Industrial Internet of Things

Welche neuen Geschäftsmodelle GGW Gruber etablieren will

Wenn Messgerätehändler GGW Gruber in das Industrial Internet of Things investiert, heißt das neue Geschäftsmodelle. Was Geschäftsführer Johannes Riha vom Plattform-Dschungel hält und wo er Betreibermodelle etablieren will.

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"Ich glaube nicht, dass es sich beim Thema Industrial Internet of Things um einen medialen Hype handelt, sondern um eine Entwicklung, die von Unternehmen über kurz oder lang dankbar angenommen werden wird." Johannes Riha, Manager GGW Gruber

Herr Riha, im Diskurs wird Industrie 4.0 bereits durch das „Industrial Internet of Things“ (IIoT) abgelöst. Trifft das auch die Präzisionsmesstechnik?

Johannes Riha: Wenn wir als GGW Gruber vor fünf Jahren versucht haben, eine Maschine mit gewöhnlicher Datenbankanbindung zu verkaufen, hat das noch fast niemanden interessiert. Vor etwa zwei Jahren hat die Sache begonnen, sich extrem schnell zu verändern: Sobald sich ein Kunde auch nur eine zweite Maschine anschafft, macht er sich bereits Gedanken darüber, wie er die Daten bündeln und zentral verfügbar machen könnte. Daraus wird klar: Fragen im Kontext von IIoT und Cloudcomputing sind nicht nur Großkonzernen vorbehalten, sondern beschäftigen mittlerweile auch kleinere Fabriken. 

Weil Sie sich markante Effizienzvorteile versprechen?

Riha: Richtig. Der Return on Investment ist hier verhältnismäßig bald da. Selbst kleine Schlossereien haben mittlerweile Interesse daran, ihre Messdaten zu sammeln und in Statistiken auszuwerten. Konkret bieten wir hierfür bereits klassische Messschieber und andere Handmessgeräte an, die Ergebnisse automatisch mittels Bluetooth übertragen. Kostenpunkt: ab etwa 100 Euro.

Was sagen Sie zum Plattform-Dschungel und der Sintflut an Protokollen? Wird es zur großen Konsolidierung kommen?

Riha: Was Übertragungsprotokolle betrifft, werden wir es voraussichtlich auch in Zukunft mit einer großen Vielfalt zu tun haben, da es sich häufig nicht lohnt, bestehende Fabrikinfrastrukturen gänzlich umzuplanen. Die meisten Protokolle haben auch einen klaren Use-Case und daher ihre Daseinsberechtigung. Ich vermute, dass die Pyramide hier sogar weiter nach unten aufgeht. 

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Kein klarer Ruf nach einem einheitlichen Standard also?

Riha: Doch natürlich. Wir erwarten, dass sich hier in Zukunft zwei, drei große Anbieter herauskristallisieren werden. Die Kunst wird sein, die mannigfaltigen Protokolle und Schnittstellen – auch die älteren, wie etwa Profinet, das wir noch sehr oft antreffen – in die übrigbleibenden Plattformen zu integrieren. Wir selbst sind seit über einem Jahr in einem Forschungsprojekt einer Universität involviert, 

…wo Sie auf Mindsphere von Siemens setzen. 

Riha: …und damit relativ gute Ergebnisse erzielen.

Johannes, Riha © GGW Gruber

"Die Herausforderung liegt für uns als Dienstleister darin, unsere Auftraggeber genau zu kennen, hochflexibel zu sein und die beste Lösung für seine Bedürfnisse zu schnüren. Hierfür überlegen wir auch in Österreich nach deutschem Vorbild neue Lizenzmodelle wie „Pay per Use“ einzusetzen." Johannes Riha, Manager GGW Gruber

Wie gehen Sie mit der Vielfalt an Plattformen als Anbieter von Komplettlösungen um?

Riha: Der Grundtenor muss vordergründig lauten: Was der Kunde will, bekommt er von uns. Regelmäßig sind wir aber natürlich auch davon abhängig, welche Strukturen wir beim Kunden bereits vorfinden, stets verbunden mit der Kostenfrage. Ein kleiner Kunde mit nur zehn Mitarbeitern wird sich beispielsweise kein SAP leisten wollen. Die Herausforderung liegt für uns als Dienstleister daher darin, unsere Auftraggeber genau zu kennen, hochflexibel zu sein und die beste Lösung für seine Bedürfnisse zu schnüren. Hierfür überlegen wir auch in Österreich nach deutschem Vorbild neue Lizenzmodelle wie „Pay per Use“ einzusetzen.

Pay-per-Use-Modelle setzen die permanente Verbindung den Maschinen bei Ihren Kunden zu Ihren Servern voraus, Übertragung der Fertigungsdaten inklusive. Wie machen Sie das den Kunden schmackhaft?

Riha: Wir bieten diese Modelle primär für Messanlagen an, die in einer automatischen Fertigungslinie [Anm.: Shopfloor] integriert sind. Die permanente Live-Anbindung der Maschinen ermöglicht es uns, denkbare Ausfälle mittels Sensordaten im Sinne von Predictive Maintenance vorherzusehen und Produktionsstillstände im Shopfloor-Betrieb beim Kunden zu vermeiden. So profitiert der Kunde mehr als je zuvor von unserem Erfahrungsschatz als Händler. Sollte es doch zu einem Ausfall kommen, können wir die Lieferung eines Ersatzteiles innerhalt von 48 Stunden garantieren. In einer weiteren Ausbaustufe könnte sich der Lizenznehmer dann beispielsweise die Anschaffungskosten der Maschine sparen und lediglich für die durchgeführten Messvorgänge bezahlen.

Abschließend: Hatten Sie nie das Gefühl, dass es sich bei IIoT um einen medial inszenierten Hype handelt?

Riha: Jeder will im Endeffekt effizienter und besser werden und wissen, wo er im Vergleich mit seinen Mitbewerbern steht. Manche machen das über Vertriebs-, andere über Fertigungszahlen. Besonders im Bereich Fertigung bieten die neuen Technologien zur fälschungssicheren Übertragung und Auswertung von Daten großes Potential. Und das auf schnellste Art und Weise und ohne überbordende Kosten. Ich glaube daher nicht, dass es sich beim Thema IIoT um einen medialen Hype handelt, sondern um eine Entwicklung, die von Unternehmen über kurz oder lang dankbar angenommen werden wird.

Vielen Dank für das Gespräch! 

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