Energiekosten : Papierindustrie warnt vor Papierengpässen

Papier

Papierknappheit würde auch einen Engpass bei Hygieneprodukten, in Papier verpackten Lebensmitteln und Medikamenten sowie Zeitungen und Magazinen bedeuten.

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Österreichs Papierindustrie ist von den hohen Energiepreisen enorm betroffen. Trotz hohem Anteil an erneuerbaren Energieträgern sind viele Unternehmen auf Gas angewiesen. In allen Werken laufen Projekte, um von fossilen Energieträgern weniger abhängig zu werden. Kurzfristig benötigt die Industrie jedoch rasche Entlastungen, um die Produktionaufrecht zu erhalten. Ein Importstopp von Gas hätte laut einer Aussendung von Austropapier existentielle Auswirkungen – nicht nur auf die Betriebe und ihre Mitarbeiter:innen, sondern auch auf die Fernwärmeauskopplung und die Versorgung mit Hygieneprodukten, in Papier verpackten Lebensmitteln und Medikamenten.

Bis zu zehnmal höhere Energiekosten

Die energieintensiven Unternehmen der Papierindustrie zahlen derzeit bis zu zehnmal mehr für Strom und Gas als noch im Vorjahr. Trotz ihres schon sechzigprozentigen Anteils von erneuerbaren Energieträgern ist die Papierindustrie noch immer stark von Gas abhängig. „Unternehmen mit integrierter Zellstoffproduktion tun sich hier leichter. Sie können die anfallenden Reststoffe energetisch nutzen. Bei Papierfabriken, die auf Altpapierbasis produzieren oder Zellstoff zukaufen müssen, sind Gaskraftwerke, die Strom und Wärme produzieren, die beste verfügbare Technik, weil sie hocheffizient sind und geringe CO2-Emissionen verursachen“, meint Kurt Maier, Präsident der Austropapier.

Erneuerbare Energie für die Papiererzeugung

Die Papierindustrie präsentiert sich gern als Vorreiter der industriellen Ökoenergieerzeugung. Bereits heute kommen zehn Prozent der gesamten in Österreich aufgebrachten erneuerbaren Energie aus der Papierindustrie. So geht bereits im April bei Norske Skog in Bruck ein Reststoffverwertungskessel in Betrieb und Sappi in Gratkorn baut gerade an einem Biomassekraftwerk zum Ersatz des Kohlekessels. Viele Fabriken haben längst PV-Anlagen auf ihren Dächern, so etwa Rondo Ganahl, Laakirchen oder Pöls. In Lenzing wurde soeben auf einer alten Deponie die größte PV-Freiflächenanlage Oberösterreichs genehmigt. „Um weitere solche Projekte zu ermöglichen und die Dekarbonsierung in der Industrie voranzutreiben, sind schnelle und unbürokratische Genehmigungsverfahren das Gebot der Stunde“, sagt Enzo Zadra, CEO Norske Skog Bruck.

Die größte Sorge der Unternehmen ist aber der plötzliche Stopp der Gasimporte. Dann käme es zu Produktionsausfällen und auch zu einem Entfall der Energielieferungen an externe Verbraucher:innen. Über kurz oder lang bedeutet das auch einen Engpass bei Hygieneprodukten, in Papier verpackten Lebensmitteln und Medikamenten sowie Zeitungen und Magazinen.