Hannover Messe 2019

7 Dinge, auf die ich mich in Hannover freue

Tief verwurzelt in der Industrie kennt Fach-Journalist Robert Weber die anstehende Hannover Messe besser als jeder andere. Sieben Messeschwerpunkte, auf die er sich heuer besonders freut.

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1. Das Thema 5G: 5G wird in der Industrie eine maßgebliche Rolle bei innovativen Themen wie smarte Produktion, vernetzte Maschinen, drahtlose Sensorik aber auch intelligente Mobilität spielen.

Verkommt die Hannover Messe zur großen Show für Künstliche Intelligenz? Nein. Die heurige Messe (1. bis 5. April 2019) richtet ihren Blick nach vorne. Und das muss sie auch, denn nichts ist schlimmer, als wenn Leistungsschauen keine Visionen entwickeln. Und die Hannoveraner leisten der Industrie einen wertvollen Input, denn in Deutschland dreht sich die KI-Diskussion viel zu sehr um die Consumer-Industrie. Der Mittelstand kommt kaum vor. Mit Hannover wird sich das hoffentlich ändern. Denn KI-Vordenker Sepp Hochreiter brachte es im Messe-Magazin „Industrial Pioneers“ auf den Punkt: „Vermasselt es nicht“, forderte er von den europäischen Maschinenbauern. Der Vorsprung im Maschinenbau dürfe nicht verspielt werden, jetzt sei die Zeit weiter zu denken und KI zu forcieren. Sieben Messe-Schwerpunkte, auf die ich mich heuer besonders freue.

1. Die 5G-Arena

Die neue Generation der Mobilfunkkommunikation kommt schon früher als 2020.

Wo: Messehalle 16

White Paper zum Thema

5G startet nicht in Berlin, sondern in Hannover. Nokia, Qualcomm und die Deutsche Messe machen die niedersächsische Hauptstadt zum Testbed 5G machen – 5G Area nennen das die Messemacher. Wir sprechen in den nächsten Wochen mit der Bundesnetzagentur über die Frequenzen, bestätigt ein Nokia-Sprecher. In der Messehalle werden Unternehmen ihre Lösungen für die Kommunikationstechnologie präsentieren. 5G wird in der Industrie eine maßgebliche Rolle bei innovativen Themen wie smarte Produktion, vernetzte Maschinen, drahtlose Sensorik aber auch intelligente Mobilität spielen. Bereits seit einigen Monaten testet die SmartFactory Kaiserslautern an ihrer Industrie 4.0 Demo-Anlage den Einsatz der neuen Mobilfunkgeneration für die Echtzeitübertragung großer Datenmengen. Übrigens ist seit kurzem klar, dass die Industrie eigene 5G-Frequenzen bekommt, was Telekommunikationsanbieter nicht erfreut. Mehr dazu hier. 

Hannover, Messe © Deutsche Messe AG

Ein gutes Signal: Die Hannover Messe definiert sich als Plattform für Industrial Intelligence.

2. Das Leitthema „Industrial Intelligence“

Manch ein Industrievertreter vermischt oder verwechselt immer noch KI und Machine Learning – das wird uns noch öfter passieren und braucht eine Diskussion im April.

Wo: Das komplette Gelände

Siri, Alexa und Co. sind Machine Learning (ML), auch wenn uns das Marketing oft KI einreden will. ML macht man mit Phyton, KI mit Power Point, scherzen manche Fachleute. Wir sprechen zwar immer von KI, aber das ist nicht richtig. Wir bilden nicht die menschliche Intelligenz nach, sondern wir betreiben Mustererkennung in Daten. Das „maschinelle Lernen“ wird noch nicht von allen verstanden, der Hype verunsichert, aber die Technologie ist nicht so kompliziert wie sie erscheint. Vieles basiert auf Statistik, „davor braucht niemand Angst haben“, meint Peter Seeberg, Berater aus München. Ein gutes Signal: Die Hannover Messe definiert sich als Plattform für Industrial Intelligence. Die Messe meint damit die Fähigkeit von Menschen, mit Wissen Maschinen in der Industrie zu befähigen, Muster zu erkennen, Voraussagen zu treffen und daraus ein Handeln abzuleiten, um Kundenbedürfnisse noch besser zu befriedigen. Das Wissen dafür entsteht zukünftig immer mehr in Plattformen – sie vernetzen Menschen und Maschinen untereinander.

Ostergard © Universal Robots

Der Roboter als Werkzeug: Den Cobot-Pionieren geht es mittlerweile um eine bessere Usability und User Expierence. 

3. Die kollaborativen Arbeitskollegen

Bei Cobots geht es längst nicht mehr rein um Sicherheit, sondern um Usability und die User Experience (UX).

Wo: Messehalle 17

Der Markt für Cobots wächst zweistellig und immer neue Unternehmen bieten ihre Produkte an. Jürgen von Hollen Präsident von Universal Robots freut das, denn es signalisiert den dänischen Cobot-Pionieren, dass sie immer noch am richtigen Weg sind. Und der Wettbewerb? Der Fokus vieler Anbieter liegt immer noch auf der Sicherheit. Doch die ist mittlerweile gesetzt. Es geht um eine bessere Usability und User Expierence mit dem Roboter als Werkzeug. „Wir reduzieren immer weiter die Komplexität, damit auch kleine Unternehmen Cobots schnell einsetzen können.“ Usability und UX gepaart mit einfacher Programmierung wird zum Wettbewerbsvorteil in der Robotikwelt. Warum der Gründer von Universal Robots nach mehr "Human Touch" in der Robotik fordert, lesen Sie hier. 

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Nordische Lockerheit: Das Partnerland der Hannover Messe präsentierte sich als Ideenschmiede Europas – ökologisch nachhaltig und ökonomisch vorausschauend.

4. Der Partner Schweden

Das Teamwork zwischen Unternehmen, Hochschulen und dem Staat ist Erfolgsgarant für Innovationen aus Schweden.

Wo: Messehalle 27

Das Partnerland der Hannover Messe präsentierte sich als Ideenschmiede Europas – ökologisch nachhaltig und ökonomisch vorausschauend gepaart mit einer nordischen Lockerheit. Jetzt wollen die Nordeuropäer ihre Ideen in die Maschinen der Welt bringen und deshalb ist die Hannover Messe der richtige Marktplatz für schwedische Entwickler und Unternehmen. Übrigens: Ein Server, der in Baden-Württemberg betrieben wird, verursacht rund 10.000 mal mehr CO2 als ein Server in Nordschweden – dank der kalten Temperaturen, aber auch dank der Wasserkraft als regenerative Energiequelle. Kein Wunder, dass die Silicon Valley Größen wie Facebook oder Google ihre Rechenzentren in Schweden bauen lassen. Ein paar weiterführende Gedanken über Schweden, gibt es von Prof. Volker Banholzer hier zu lesen. 

Boge, Kompressoren © Boge Kompressoren

Neues Geschäftsmodell: Bei Boge bezahlt der Kunde nichts für die Hardwareverbesserungen oder die Updates. 

5. Die neuen Geschäftsmodelle

Die Druckluft-Experten von Boge sind Vorbilder für viele Maschinenbauer, denn die Ostwestfalen entwickeln neue Geschäftsmodelle.

Wo: Messehalle 26

Im Mittelpunkt steht der Kompressor HST. Boge wertet die Daten der Maschinen im laufenden Betrieb aus und identifiziert Verbesserungspotenziale zur Energieeinsparung oder Laufzeitverlängerung. Mithilfe intelligenter Datenanalyse entwickeln die Ingenieure von Boge so neue Bauteile oder Softwareupdates, die auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind. Der Industriekunde bezahlt nichts für die Hardwareverbesserungen oder die Updates. Lediglich die tatsächlich gemessenen Einsparungen werden über einen vorab definierten Zeitraum zwischen Boge und dem Kunden geteilt. Mehr Info dazu, lesen Sie hier. 

Beckhoff, XPlanar © Beckhoff

Transportsystem XPlanar: Wird das Beckhoff's Vorstoß in die Logistik?

6. Die Branchenfremdlinge

Steuerungsanbieter wie Beckhoff entwickelt ein Transportsystem und manch ein Logistiker wittert Wettbewerb vom Komponentenlieferanten.

Wo: Messehalle 9

Die Sorge wollen die Ingenieure von Beckhoff aber gar nicht erst aufkommen lassen. XPlanar bleibt eine Komponente, versichern sie. Die freischwebende Planarmover bewegen sich mit bis zu 4 m/s ruck- und berührungsfrei über beliebig angeordnete Planarkacheln. Die Mover werden mittels elektromagnetischer Kräfte auf Abstand gehalten. Wandermagnetfelder, die in Planarkacheln erzeugt werden, sorgen für eine exakte Positionierung. Das Ergebnis: größtmögliche Freiheit in Anordnung und Architektur, maximale Flexibilität in der Positionierung und optimale Vereinfachung von Maschinen und Anlagen. Die Frage die bleibt: Wird Beckhoff damit zum Logistiker? Die Antwort lesen Sie hier. 

Hannover, Messe © Deutsche Messe AG

Gestengesteuerter Roboter: Fraunhofer will das möglich machen. 

7. Die gestengesteuerten Roboter

Wer dachte, dass Industrieroboter nicht mit Menschen zusammenarbeiten können, wird in Hannover eines Besseren belehrt.

Wo: Messehalle 2

Schwerlastroboter sind zwar mittlerweile ohne Schutzzaun neben ihren menschlichen Kollegen tätig, eine direkte Interaktion ist allerdings nicht möglich, heißt es bei den Forschern vom Fraunhofer IWU. Aus Sicherheitsgründen stoppt der Roboter bisher seine Bewegung, sobald der Mensch einen großräumigen Sicherheitsbereich um ihn herum betritt. Eine neuartige Technologie soll das ändern. „Damit kann der Mensch erstmalig direkt mit Schwerlastrobotern kommunizieren und kooperieren“, versichert Mohamad Bdiwi, Abteilungsleiter am Fraunhofer IWU. In der Produktion sieht diese Kooperation so aus: Betritt der Mensch den Arbeitsbereich rund um den Roboter, erkennt dieser dessen Gesten, Gesicht und Körperhaltung. Die Daten nutzt er zum einen, um die Zusammenarbeit sicher zu gestalten, zum anderen zur Steuerung. So kann der Mensch seinem maschinellen Kollegen beispielsweise über Hand- und Armgesten Arbeitsaufträge geben. Damit holt Fraunhofer die Gestensteuerung in den Industriebereich. Neben den Händen des Menschen behält der Roboter übrigens auch dessen Gesicht „im Blick“: Schaut der Mensch zur Seite oder nach hinten, weil er sich etwa mit einem dort stehenden Kollegen unterhält, weiß die Maschine, dass die Armbewegungen nicht ihr gelten. Detailliertere Info gibt es hier. 

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