Bettina Horster ist Direktorin Mobile bei eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. und Vorstand der VIVAI Software AG

Tech-Crashers

Warum wir keine Scheu vor Augmented Reality haben sollten

Warum alle das Anwendungs- und Marktpotenzial von Augmented Reality völlig unterschätzen. Alle bis auf DHL.

Augmented Reality Blog VIVAI Software Logistik

DHL machts vor: In einem Pilotprojekt visualisiert der Logistiker den Picking-Prozess. 

Lösungen für Augmented Reality konzentrierten sich zunächst vor allem auf den Consumerbereich. Doch für das, was sie leisteten, waren sie viel zu teuer. Also dümpelte das Thema vor sich hin. Gerade in Zeiten angestrebter Industrie 4.0 bietet Augmented Reality aber im Businessbereich ein riesiges Anwendungs- und Marktpotenzial, das auf breiter Basis völlig unterschätzt wird. Passgenau digitale Informationen in die reale Welt einzublenden – das kann Arbeitsaspekte deutlich erleichtern: Unternehmen erzielen einfacher bessere Lösungen mit geringerer Fehlerquote, sparen Zeit und Schulungskosten.

Effizienz um ein Viertel gesteigert

So könnten beispielsweise in Werksbrillen direkt die nächsten Arbeitsschritte und Warnungen bei falschen Handgriffen angezeigt werden. Montage- und Reparaturtätigkeiten werden einfacher, fehlerfreier und nachvollziehbarer, wenn die jeweils notwendigen Maßnahmen im Sichtfeld eingeblendet werden und beispielsweise auch gleich die notwendige Passform eines Ersatzteils in der korrekten Position dargestellt wird. Der Gabelstaplerfahrer sieht im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor seinen Augen, was er genau wo abholen und wohin fahren soll. Erste erfolgreiche Projekte gibt es bereits, wie das Pilotprojekt von DHL und Ricoh, die den Picking-Prozess visualisiert haben. Handscanner und Picklisten wurden durch Datenbrillen und Augmented-Reality-Software ersetzt, die Mitarbeiter konnten jetzt beide Hände zum Konfektionieren der Bestellung nutzen. Im Pilotprojekt wurden Abläufe deutlich beschleunigt, Fehler komplett vermieden und die Effizienz der Kommissionierung nachweislich um 25 Prozent gesteigert.

Jedem leuchten solche Beispiele und ihr Potenzial direkt ein. Doch auch der Aufwand darf nicht unterschätzt werden. Unternehmen müssen bei Augmented Reality einen zusätzlichen Kanal bedienen und das muss sich erst mal rechnen. Hinzu kommt, dass das Thema am Anfang seiner Entwicklung steht und es technisch noch Herausforderungen zu lösen gilt. Wird eine Augmented-Reality-Anwendung beispielsweise draußen bei schlechtem Wetter oder drinnen in einer sehr staubbelasteten Umgebung eingesetzt, arbeitet sie vielleicht nicht zuverlässig. Die optimale Lösung mit Projektionstechnik, Endgeräten und Sensoren, die beim industriellen Einsatz leistungsfähig und zuverlässig genug ist, ist eine Kostenfrage. Dennoch bin ich mir sicher, dass sich die Augmented Reality aufgrund ihrer enormen Vorteile für Unternehmen lohnen kann und das sie in nicht allzu ferner Zukunft traditionelle Lösungen nicht nur ergänzen, sondern ersetzen wird.

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