Buchingers Kommentar

Virtuelle Technologien in der Produktion – ein Segen mit Aufwand

Zwei Menschen stehen auf Plattform und haben VR-Brillen auf.
© WEKA

Denkt man an „Produktion“, kommen einem oft schwere Maschinen, große Fertigungslinien oder fliegende Späne in den Sinn. Das liegt an einem eher historisch gewachsenen und traditionell geprägten Umfeld. Dennoch gibt es Unternehmen, die schon seit einiger Zeit auf neue Technologien setzen, denn die sich daraus ergebenden Möglichkeiten sind groß.

Was im Produktionsumfeld virtuell sein kann

Im Gegensatz zur virtuellen Produktionsplanung, in der digitale Technologien längst wichtiger Bestandteil sind, um simulativ Fehler in der Planung vorab zu reduzieren, haben virtuelle Technologien im eigentlichen Produktionsprozess eine sekundäre Bedeutung. Hier geht es darum, Abläufe, Menschen, Standards und Sicherheit zu unterstützen.

Eine der vielen Anwendungen sind Abläufe der standardisierten Arbeit, bei denen der Mensch durch virtuelle Hilfsmittel durch den Prozess geleitet wird. Beispielsweise können durch Augmented Reality (AR) dem Menschen über eine Brille die relevanten Arbeitsinformationen direkt im eigenen Sichtfeld angezeigt werden. Über eine zusätzliche Bilderfassung können qualitätskritische Arbeitsergebnisse sofort bestätigt oder gegebenenfalls eine Korrektur angewiesen werden. Diese Technik kommt schon heute bei manuellen Schweißprozessen zum Einsatz. So werden Prozessstabilität, damit auch Qualität und Durchlaufzeit noch besser sichergestellt.

Die Kehrseite – der Aufwand dahinter

Damit eine solche Technik zum Einsatz kommen kann, muss man einen gewissen Aufwand betreiben. Eine entsprechende IT-Infrastruktur ist notwendig, die in Echtzeit die Datenmenge übertragen kann. Ebenfalls ist der Aufwand für die notwendige Cybersicherheit zu berücksichtigen.

Neben den technischen Rahmenbedingungen müssen Stammdaten, Parameter, Bilder und Zeichnungen im System gepflegt werden. Was nach einmaligem Aufwand klingt, beinhaltet jedoch einen nicht zu unterschätzenden Faktor: Diese Daten müssen nicht nur einmal eingepflegt, sie müssen auch kontinuierlich aktualisiert werden.

Dazu kommt, dass sich die Veränderungsgeschwindigkeit im letzten Jahrzehnt enorm erhöht hat. Das fordert Unternehmen sowohl bezüglich der angebotenen Produkte und Dienstleistungen als auch in der Prozesslandschaft. Also planen Sie ausreichend Kapazitäten für die Datenpflege der virtuelle Prozesse in der Produktion ein, da diese von jemandem im Austausch mit den Produkt- und Prozessverantwortlichen kontinuierlich angepasst und verändert werden müssen. Ohne diesen Aufwand sind die bis dahin erfolgten Investitionen nämlich recht sinnlos.

Fazit

Virtuelle Technologien in der Produktion können einen Beitrag zur Prozesssicherheit leisten. Deren Einsatz sollte aber immer mit dem dahinterstehenden Aufwand in Abwägung gebracht werden.