Einblick

Was das neue Forschungs- und Prüfzentrum der AMAG zu bieten hat

Das neue Center for Material Innovation (CMI) der AMAG ist für den Standort in Ranshofen ein Meilenstein. Die Produktion stieg und damit die Aktivitäten in den Bereichen Forschung und Materialprüfung.

Forscherdrang: Im CMI in Ranshofen betreibt man Materialforschung auf höchstem Niveau.

AMAG-Produkte kommen unter anderem in der Automobil-, Luftfahrt-, Verpackungs-, Bau- und Maschinenbauindustrie sowie in Sportgeräten zum Einsatz. Für die Luftfahrtindustrie liefert das Unternehmen etwa spezielle Bleche und dicke Platten. Im neuen, breiteren Kaltwalzwerk (mit entsprechender Plattierstation) können nun auch Flugzeugaußenhautbleche in neuen Dimensionen produziert werden. Bei den Platten ist man bei AMAG einen wichtigen Schritt in der Verlängerung der Wertschöpfungskette und Supply Chain gegangen: erstmalig bietet das Unternehmen zugeschnittene Vormaterialien am Markt an. Ein Schritt von der Halbzeug- in Richtung Komponentenfertigung.

Um mit neuen Produkten den Markt zu bedienen, braucht es einen langen Atem in der Werkstoffforschung und Materialprüfung. Das Forschungszentrum bietet dafür den Platz und die Ausstattung.

Forschungsarbeit für die Zukunft

Rund 30 Millionen Euro inkl. F&E-relevanter Investitionen flossen im letzten Jahr bei AMAG in die Forschung und Entwicklung. Mit 155 Expertinnen und Experten beschäftigen sich 8 Prozent der Gesamtbelegschaft mit F&E- und Innovationsaufgaben. In der Entwicklung von innovativen Aluminiumhalbzeugen spielen Faktoren wie die chemische Zusammensetzung der Legierung, das Gießen, die thermomechanische Behandlung beim Walzen und der Wärmebehandlung, die Oberflächenveredelung und das Recycling eine entscheidende Rolle. „Unsere komplizierten Produkte und Prozessketten erfordern ein interdisziplinäres Team. Bei unseren CMI-Mitarbeitern handelt es sich daher um Expertinnen und Experten aus den verschiedensten Fachbereichen, wie den Werkstoffwissenschaften, der Chemie, der Physik, der Verfahrenstechnik oder dem Maschinenbau, um beispielhaft nur einige zu nennen“, sagt Helmut Kaufmann, Technikvorstand bei der AMAG.

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Qualitätssicherung und akkreditierte Prüfungen 

Mit Einrichtungen zur Materialherstellung und Materialweiterverarbeitung sowie technischer Ausstattung für die Werkstoffprüfung und -charakterisierung ist man bei AMAG gut ausgestattet: „Mit unserem neuen CMI, mit staatlich akkreditiertem Prüflabor nach den Richtlinien der DIN EN ISO/IEC 17025, prüfen wir unsere Produkte objektiv nach normkonformen Prüfverfahren“, erzählt Kaufmann. Modernste Mess- und Prüfeinrichtungen bilden zudem die Basis für die Qualitätssicherung und stellen die Produktqualität sicher. „Ein zentrales Element im Betrieb unserer Walzwerke - und auch qualitätsbestimmender Faktor - ist die zur Kühlung und Schmierung eingesetzte Emulsion. Hier steckt im CMI sehr viel Know-how und laufende Arbeit in der Entwicklung und Qualitätssicherung“, erklärt Kaufmann.

Vom Material bis zum Verfahren

Im Bereich der Materialprüfung beginnt alles mit der Fertigung der Proben in engsten Toleranzen. Je nach Materialzustand werden die Proben vor der mechanischen Prüfung und der Gefügeanalyse wärmebehandelt. Mit moderner Ofentechnologie und präziser Temperaturführung arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Wärmebehandlungslabor an Materialen für höchste Anforderungen. Am aktuellen Stand der Technik ist auch die modernisierte Metallographie. „Teilautomatisiert können wir dort eine große Anzahl an Schliffproben für die Gefügebeurteilung herstellen“, verrät Kaufmann. Das neu geschaffene Mikroskopielabor unterstützt nicht nur die Freigabeprüfung, es hilft auch, unerwünschte Schadensphänomene zu ergründen und Legierungs- und Prozessentwicklungen voranzutreiben.

Für die Bestimmung der vom Kunden geforderten Materialkennwerte sowie für die Ermittlung der Beanspruchbarkeit der Produkte stehen eine Vielzahl an Prüfmethoden zur Verfügung. Dies reicht von der Standardprüftechnik (Zug- und Druckprüfung, Härteprüfung, Biegeprüfung, etc.) im Labor für mechanische Werkstoffprüfung bis hin zu komplexen, dreidimensionalen Blechumformprüfungen. Darüber hinaus kann für Produkt- und Verfahrensentwicklungen an einem Versuchswalzgerüst die industrielle thermomechanische Herstellroute im Labormaßstab abgebildet werden. 

Betriebsmittel und Umweltverträglichkeit

Betriebsmittel (z.B. Warmwalzemulsion, Kaltwalzöle) analysiert und entwickelt man im CMI meist gemeinsam mit externen Forschungspartnern. Gießwasserproben, Badproben und wässrige Proben zur Überwachung der Erfüllung von Behördenauflagen werden künftig im neuen Labor für Wasseranalytik aufbereitet und charakterisiert. Die Abteilung für Umweltmesstechnik führt die behördlichen Emissionsmessungen genehmigungsbedürftiger Anlagen durch und ist darüber hinaus auch Ansprechpartner für Sonderfragen des Immissionsschutzes. 

Neue Expertise und Produkte

Neben einer Abteilung Oberflächentechnologie arbeitet man im Klebetechniklabor an Entwicklungen im Bereich der Fügetechnik. „Im neu eingerichteten Chemielabor wird unter anderem Elektrochemie, für Korrosionsuntersuchungen und die gezielte Alterung von Werkstoffen genutzt,“ erzählt Kaufmann. 

Projekte im Bereich der Materialforschung benötigen Zeit. Bei AMAG setzt man dabei auf die enge Einbindung der Kunden und Anwender sowie von Universitätspartnern, allen voran aus dem wissenschaftlich-technologischen Beirat des Unternehmens. „Für dieses Jahr haben wir sogar ein Neuprodukte-Feuerwerk angekündigt. Trotz COVID-19 werden wir etwa 30 Produktneuheiten im Jahr 2020 präsentieren“, kündigt Kaufmann an. 

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