Open Manufacturing Platform

Tempo machen mit OMP

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Die industrielle Produktion und ihre Rentabilität bzw. Produktivität werden durch komplexe, proprietäre Systeme in Datensilos maßgeblich eingeschränkt. Die Open Manufacturing Platform (OMP) soll diese Barrieren durch ein offenes Technologie-Framework und einer branchenübergreifenden OMP-Community auflösen, indem sie die Entwicklung von Smart-Factory-Lösungen unterstützt, die in der Folge von den OMP-Teilnehmern in der Automobilindustrie und in der gesamten Fertigungsbranche gemeinsam genutzt werden können. Zudem beabsichtigt die Initiative einen Austausch von Wissen wie zum Beispiel über industrielle Anwendungsfälle, um die OMP-Mitglieder zu befähigen, die Entwicklung ihrer Lösungen zu vereinfachen und vor allem kräftig zu beschleunigen. „Das ist eine sehr gute Nachricht für die Fertigungs-Industrie“, sagt Stefan Hoppe, Präsident und CEO der OPC Foundation. „Die Nutzung von offenen internationalen Industriestandards wie OPC UA in der OMP-Community ermöglicht Herstellern, Maschinenbauern und Zulieferern, ihre Anlagen kostengünstig, effizient und sicher zu integrieren. Lange Zeit haben Unternehmen proprietäre, geschlossene Ökosysteme vorangetrieben - die OMP-Initiative für eine offene Entwicklung wird daher die Fertigung von morgen prägen.“

Standardisierung von Datenmodellen

Die Open Manufacturing Platform möchte ihren Teilnehmern eine sogenannte Referenzarchitektur mit Open-Source-Komponenten auf der Grundlage offener Industriestandards bereitstellen. Dazu sollen industrielle Datenmodelle standardisiert werden, um Analysen und maschinelle Lernszenarien zu beschleunigen, indem der Zugriff auf Daten, die früher in Datensilos gespeichert waren, freigeschaltet wird. Der Leistungsumfang beinhaltet neben der Datenstandardisierung über Datenproduzenten hinweg für eine schnellere Korrelation der Erkenntnisse, zentrale Überprüfungen, Dashboards, Möglichkeiten zur Datenmonetarisierung durch kontrollierte gemeinsame Nutzung und Eigentum sowie Open Source für OMP-Komponenten. Die Leistungen sollen dann mit der bestehenden Industrie 4.0-Referenzarchitektur kompatibel sein und den industriellen Interoperabilitätsstandard OPC UA verwenden. Die OMP basiert auf der Microsoft-Azure-Industrial-IoT-Cloud-Plattform. Dabei behalten die OMP-Teilnehmer grundsätzlich immer die volle Kontrolle über ihre Daten.

BMW und Microsoft nutzen OMP

Die Plattform deckt die Anforderungen der gesamten Industrie ab, zum Beispiel hinsichtlich der Datenverbindung von Maschinen und Systemen oder die Systemintegration. Die logische Konsequenz: Hersteller, Zulieferer und ihre Partnerunternehmen müssen Software nicht von Grund auf neu entwickeln, sondern es genügt, auf bestehenden Komponenten der OMP aufzubauen. Von der OMP wollen jetzt auch BMW und der langjährige Technologiepartner Microsoft profitieren. „Um die komplexe Aufgabe der Produktion von individualisierten Premiumprodukten zu meistern, bedarf es innovativer IT- und Softwarelösungen“, betont Oliver Zipse, Mitglied des Vorstands der BMW AG, verantwortlich für Produktion.

Die Vernetzung von Produktionsstandorten und -systemen sowie die sichere Anbindung von Partnern und Zulieferern spielt hierbei eine besonders wichtige Rolle. „Bereits seit 2016 setzen wir auf Cloud-Dienste und entwickeln konsequent neue Ansätze. Mit der Open Manufacturing Platform als nächsten Schritt wollen wir unsere Lösungen für andere Unternehmen verfügbar machen und gemeinschaftlich Potenziale heben, um unsere starke Position im Markt nachhaltig zu festigen,“ erklärt Zipse.

Erste Anwendungsfälle für die Community

BMW plant mit aktuell über 3.000 Maschinen, Robotern und autonomen Transportsystemen, die mit der IoT-Plattform von BMW verbunden sind und auf den Cloud-, IoT- und KI-Funktionen von Microsoft Azure aufsetzen, erste Anwendungsfälle in die OMP-Community einzubringen. So soll im BMW-Produktions- und Montagestandort in Regensburg die zweite Generation der autonomen Transportsysteme implementiert werden. Dies ermöglicht dann dem Hersteller, seine Logistikprozesse durch eine zentrale Koordination des Transportsystems erheblich zu vereinfachen und dadurch die Logistikeffizienz zu verbessern.

Zudem werden Funktionen integriert, mit denen autonome Transportsysteme sich herstellerunabhängig koordinieren lassen. Dieser und andere Anwendungsfälle wie zum Beispiel digitale Rückkopplungsschleifen, digitales Lieferkettenmanagement und vorausschauende Wartung sollen in Zukunft verfügbar gemacht und innerhalb der OMP-Community weiterentwickelt werden. „Microsoft und die BMW Group bündeln ihre Kräfte, um die Effizienz der digitalen Produktion in der gesamten Branche zu verbessern“, unterstreicht Scott Guthrie, Executive Vice President, Microsoft Cloud and AI Group. „Unser Engagement für den Aufbau einer offenen Community wird neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Fertigungsbereich eröffnen.“

Skalierung von Innovationen

Die Open Manufacturing Platform ist unter der Ägide der Joint Development Foundation (JDF) aktiv. Die JDF gehört wiederum zur Linux Foundation und schafft für die OMP eine Infrastruktur und den organisatorischen Rahmen zur Entwicklung technischer Spezifikationen und offener Industriestandards. Die OMP unterstützt andere Organisationen einschließlich der OPC Foundation und der Plattform Industrie 4.0 und nutzt bei der Arbeit mit ihren Partnern aktuelle Industriestandards, Open-Source-Referenzarchitekturen und gemeinsame Datenmodelle. „Industrieweite Zusammenarbeit ist der Kern der OMP und ermöglicht es Fertigungsunternehmen und ihren Partnern entlang der Wertschöpfungskette, Angebote schneller auf den Markt zu bringen und wertschöpfend zu skalieren", sagte Scott Guthrie, Executive Vice President Cloud & AI bei Microsoft. „Die Lösungen der OMP werden veröffentlicht und mit der Community geteilt, unabhängig von der Technologie, dem Lösungsanbieter oder der Cloud-Plattform, die zum Einsatz kommen.“

Fazit

Soweit die Vision. Die nahtlose gemeinsame Nutzung von Daten ist leider in den Zeiten der Digitalisierung und Transformation immer noch für viele Unternehmen eine Wunschvorstellung. Zunächst müssen einmal viele Datenquellen innerhalb eines Unternehmens miteinander verbunden und vernetzt werden. Das schafft erst die notwendige Voraussetzung, diese auf Partner und externe Einrichtungen auszudehnen.