Halbleiter

Bosch will neue Chipfabrik eröffnen

Der Technologiekonzern will im Juni eine neue Chipfabrik eröffnen. Der Mangel an Speicherchips wird mit diesem Werk allerdings nicht entschärft werden.

Bosch Chipproduktion Chipmangel Mikroelektronik Halbleiterindustrie

Erste Wafer durchlaufen vollautomatisiert die Fertigung in der Bosch-Halbleiterfabrik in Dresden.

Der deutsche Technologiekonzern Bosch plant die Eröffnung seiner neuen deutschen Chipfabrik im Juni. Erstmals durchlaufen im Werk in Dresden Silizium-Wafer vollautomatisiert die Fertigung. Dies gilt als entscheidender Schritt für das Hochlaufen der Chipproduktion. „Aus Dresden kommen schon bald Chips für die Mobilität der Zukunft und mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Noch heuer wollen wir die Chipfabrik der Zukunft eröffnen“, informierte Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger am Montag.

Seit Ende letzten Jahres läuft demnach die Vorproduktion der Halbleiter, die in Elektro- und Hybridautos eingebaut werden sollen. Seit Kurzem ist die vollautomatisierte Fertigung von Prototypen angelaufen, die in Komponenten eingesetzt und getestet werden können. Damit sei ein entscheidender Schritt zu dem für Ende dieses Jahres geplanten Produktionsstart geschafft.

„Silicon Saxony“

Eine Milliarde Euro wurde in die Fabrik investiert, die eine der modernsten Chipfabriken der Welt werden soll. Dabei handelt es sich um die größte Investition, die der Bosch-Konzern mit seinen etwa 400.000 Mitarbeitern je getätig hat. Auch der Bund und der Freistaat Sachsen beteiligen sich finanziell, um den als „Silicon Saxony“ bezeichneten Standort etlicher Forscher und Hersteller von Halbleitern auszubauen. Bis zu 700 Arbeitsplätze sollen im Bosch-Werk die Anlagen steuern, überwachen und warten. Den derzeit herrschenden Mangel an Speicherchips in der Autoindustrie kann das Projekt nicht beheben, da es sich um andere als die zurzeit fehlenden Halbleiter handelt.

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Verliert Europa den Anschluss?

Chips sind die Grundbausteine einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft. Schon jetzt besteht die Gefahr, dass Europa den Anschluss in der Mikroelektronik-Technologie verliert und sich damit abhängig von immer mächtiger werdenden Anbietern aus Asien und Amerika macht.

„Im weltweiten Vergleich nimmt der Anteil der Chips, die in Europa produziert werden, seit Jahren stetig ab“, warnt jetzt der „Silicon Saxony e.V.“, der rund 350 Unternehmen in Dresden, Europas größtem Halbleiterstandort, zu seinen Mitgliedern zählt. Und nicht nur das: Die großen Spieler in diesem Markt stärken ihre Position: „China, die Vereinigten Staaten und Japan haben umfangreiche Förderprogramme gestartet, um die technologische Souveränität bei der Chipherstellung im eigenen Einflussbereich zu erhalten und auszubauen“, heißt es in einem offenen Brief der Branchenvereinigung an die deutsche Regierung. Die Dresdner befürchten einen weiteren Bedeutungsverlust Deutschlands und Europas innerhalb der globalen Wertschöpfungskette. (apa/red)