Kommentar

Was grüne Produktion wirklich grün macht

GRUENE PROD
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Die Notwendigkeit, die Wirtschaft und damit auch einzelne Unternehmen auf Nachhaltigkeit zu trimmen, sollte mittlerweile allen klar geworden sein. Der kürzlich erschienene dritte Teil des IPCC Berichts enthält klare Botschaften. Wenn es uns weltweit nicht gelingt, bis 2025 den Emissionsanstieg zu stoppen, ist auch das 2 Grad Ziel kaum zu halten. Bis 2050 muss die Welt „Net Zero“ schaffen, also nicht mehr Treibhausgase emittieren als physisch kompensiert werden kann.

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Die besondere Verantwortung der Industrie

Das Wissen um den eigenen CO2-Fußabdruck hilft, persönlich im Alltag Emissionen einzusparen. Die Industrie darf es sich nicht leicht machen, indem sie die eigene Verantwortung auf die Kund:innen abwälzt. Sie muss selbst enorme Transformationsprozesse bewältigen und die gehen meist über das hinaus, was Führungskräften wirklich klar – geschweige denn lieb – ist.

Echte Transformation versus Marketing

In vielen Unternehmen wird Nachhaltigkeit und grüne Transformation nach wie vor missverstanden. Man geht davon aus, mit Energieeinsparung und Effizienzerhöhung die Aufgabe zu meistern. Den Rest kompensiert man bei einem zertifizierten Dienstleister und schließlich heftet man sich das grüne Label an, welches auch gut vermarktet werden kann. Doch so einfach ist es nicht.

Das Kompensieren von aktuell unvermeidbaren Emissionen kann eine Zwischenlösung sein. Damit ist es aber nicht getan.
Mario Buchinger

Nehmen wir das Thema Einsparung von Energie. Es ist natürlich immer gut, Energie einzusparen. Der wesentliche Antrieb liegt bei Unternehmen allerdings eher bei monetären Aspekten. Für eine grüne Transformation reicht das jedoch noch nicht aus. Die große Kunst liegt darin, mit Energie bewusster umzugehen, ihren Bedarf kontinuierlich zu reduzieren und gleichzeitig daran zu arbeiten, diese eigenständig und 100% regenerativ zu erzeugen. Die beste Energie ist die, die man nicht braucht. Die zweitbeste ist die, die lokal und aus 100% erneuerbaren Energien erzeugt wurde.

Kompensation ist Greenwashing

Das Kompensieren von aktuell unvermeidbaren Emissionen kann eine Zwischenlösung sein. Es ist aber nicht damit getan, denn man muss kontinuierlich daran arbeiten, das gesamte Umfeld tatsächlich emissionsfrei zu gestalten. Das greift tief in Eigenschaften der produzierten Produkte und Dienstleistungen als auch in die Prozesslandschaft ein. Das sind Veränderungen, die spürbar und aufwändig sind.

Die gute Nachricht zum Schluss

Die umfangreiche Transformation hat aber einen überragenden Vorteil: Die Existenz des Unternehmens wird damit langfristig gesichert und sie enthält enormes Innovationspotential. Uns muss allen klar sein, dass es mehr kostet, Klimaschutz in der Industrie nicht umzusetzen als es zu tun. Die Unternehmen, die nicht heute mit ihrer Transformation anfangen, werden in spätestens zehn Jahren ihre Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben.

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