Antriebsysteme

Brennstoffzelle: Comeback eines Geheimtipps?

Die Industrie bläst zum zweiten Anlauf für die Brennstoffzelle und löst Begeisterung, aber auch gemischte Gefühle aus. Steht die Technologie vor ihrem großen Comeback? Laut Daimler ja.

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Todgesagt: Längst wurde die „kalte Verbrennung“ mit Wasserstoff für mausetot erklärt. Doch seit kurzem tönen von Mercedes, VW und Co völlig neue Töne. Steht die Brennstoffzelle vor ihrem großen Comeback?

Unter den alternativen Antriebsystemen für Autos galt die Brennstoffzelle vor vielen Jahren als einer der ganz großen Hoffnungsträger. Längst wurde die „kalte Verbrennung“ mit Wasserstoff von Skeptikern für mausetot erklärt. Trotzdem erlebte sie in letzter Zeit ein überraschendes Comeback. Und dies vor dem Hintergrund, dass die ganze Welt heute von der Zukunft des Elektroautos mit Batterieantrieb spricht. Was ist passiert? Die Erwartungen, endlich leistungsfähigere Akkus für E-Autos zu entwickeln, konnten nach wie vor nicht erfüllt werden. Und als Toyota vor zwei Jahren auf der Los Angeles Auto Show 2014 die Limousine Mirai präsentierte, kam dies einem Weckruf unter den deutschen Herstellern gleich.

Hektische Betriebsamkeit

Im Januar hat Audi die Studie H-Tron Quattro mit Brennstoffzelle und einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern vorgestellt. Danach soll ein Honda mit Wasserstoffantrieb folgen. 2017 kommt der Mercedes-Benz GLC F-Cell. Auch BMW und VW arbeiten fieberhaft an eigenen Lösungen. „Wir erforschen und bauen seit mehr als 30 Jahren Antriebstechnik auf Wasserstoffbasis. Wer jetzt behauptet, wir sind bei der Brennstoffzelle ganz spät aufgestanden, ist auf dem Holzweg“, sagt Entwicklungschef Klaus Fröhlich. Erst kürzlich meldete der VW-Konzern, dass die Brennstoffzellen-Forschung exklusiv an Audi vergeben werden soll. Innerhalb des Konzerns wird aktuell zur Brennstoffzellen-Technologie ein Gesamtkonzept erarbeitet. Aber auch der US-Bundesstaat Kalifornien hat es sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2025 mindestens 15 Prozent der Fahrzeuge absolut emissionsfrei laufen. Dieses ambitionierte Ziel kann nur erfüllt werden, wenn die Hersteller ausreichend Elektro- oder Brennstoffzellautos anbieten. Im Vorteil ist dabei klar die Brennstoffzelle: Gemäß Gesetzestext erhält sie doppelt so viele Emissions-„Punkte“ wie ein E-Motor.

Professor, Thomas, Weber © Daimler AG

Im Bild: Thomas Weber, Vorstandsmitglied der Daimler AG, verantwortlich für Konzernforschung und Entwicklung Mercedes-Benz Cars. 2017 kommt der Mercedes-Benz GLC F-Cell.

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Bei Daimler, VW sind noch viele Fragen offen

Ob sich die Brennstoffzelle dann schlussendlich doch durchsetzt, bleibt allerdings noch offen. Das Comeback liegt wohl auch daran, dass führende Hersteller nicht in einen möglichen technologischen Rückstand geraten wollen. Folglich wird weiter investiert, ohne wirklich zu wissen, ob die Technologie überhaupt zukunftsfähig sein wird. Wobei die Voraussetzungen nicht ungünstig sind: Eine elektrische und damit emissionsfreie Fortbewegung ist mit handelsüblichen Reichweiten und Betankungszeiten kombinierbar. „Nach drei Minuten ist der Tank voll. Niemand muss also an der Tankstelle übernachten“, erklärt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Audi-Entwicklungschef Stefan Knirsch sieht neben dem hohen Preis die fehlende Infrastruktur als große Hürde: „Vor 2020 sehe ich keine ausreichende Versorgung mit Wasserstoff-Tankstellen. Zudem sollte, damit ein Brennstoffzellen-Fahrzeug CO2-neutral unterwegs ist, der Wasserstoff aus erneuerbarer Energie hergestellt werden. Wir arbeiten daran.“ Einer der größten Kostentreiber der Brennstoffzelle ist das wertvolle Edelmetall Platin. Dieser Anteil muss von 30 Gramm auf unter 10 Gramm sinken. „Das entspricht dann dem Gehalt eines modernen Dieselkatalysators“, so Daimler-Chef Zetsche.

Lastwagen sind kein Problem

Ein zusätzlicher Vorteil der Brennstoffzelle: Sie lässt sich so erweitern, dass selbst große Lastwagen damit angetrieben werden könnten. Mit Batterien wäre das gegenwärtig extrem problematisch. Auch wenn sich die Brennstoffzelle für die klassischen PKW noch nicht optimal eignet, kann sie aber für den lokalen Güterverkehr, öffentlichen Nahverkehr oder Einsatz in Kommunalbetrieben mit zentralen Tankstellen eine gute Lösung bieten. 

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