Innovation

Theftex: Wie eine Alarmplane Spediteure vor Diebstahl schützen soll

Planenschlitzer sind in Europa leider so häufig, dass der volkswirtschaftliche Schaden auf über acht Milliarden Euro geschätzt wird. Eine deutsche Erfindung könnte mit dem Warendiebstahl vom LKW jetzt Schluss machen. Erste Versicherungen sind schon dabei.

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Start-up Produkt Alarmplane.de Transport Logistik

Wenn die Plane Alarm schlägt: Wenn die Alarmplane Theftex mit einem scharfen Gegenstand durchstoßen wird, ertönt eine Sirene mit 110 dB. Erste Pilotversuche beweisen, dass dadurch Diebe in die Flucht geschlagen werden. 

Ein Lkw parkt in einsamer Nacht auf einem Parkplatz an einer Autobahn. Der Fahrer schläft fest in der Fahrerkabine. Der ideale Zeitpunkt und Ort für kriminelle Lkw-Planenschlitzer, die mit wenigen Schnitten die Plane durchschneiden und wertvolle Ladung vom Lkw stehlen ohne dass es der Fahrer vorn merkt. Warendiebstähle von Lkw sind in Europa leider weit verbreitet, nüchterne Zahlen belegen das: Europaweit liegt der volkswirtschaftliche Schaden bei 8,2 Mrd. Euro, weil Kriminelle die Planen aufschlitzen und „hoch organisiert und professionell“ ans Werk gehen, wie es in einer einschlägigen EU-Studie heißt.

26.000 Diebstähle pro Jahr

Ähnliche Zahlen aus einer deutschen Studie bestätigen das:  Demnach wurden in Deutschland im Jahr 2016 von Lkw Waren im Wert von 1,3 Mrd. Euro gestohlen. Der damit verbundene volkswirtschaftliche Schaden lag bei 2,2 Mrd. Euro. Bei 26.000 Diebstählen pro Jahr lag die Schadenshöhe bei durchschnittlich 85.000 Euro. Wobei diese Angaben auf qualifizierte Schätzungen beruhen, die Dunkelziffer dürfte noch um einiges höhen liegen. Wie den Ganoven also das Handwerk legen oder zumindest erschweren? Darüber hat ich der deutsche Student Andreas Gießler viele Gedanken gemacht und eine Alarmplane entwickelt, die in ersten Pilotversuchen bereits mehrere Diebstähle verhindert hat.

Patentiert und voll ins Schwarze getroffen: Theftex

Gießler studierte an der Hochschule Transportwesen und Logistik in Bremerhaven und hat eine Alarmplane entwickelt, die er 2017 unter dem Produktnahmen „Alarmplane.de“ auf den Markt brachte und über sein gleichnamiges Unternehmen im deutschen Geestland vertreibt. Von dort aus auch nach Österreich. „Ich habe mir die Frage gestellt, warum niemand ein Alarmsystem für Lkw benutzt, recherchierte bestehende Patente und entwickelte ein einfaches, flexibles, wirkungsvolles und dazu noch günstiges System, nämlich die Alarmplane“, erinnert sich Gießler gegenüber Factory. Das Nachdenken und die Recherchen haben sich gelohnt und er hat mit seiner, mittlerweile patentierten Alarmplane voll ins Schwarze getroffen „weil es so etwas auf dem Markt bisher nicht gegeben hat.“ Der Name wird bald durch das neue Branding „Theftex“ abgelöst, um die Plane künftig international noch besser vermarkten zu können.

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17 Diebstähle bereits verhindert

Die Plane besteht aus einem PVC-Gewebe, auf das in unterschiedlichen Rastern ein Leitungsdraht aufgebracht ist. Dieser Leitungsdraht wird mit einer Stickmaschine auf das Material aufgebracht und mit einem Kevlar-Garn verstickt. „Wir erreichen damit ein hoch flexibles Gesamtergebnis mit großer Schnittfestigkeit.“ Dazu kommt, dass ein möglicher Schnitt in die Plane wesentlich kleiner ausfällt und sie damit nicht so stark wie üblich beschädigt wird, weil der Raster der Drähte das verhindert. Sobald die Plane beschädigt wird ertönt eine Sirene mit 110 dB-Lautstärke. „Bei diesem Lärm ergreifen die Diebe die Flucht“, ist sich Gießler sicher. In 17 Fällen waren mit der Alarm-Plane ausgestattete Lkw Ziel von Planenschlitzern. In allen Fällen wurden keine Waren vom Lkw gestohlen, weil der ausgelöste Alarm die Diebe wohl vertrieben hat. Der Planenschaden ist im Verhältnis zum möglichen Warendiebstahl minimal und der Lkw-Eigner, Spediteur oder Frächter muss nicht mit den Versicherungen Selbstbeteiligungen in fünfstelliger-Euro-Höhe vereinbaren.

Gießler, Alarmplane © Alarmplane.de

Schlägt Diebe mit seiner Alarmplane in die Flucht: Andreas Gießler, Inhaber und Erfinder von Alarmplane.de, hat bereits erste Versicherungen auf seiner Seite. Benutzer seiner Alarmplane zahlen so im Schadensfall keine Selbstbeteiligung und werden auch nicht im Bonus-Malus-System zurückgestuft.

Bereits zwei Diebe verhaftet

Die Alarmplane, die innen an der bestehenden Plane aufgeschweißt wird, funktioniert unabhängig vom Bordnetz und unabhängig vom Agieren des Lkw-Fahrers. Der Alarm ist automatisch aktiviert. Bis auf den Austausch der Batterien muss die Alarmplane nicht gewartet werden. Die Lebensdauer der Alarmplane entspricht der Lebensdauer der vorhandenen Lkw-Plane. Die Materialien sind identisch und das Anbringen auf der bestehenden Plane ist jederzeit möglich. Die Plane kann auch mit einem GPS- und GSM-Modul ausgestattet werden. Damit lässt sich der Alarm an eine Alarmzentrale weiterleiten, allerdings nicht direkt zur Polizei was in Deutschland nicht erlaubt ist. Die Kunden seien mit der Plane zufrieden, es seien bereits zwei Diebe verhaftet worden, die sich an der Alarmplane zu schaffen machten und es wurde von keinem Lkw mit Alarmplane etwas gestohlen. Lkw-Fuhrparkbetreiber würden den Mehrwert erkennen, den die Alarmplane ihnen bietet. Zu beobachten sie auch, dass die Kunden von Transportunternehmen bereit sind, höhere Transportpreise zu bezahlen, weil die Transporte dank Plane alarmgesichert sind.

Versicherungen mit an Bord

In Deutschland sei es üblich, dass Transportunternehmen mit Versicherern eine Selbstbeteiligung von 10.000 Euro oder mehr vereinbaren. Damit wird erreicht, dass die Versicherung nicht für Schäden bis zur vereinbarten Selbstbeteiligung aufkommen muss. Das sei auch ein Grund, weshalb viele Diebstahlschäden oder Planen-Beschädigungen gar nicht erst als Schadensfälle bei den Versicherungen landen. Für Versicherungen ist die Plane interessant und die Helvetia Versicherung ist bereits über eine Venture Capital Fund bei Gießlers Unternehmen eingestiegen. Helvetia-Kunden profitieren bereits von pauschalen Nachlässen, zahlen im Schadensfall keine Selbstbeteiligung und werden auch nicht im Bonus-Malus-System zurückgestuft, wenn ein Schaden eintritt. Dem Beispiel Helvetia könnten schon bald weitere Versicherungen folgen, mit acht von ihnen ist Gießler derzeit in Verhandlungen.   

Die Alarmplane auf einen Blick

  • Wie funktioniert es: Die gesamte Plane mit einem Gewicht von 22 kg wird auf die vorhandene Plane aufgeschweißt ist schnittfest durch die Kevlar-Verstärkung. Mit der eigenen Stromversorgung (unabhängig vom Lkw-Bordnetz) ist die Plane auch bei Planen-Aufliegern und Wechselbrücken verwendbar. Bei Alarmauslösung erfolgt Mitteilung per SMS oder E-Mail
  • Wie viel kostet es: Kosten pro Plane von 2.199 Euro bis 2.949 Euro (ab 12 Stück gibt es Rabatt)
  • Welche Größe: Erhältlich in Segmenthöhe zwischen 100 cm bis 150 cm. Die Rastergröße beträgt 15 cm x15 cm, 10 cm x 10 cm oder 5 cm x 5 cm

https://www.youtube.com/watch?v=8YTX8YLv48w Kurz erklärt: Ein Beitrag über Andreas Geißlers Erfindung, die Alarmplane. 

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