der Automobilindustrie tatsächlich entwickeln wird, sorgt die rasche Umrüstbarkeit auf andere Bauteile zumindest im Fall des Trauner Maschinenwunders für hohe Investitionssicherheit.

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