Ökologie & Ökonomie

Wie sich Überbestände nachhaltig und gewinnbringend vermarkten lassen

Ein Vorarlberger Start-up hilft der Elektronikindustrie mit einer KI-getriebenen Plattform dabei, nicht mehr verkäufliche Komponenten in den Markt zurückzuführen. Ein erster Distributor ist schon auf den Zug aufgesprungen.

elektronik report GreenChips SE Spezial-Electronic

"We bring dead stock back to life” ist der Slogan von GreenChips.

Die SE Spezial-Electronic GmbH wurde 1970 gegründet und ist heute ein international operierender Distributor für elektronische Bauelemente. Das branchenüblich breite Produktsortiment fußt auf einem dichten Netz an Lieferanten und auf einem Lager, das die benötigten Komponenten für die Kunden rasch verfügbar macht. SE kennt daher aber auch die Problematik des „toten Lagers“: Bedingt durch immer kürzere Produktzykluszeiten, unvorhersehbare Redesigns, Kundenstornos und anderen Änderungen häufen sich vor allem bei OEMs/CMs immer wieder elektronische Bauteile und Komponenten an, welche nach Serienabschluss über herkömmliche Vertriebswege oft nur noch schwer verkaufbar sind. Die Produkte auf diesem „toten Lager“ wurden bisher durch Excess-Stock Trader sehr selektiv und zu meist nicht mehr als 3 bis 5 Prozent des regulären Einkaufspreises aufgekauft und weitervermittelt. Bei der nachhaltigen Vermarktung dieser Überbestände kooperiert SE Spezial-Electronic jetzt mit GreenChips und nutzt dabei Künstliche Intelligenz. Über die neue intelligente Online-Handelsplattform GreenChips können Kunden von SE Spezial-Electronic ab sofort ihre Komponenten-Überbestände in den Markt zurückführen und damit gleichzeitig auch noch Nachhaltigkeitsprojekte unterstützen. Mit ihrer Partnerschaft wollen beide Unternehmen demonstrieren, dass Ökonomie und Ökologie in der Elektronikindustrie nicht im Widerspruch stehen müssen. 

50 Prozent für den Verkäufer, 10 Prozent für Klimaschutz

Die auf dem AI-Core M.A.R.C basierende Online-Handelsplattform GreenChips beschreitet hinsichtlich der Vermarktung solcher Überbestände neue Wege. Die OEMs/CMs können ihren nicht mehr benötigten Komponentenbestand mit minimalem Aufwand physisch und digital an GreenChips weitergeben. Die Plattform übernimmt die gesamte weitere Logistik, die Vermarktung und den Verkauf der Ware, wobei der Kunde abschließend 50 Prozent des Verkaufserlöses erhält. Gleichzeitig fließen 10 Prozent der Gewinne von GreenChips in Projekte rund um die Nachhaltigkeit, wie etwa Aufforstung und die Ausbildung von Klimabotschaftern. Der ökologische Aspekt steht für Stefan Stockbauer, den Gründer und Kopf von GreenChips, im Mittelpunkt: „Unsere Plattform ermöglicht eine optimale Wiederverwendung der immer noch wertvollen Ressourcen!“ Die Rückführung der nicht mehr benötigten Bauteile in den Markt erfolgt weltweit, sie werden also wirklich genutzt: Lediglich jene Ware, die nicht mehr vermarktet werden kann, wird dem Recycling zugeführt. 

Die Künstliche Intelligenz ermittelt dabei in Real Time den aktuellen Marktwert der Produkte und ermöglicht es GreenChips, einen optimierten Preis anzuführen. Da die Handelsplattform der Hauptbestandteil des Geschäftsmodells die Handelsplattform ist, kann GreenChip kostengünstig agieren und mit lediglich 40 Prozent der erzielten Marge Gewinn bringend operieren.

White Paper zum Thema

1.000 Bäume in den ersten vier Monaten

Bei der Auswahl der zu unterstützenden Projekte, an die 10 Prozent des Transaktionsgewinns ausgeschüttet wird, arbeitet GreenChip mit zwei renommierten Organsationen zusammen. Das ist zum einen „Plant for the Planet“, eine Organisation die Aufforstungsprojekte sowie Öko-Energie-Initiativen vorantreibt. GreenChip hat so seit Jänner für mehr als 1.000 neu gepflanzte Bäume gesorgt, Ende April ist ein weiterer Schub geplant. Zum anderen wird die UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change Now) mit der Climate Neutral Now Initiative unterstützt. Dabei sind von GreenChip bereits Gelder an ein Kraftwerksprojekt im indischen Peddapuram geflossen, wo ein erdgasbasiertes netzgebundenes Elektrizitätswerk die dort bisher übliche, extrem umeltschädliche Stromerzeugung aus Kohle ersetzen wird. 

Offen für weitere Distributoren

Nach der erfolgreichen Einführung der Plattform im Jänner 2020 wurde diese bereits erweitert und steht jetzt auch weiteren Herstellern und mittelständischen Distributoren zur Verfügung, um diesen den Vertrieb Ihrer ausgelisteten Produkte zu ermöglichen. SE Spezial-Electronic ist jetzt schon davon überzeugt, sagt Marius Wüstfeld, Leiter Inside Sales bei SE: „Mit GreenChips haben wir einen Partner gefunden, der für das bislang eher lästige Thema Lagerbereinigung endlich eine nachhaltige Problemlösung anbietet und dabei auch noch Gutes tut. Der Kunde profitiert von einem für ihn finanziell äußerst attraktiven Geschäftsmodell, die Umwelt von der Weiterverwendung der Bauteile und diversen unterstützenden Maßnahmen. Diesen nachhaltigen Service bieten wir unseren Kunden nur zu gerne an.“ Stefan Stockbauer ist über diese beispielgebende Zusammenarbeit ebenfalls sehr erfreut: „Ein innovativer, international etablierter Distributor wie SE Spezial-Electronic wird es uns ermöglichen, unsere Mission und Vision noch schneller im Markt zu etablieren. Durch die neue Partnerschaft können viele Kunden ihre Überbestände wesentlich einfacher und schneller als bisher wieder in den offenen Markt zurückführen.“ Das alles mit dem Ziel, den Planeten mit weniger Elektroschrott zu belasten und eine nachhaltige Nutzung zu etablieren – unter dem Slogan „We bring dead stock back to life“.