Forschung

Fraunhofer Austria pocht auf Grundfinanzierung aus Österreich

In den letzten zehn Jahren hat sich Fraunhofer Austria Research zum unverzichtbaren Forschungspartner der heimischen Industrie gemausert. Ein Drittel der Grundfinanzierung stammt dabei immer noch aus deutscher Hand. Das soll nun Österreich übernehmen.

"Wir wollen als Forschungspartner für heimische Unternehmen im absoluten Topthema Industrie 4.0 und Digitalisierung weiterwachsen" Wilfried Sihn, Geschäftsführer Fraunhofer Austria Research GmbH 

Eine Beteiligung der öffentlichen Hand wünscht sich Fraunhofer Austria anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Österreich-Ablegers der auf angewandte Forschung spezialisierten Gesellschaft. Nach dieser langen Zeit sei es zunehmend schwerer zu argumentieren, dass die Grundfinanzierung weiter aus deutschen Steuergeldern kommt, so der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer.

Seit Ende 2008 besteht die Fraunhofer Austria Research GmbH als selbstständige Auslandsgesellschaft der deutschen Fraunhofer Gesellschaft, mit rund 27.000 Mitarbeitern die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa. Operativ tätig ist Fraunhofer Austria mit seinen Standorten in Wien und Graz, sowie seit 2016 auch mit einer Niederlassung im Tiroler Wattens, seit April 2009, hieß es bei einer Pressekonferenz in Wien.

Reimund, Neugebauer © Fraunhofer Gesellschaft

Ein Drittel der Grundfinanzierung komme bisher von deutschem Steuergeld. Geht es nach Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer sollten diese rund 1,4 Mio. Euro künftig aus Österreich kommen.

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Steuergeld aus Deutschland finanzierte bisher Fraunhofer Austria

Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz des Österreich-Ablegers 4,2 Mio. Euro. Dem Finanzierungssystem der Gesellschaft zufolge kommt rund ein Drittel des Budgets im Rahmen der Grundförderung von der öffentlichen Hand, wie Neugebauer erklärte. Im Falle von Fraunhofer Austria war das bisher Steuergeld aus Deutschland. Für Neugebauer sollten diese aktuell "überschaubaren" rund 1,4 Mio. Euro jährlich zukünftig aus Österreich kommen. Man habe hierzulande eine "kritische Masse" erreicht, nun müsse auch die Grundfinanzierung aus dem österreichischen Budget kommen, so der Fraunhofer-Präsident, der auf Gespräche mit dem Finanz- und dem Infrastrukturministerium verwies.

Wachsen als Forschungspartner für heimische Unternehmen

Die Institute mit Fokus auf "Produktions- und Logistikmanagement" in Wien und "Visual Computing" in Graz, sowie das Innovationszentrum "Digitale Transformation der Industrie" in Tirol zählen momentan 77 Mitarbeiter. In den kommenden fünf Jahren wolle man in Österreich rund 100 Mitarbeiter beschäftigen und den Umsatz auf zehn Millionen Euro erhöhen, wie die beiden Austro-Ko-Geschäftsführer Wilfried Sihn und Dieter W. Fellner betonten. Weiter wachsen will man vor allem als Forschungspartner für heimische Unternehmen im "absoluten Topthema" Industrie 4.0 und Digitalisierung, so Sihn. Nun gelte es in Sachen Grundfinanzierung die österreichische Politik zu überzeugen. Ein beispielhaftes Projekt ist z.B. der von Fraunhofer entwickelte Datentracker "Duckbox" für den innerbetrieblichen Materialfluss. (APA/red) 

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