MAN

Steyr: Green-Mobility-Konsortium hat Pläne für MAN-Werk

Kfz-Industrie Stellenabbau MAN Oberösterreich Deutschland
© FOTOKERSCHI.AT / APA / picturedesk.com

Im Ringen um den Erhalt des MAN Werks in Steyr hat das Konsortium um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) ein Konzept zur Übernahme und Weiterentwicklung zu einem "Green Mobility Center" entwickelt. Von den 2.300 Mitarbeitern könnten 1.850 weiterarbeiten. Derzeit verhandelt der MAN-Konzern mit Sitz in München ausschließlich mit dem Investor Siegfried Wolf über einen Verkauf. Vergangene Woche brachte sich aber ein weiterer Interessent ins Spiel. Jetzt sei man für Gespräche zur Übernahme von MAN Steyr bereit, erklärte Konsortium-Sprecher Gerald Ganzger. Die LGG Industriebeteiligung verhandle sowohl mit der tschechischen Tatra als auch mit Automobilproduzenten aus dem süd-ost-asiatischen Bereich.

Das an MAN übermittelte Konzept sei „krisenfester und diversifizierter als das nur von Russland abhängige Konzept, das derzeit verhandelt wird,“ spielt Ganzger auf Wolfs Verbindungen zum russischen Automobilproduzenten GAZ Group und dem Oligarchen Oleg Deripaska an. US-Sanktionen gegen Russland sprechen auch für Arbeiterbetriebsrat Erich Schwarz gegen das Wolf-Konzept. Dies will er in der Aufsichtsratssitzung am heutigen Freitag nochmals thematisieren. Den Plan für ein Green-Mobility-Center hält er aufgrund der breiten Aufstellung grundsätzlich für solider. Es sei für ihn jedenfalls eine Basis, aufgrund derer der Vorstand „ernsthafte Verhandlungen mit dem Konsortium aufnehmen sollte“, stelle er klar.

10.000 Lkw in Phase 1

Laut Phase 1 des Konzeptes könnten in Steyr zukünftig 10.000 Lkw in der „Truck-Montage Großserie inklusive eMobility und Hydrogen Antriebe“ gefertigt werden. Von den derzeit 1.330 Beschäftigten im Bereich der Lkw und Führerhausmontage könnten potenziell 665 in jene Truck-Montage wechseln. In der Lackierung rechnet das Konsortium sogar mit 290 neuen Stellen. In Summe gesehen blieben in dem Fortführungskonzept 1.850 Stellen erhalten. In Phase 2 bis zum Jahr 2030 geht man davon aus, dass Steyr ein Potenzial von 10.000 Vollzeitarbeitsplätzen habe.

Wolf plant Produktion von vier Fahrzeugmodellen

Neueren Informationen zufolge plant Wolf, der das Werk in Steyr mit seiner Firma WSA zu 100 Prozent kaufen und rund 1.200 Mitarbeiter übernehmen möchte, unter der Marke Steyr die Produktion von vier Fahrzeugmodellen, die in 44 Länder exportiert werden sollen. Die Palette reiche von kleinen Elektrobussen und Klein-Lkw bis zu Lieferwagen. Elektromobilität, Wasserstofftechnologie und autonomes Fahren seien auch zentrale Themen im Werk. Weiter beabsichtige der Investor, der auch zehn Prozent am russischen Automotive-Unternehmen GAZ hält, die Kunststofflackiererei in Steyr weiterzuführen und jährlich 10.000 bis 12.000 Fahrerkabinen für Lkw nach Russland zu liefern.

MAN plant im Rahmen eines konzernweiten Sparprogramms das Werk in Steyr 2023 zu schließen. Belegschaft und Politik pochen darauf, dass der Standort rentabel sei und dass es Standortsicherungsverträge gebe. Diese hätten den Bestand bis 2030 eigentlich garantieren sollen, dies wurde von MAN aber aufgekündigt. (apa/red)