Buchingers Kommentar

New Work und die Produktion

Menschen sitzen mit Laptops am Tisch
© WEKA

Basierend auf den Ideen von Bergmann soll die Arbeit in drei gleiche Teile aufgeteilt werden:

Ein Drittel besteht aus Arbeit, nach der man als Mensch tatsächlich strebt.

Ein weiteres Drittel soll als Freiraum zur Verfügung stehen, etwa für private oder ehrenamtliche Aktivitäten.

Das verbleibende Drittel bildet die Arbeit, die wir im Produktionsumfeld traditionell kennen, welche aus klar definierten Abläufen besteht und nach der man laut Bergmann als Mensch nicht unbedingt strebt.

Was kann man mit dieser Erkenntnis im Produktionsumfeld tun?

Menschen zu Beteiligten machen

Ein wesentlicher Ansatz für mehr Zufriedenheit ist die Partizipation. Bei der Entwicklung neuer sowie der Verbesserung bestehender Prozesse können die Menschen vor Ort mit ihren Ideen eingebunden werden. Mitarbeitende, die aktiv zu Veränderungen beitragen, identifizieren sich mit dem, was sie tun und sehen das Arbeitsumfeld als etwas an, zu dem sie gehören. Dieser Ansatz mag für viele Manager:innen nach Basisdemokratie klingen, dabei ist er seit Jahrzehnten bekannt. In der Philosophie des Kaizen, die Unternehmen wie Toyota zur Weltspitze geführt hat, ist dieser partizipative Ansatz tief verankert. Damit dies aber gelingt, braucht es ein entsprechendes Menschenbild.

Das endgültige Ende des Taylorismus

Gerade traditionelle Industrieunternehmen ticken noch heute gemäß der klassischen Trennung von Kopf und Hand. Damit beschränkt sich die Verbesserungsfähigkeit auf die Erfahrung der jeweiligen Führungskraft. Gleichzeitig degradiert man die Menschen an der Basis zu reinen Ressourcen. Das ist schlichtweg falsch, denn der Mensch ist keine Ressource – er hat Ressourcen, nämlich Zeit und Wissen. Der Weg von New Work setzt voraus, dass die Menschen an der Basis die Grundlage der kontinuierlichen Verbesserungen sind. Schließlich sind sie es, die die Prozesse vor Ort meist am besten kennen.

Es geht noch mehr

Wenn durch mehr Automatisierung und Digitalisierung die Produktivität verbessert wird, müssen die Gewinne nicht ausschließlich dem Unternehmensprofit und damit Aktionären oder dem Management zugeführt werden. Es ist auch möglich, diese in Form von reduzierter Arbeitszeit bei unverändertem Gehalt an die Mitarbeitenden weiterzugeben. Was nach Sozialismus klingt, ist aber verantwortungsvolles Unternehmertum und auch nicht neu. Denken Sie etwa an Henry Ford in den 1920iger Jahren.

Fazit

Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel können Ideen von New Work auch für die Zukunft produzierender Unternehmen entscheidend sein. Das entsprechende Führungsverständnis basiert auf der Idee der transformationalen Führung, bei der Mitarbeitende bei Veränderungsprozessen aktiv eingebunden sind. So kann man sicherstellen, dass man als Unternehmen für qualifizierte Arbeitskräfte auch in Zukunft attraktiv bleibt.

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Über den Autor:

Mario Buchinger ist Ökonomie-Physiker, Musiker und Autor. Der Lean- und Kaizen-Spezialist war zehn Jahre als Angestellter und Führungskraft bei Daimler und Bosch tätig, bevor er 2014 in Österreich das Unternehmen Buchinger|Kuduz gründete. Zu den Kunden zählen neben Industrieunternehmen u.a. auch Banken und öffentliche Behörden.