Hannover Messe 2021

10 Jahre Industrie 4.0: Eine Idee erobert die Welt

Am 1. April 2021 wurde der Begriff Industrie 4.0 zehn Jahre alt. Die SmartFactory KL galt von Beginn an als eine der Keimzellen der Industrie 4.0 weltweit. Was erreicht wurde und warum uns die eigentliche Revolution noch bevorsteht.

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Zehn Jahre ist es her, dass auf der Hannover Messe 2011 das Konzept für die vierte industrielle Revolution vorgestellt wurde. Daraufhin ging der Begriff viral. „Das Erfolgsrezept war es, Forschung und Industrie an einen Tisch zu bringen“, meint Detlef Zühlke, Ehrenmitglied des Vorstands Technologie-Initiative der SmartFactory Kaiserslautern. Wie es gelang die Akteure zu überzeugen? „Es braucht immer reife Technologien, die existieren, die richtigen Leute, die man begeistern muss und den Markt, der so etwas wollen muss. Diese Kriterien waren genau richtig gegeben“, erklärt Zühlke. Er berichtet, dass im Jahr 2000 die Forschung zum IoT begann und 2005 die SmartFactory KL gegründet wurde. „Eines der Erfolgsrezepte ist, dass die gebauten Demonstratoren herstellerneutral blieben. Zu dieser Zeit leisteten wir die Vorarbeit für den Urknall der Industrie 4.0“, so Zühlke.

Kurt D. Bettenhausen, heute Vorstand bei Harting, war in den Anfängen für Siemens mit von der Partie. „Wichtig aus der damaligen Perspektive war, dass der Trend zur mobilen Datenübertragung viele Funktionalitäten ermöglichen und uns zu Modularität und Flexibilität bringen wird. Durch das Konzept der Herstellerneutralität wurde Realität eingebracht – an neutraler Anlageninstallation kommt keiner vorbei“, so Bettenhausen. Es war gelungen, dass Forschungseinrichtungen, Hersteller und Anbieter gemeinsam in einem realitätsnahen Umfeld neue Anwendungen austesten.

Auf der Hannover Messe 2014 präsentierte die SmartFactory zum ersten Mal ihren Demonstrator, der erstmalig mit Partnern zusammen gebaut worden war. Ein besonderes Anliegen war es, die Industrie „mitzunehmen“, auch mittelständische Unternehmen. „Ursprünglich hat alles mit Sensoren und Aktoren begonnen, danach hat man Industrieanlagen als Module gesehen. Danach folgte eine enorme Verbreiterung und man machte sich Gedanken über neue Geschäftsmodelle, Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation, die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etc.“, berichtet Zühlke.

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Diese neuen Ansätze werden erarbeitet

In den letzten zehn Jahren hat sich die Weltwirtschaft extrem verändert. Laut Martin Ruskowski, dem Vorstandsvorsitzenden der Technologie Initiative SmartFactory KL, müssen wir, um den Trend zu individualisierten Produkten die wir schon am nächsten Tag haben wollen, umsetzen zu können, zur lokalen Produktion zurückgehen. Um kosten- und ressourceneffizient werden zu können, prognostiziert er einen verstärkten Trend zu Shared Economy. „Anfangs ging es um die Digitalisierung der Sensoren, doch jetzt geht es vielmehr darum Produktionsketten umzubauen. Das ist die eigentliche industrielle Revolution“, so Ruskowski.

Internationalisierung von Industrie 4.0

Rund um das Jahr 2008 fing Berichten Zühlkes zufolge Korea damit an, europäische Systeme nachzubauen. Eigentlich wäre Japan dafür prädestiniert gewesen, doch das Land konzentrierte sich auf sich. „Heute schiebt sicher China am meisten in diese Richtung. Auch die Amerikaner hatten relativ früh mit Industrie 4.0 begonnen, was spätestens 2014 sichtbar wurde, doch sie hatten zu wenige Facharbeiter“, meint Zühlke. Um sich besser zu vernetzen, wurde die SmartFactory-EU als Dachverband gegründet. In diesem Zusammenhang sollen eine europaweite Produktionslinie aufgebaut und Marktplatzmöglichkeiten mit GAIA-X genutzt werden.

„Die eigentliche Revolution steht uns noch bevor“

Noch ist Industrie 4.0 nicht am Ziel angelangt. Zuletzt entwickelte sich auch der Begriff „Production Level 4“ weiter. Ruskowski hält Industrie 4.0 für ein weitreichendes Konzept und einen Weg, den wir weitergehen müssen, denn: „Die eigentliche Revolution steht uns noch bevor“. Auch Harting-Vorstand Bettenhausen wünscht sich, dass man nun nicht aufhört, weil das Konzept funktioniert, sondern basierend auf einer soliden Grundlage damit beginnt, auch einen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. „Gelegentlich habe ich den Eindruck, dass Industrie 4.9 in den deutschen Köpfen in Vergessenheit gerät und viele denken, dass wir uns schon am Ende der Reise befinden“, so Bettenhausen. Dabei gehe es darum unverändert neue Ideen zu entwickeln und zu kommerzialisieren. „Die Arbeit ist erst dann zu Ende, wenn wir alle unsere Produktionsstätten in Deutschland hochflexibel der Aufgabenstellung angepasst haben und auf einem optimalen Betriebspunkt agieren“, sagt er.