Nachbericht

Erfolgsknaller ETT

Gemeinsam mit Fraunhofer Austria organisierte Factory die erste Ersatzteiltagung (ETT) Österreichs. Über 170 Teilnehmer aus der produzierenden Industrie folgten dem Ruf von hochkarätigen Vortragenden wie Airbus, KTM und General Electric. Eine Tagung mit Wiederholungsgarant.

Von
Ersatzteiltagung Event-Reporter

Über 170 Teilnehmer kamen zur ersten ETT. 

„Seit August steht fest: in Zukunft kommen zehn Prozent unserer Bau- und Ersatzteile aus dem Drucker.“ Mit diesem Satz sorgte Peter Pirklbauer für erstaunte Gesichter im Publikum Österreichs erster Ersatzteiltagung. Der Innovationsmanager von Airbus gab erstmals Einblicke in die Ersatzteilstrategie des Luftfahrtkonzerns. Doppelwandige Treibstoffrohre aus Titan werden nun für die Serie gedruckt, während Kabinenersatzteile nicht mehr im Spritzguss hergestellt und auf Lager gehalten, sondern on-demand gedruckt werden. Nicht nur, dass diese Treibstoffrohre um einiges leichter sind, der 3D-Druck spart Airbus enorme Werkzeugkosten von rund 500.000 €. Es ist eine einfache Rechnung: „Am Beispiel eines nicht mehr lieferbaren Kabinenersatzteils für die A300 wären einmalige 36.000 € an Werkzeugkosten auf uns zugekommen, durch den werkzeugfreien 3D-Druck fallen diese einfach weg.“

ETT © Christian Joainig

Volles Haus im Siemens Forum Linz. Über 170 Teilnehmer kamen zur ersten ETT. 

Airbus und der Druck vor Ort

„Unser weltweiter Lagerbestand beläuft sich auf rund € 1,2 Mrd.“, so Pirklbauer in seiner Eröffnungskeynote von Österreichs erster Ersatzteiltagung (ETT) im Siemens Forum Linz. Der Luftfahrtriese ist selbst als Erstausrüster (OEM) tätig und sichert sich damit seine Supplychain aufs Maximum ab. Und das nicht ohne Grund: Airbus ist auf die nächsten zehn Jahre ausgebucht. „Ersatzteile müssen daher schnell verfügbar sein“, so Pirklbauer. Nächster Schritt: Der Druck vor Ort. Ein Wink mit dem Zaunpfahl für Logistikdienstleister (welche auch im Publikum saßen). Denn wenn Airbus überall 3D-Drucker stehen hat und vor Ort seine Teile drucken möchte, verändert sich auch das Geschäftsmodell der klassischen Lieferanten grundlegend. „Eine Druck-Strategie, die bei manchen Verteilerzentrum von DHL bereits Einzug hält“, verrät Andreas Köberl. Der weltweite Logistikleiter von Siemens gab in seinem Vortrag Einblicke in die Distributionsstruktur des Technologieriesens. Gerade im After-Sales-Geschäft will er immer stärker lokal punkten und legt im Moment großen Wert auf Asien.

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Distribution und Lager als große Knackpunkte

Spannend war auch die Ersatzteilstrategie von GE Jenbacher. Bis zu 1.500 Motoren verkauft GE pro Jahr. Bis jetzt sind erst 30 Prozent aller Anlagen mit dem Internet verbunden. MyPlant speichert dabei alle relevanten Daten auf einer Cloud. Gemeinsam mit Fraunhofer Austria hat der Gasmotorenproduzent nun eine Art Ersatzteilkonfigurator entwickelt. „Früher rechneten wir mit bis zu drei Stunden Identifikationszeit von Service Paketen und Ersatzteilen, mit dem Service Package Configurator (SPC) brauchen wir heute nur mehr 30 Minuten“, berichtet Michael Förster, Leader Service Engineering Europe, in seinem Vortrag.

ETT © Christian Joainig

Zufriedene Veranstalter: Elisabeth Biedermann, Chefredaktion Factory und Martin Riester, Gruppenleiter Logistikmanagement Fraunhofer Austria. 

Auch der Just-in-Time-Spezialist Lufthansa Technik ließ sich den Termin in Linz nicht entgehen. So zeigte Thomas Schmidt, Director Components bei Lufthansa Technik Logistik Services, wie sein Unternehmen es schafft Ersatzteile in nur 12 Stunden beim Kunden zu haben. Die Lufthansa-Ersatzteile reichen dabei von einer Engine Control Unit (400.000 Euro) bis hin zu einer Kaffeemaschine (4.000 Euro). Einen völlig anderen Einblick gaben einheimische Unternehmen wie KTM und Lisec. Der Motorradhersteller verschickt rund 1.150 Pakete pro Tag und das mit einer Fehlerrate von unter 0,1 Prozent, dennoch gibt es immer noch Probleme mit der Teilevielfalt und das trotz einer globalen Plattformstrategie. Gerade weil Händler heute nichts mehr auf Lager haben wollen, sieht sich KTM gezwungen umzustrukturieren, was seine Ersatzteilstrategie anbelangt. Ähnlich geht es Glasanalgenbauer Lisec. Jährlich verlassen rund 12.000 verschiedene Ersatzteile das Lager der Niederösterreicher. Auch hier liegt der Knackpunkt in der Distribution und im Lager. Lisec rüstet sich derzeit mit täglichen KVP-Schleifen bei Mitarbeiter- und Aufbauorganisation für sein wachsendes Servicegeschäft.

Alle Bilder zu Österreichs erster Ersatzteiltagung finden Sie hier. 

Das sagen die Teilnehmer:

„Die Vorträge mit erfahrenen Praktikern deckten einen großen Bereich zum Thema Ersatzteillogistik und ihren Herausforderungen ab. Sie waren sehr interessant und gaben auch wertvolle Anregungen und mögliche Lösungsansätze für die Optimierung im eigenen Bereich. Diese Eindrücke bestätigten sich auch in den Gesprächen und Diskussionen, die ich mit verschiedenen Teilnehmern bei der Veranstaltung führte.“ Herbert Spanring, Leitung Zentrale Instandhaltung bei MAN Truck & Bus Österreich AG

„Aufgrund der Wichtigkeit des Leitgedankens war es uns ein Anliegen, Quartiergeber und Partner der ersten Ersatzteiltagung zu sein. Die zahlreichen Besucher, sowie die hochwertigen Vorträge haben den Stellenwert dieses Themas deutlich unterstrichen. Wir freuen uns auf eine Fortführung dieser Veranstaltungsreihe im Siemens Forum Linz.“ Günther Schallmeiner, Leiter Vertrieb Österreich für Digital Factory und Processindustries & Drives bei Siemens AG Österreich

„Ich möchte mich noch aufs herzlichste für diese gelungene Veranstaltung bedanken. Der Veranstaltungsort und die Räumlichkeiten waren wie geschaffen dazu und das Umgebungsfeld war super! Die Themen waren einfach grandios und übertrafen bei weitem unsere Vorstellungen. Wir können davon sehr viel in unseren Alltag mitnehmen!“ Robert Springer, Teamleiter Instandhaltung Extrusion bei Internorm