Testreihe

Der große FACTORY-Spannungsprüfertest

Spannungsprüfertest
© Factory

Ein Spannungsprüfer muss sicher und zuverlässig sein – hier ist die Entwicklungskompetenz der Hersteller gefragt. Die Entwicklung von Kompetenzen hingegen ist ein Kerngebiet des Schulwesens. So auch an der Höheren Technischen Lehranstalt Ottakring in Wien. Hier sitzen die Elektrotechniker und Gerätedesigner von Morgen. Factory sah das als beste Voraussetzung für einen Spannungsprüfertest und hat bei Elektrotechnik-Abteilungsvorstand der berufsgeleitenden Abendschule Andreas Heinbach angefragt. Dieser organisierte gleich zwei Schulklassen samt Professoren für eine Testreihe. Dass gerade die Schüler der Abendschule den Test durchführen sollten, war dabei das Tüpfelchen auf dem i. Sie stehen voll im Berufsleben und kennen daher alle Stolperfallen aus der Praxis. Zugleich können sie mit umfangreichem elektrotechnischem Theoriewissen aufwarten. Und nicht zuletzt mangelt es der HTL an technischem Equipment nicht. Laufmeterweise Labortische mit Steckdosen und Spannungen aller Formen und Arten - ein Eldorado für jeden Spannungsprüfer.

Acht Testkandidaten.

Für den Test schickten sechs Hersteller insgesamt acht Geräte auf den Prüfstand. Teils mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen. Deshalb wurden jeweils zwei in dieser Hinsicht vergleichbare für einen Zweikampf ausgewählt. Bewertet haben die Tester jedoch jedes einzelne Gerät im Gesamtkontext. Apropos Funktion. Ein Spannungsprüfer muss das Vorhandensein einer elektrischen Spannung signalisieren – Genauigkeit spielt eine untergeordnete Rolle. Die meisten haben dazu LED-Anzeigen mit den elektrotechnisch wichtigen Spannungswerten 12, 24, 50, 230, 400 und 690 Volt. Zusätzliche Features wie Drehfeldprüfung, Durchgangstest oder Widerstandmessung sind aber meist Standard und spielen beim Kauf in der Entscheidungsfindung eine nicht unwesentliche Rolle.

Weiter auf Seite 2: Dieser Hersteller hatte die beste LED-Anzeige.

Alle acht Tools im Überblick gibts hier.

Dass die Geräte allesamt in der Lage sind, Spannungen anzuzeigen musste selbstverständlich keinem besonderen Test unterzogen werden. Der entscheidende Punkt aber ist aber das Design der Anzeige in Hinblick auf die Ablesbarkeit. Um diese zu testen wurde von den Schülern an in unterschiedlicher Höhe situierten Spannungsquellen gemessen – analog zu einem Schaltschrank in dem nicht selten an den unmöglichsten Stellen geprüft werden muss. Dabei wurde besonders auf Spiegelungen geachtet, da die Geräte häufig bei künstlichem Licht zum Einsatz kommen.

Beim Gerät von Weidmüller fanden die Tester die Richtung des angezeigten Spannungspegels – von oben nach unten – etwas gewöhnungsbedürftig und entdeckten leichten Spiegelungen. Dagegen verstellte beim Duspol von Phoenix Contact der Abrutsch-Schutz bei extremen Betrachtungswinkeln die Sicht auf die Anzeige. Daran hat Fluke in dieser Hinsicht gedacht und den Schutz an den richtigen Stellen angebracht. In Punkto Displayabdeckung vermuten die erfahrenen Praktiker unter den Schülern aber bei allen Geräten mit Kunststoffscheibe eine zunehmende Beeinträchtigung infolge von unvermeidlichen Kratzern. Am meisten überzeugen konnte hier Fluke. Die LEDs der Anzeige sind matt, ragen etwas heraus und haben unterschiedliche Farben. Verdiente Bestnote.

Bei diesem Gerät suchen Sie nie wieder nach Prüfspitzen.

Eine Prüfspitze muss nicht immer eine spitze Form haben. Eine breite ist beim Steckdosenprüfen oft ein Segen. Einige Hersteller legen deshalb Prüfspitzenvergrößerungen bei, die auf- beziehungsweise abgeschraubt werden können. Und da lauert schon das Ärgernis – Suchen ist angesagt. Bei manchen Fabrikaten wird wohl das eine oder andere Mal am Fußboden oder in der Hosentasche gesucht werden müssen. Fluke glänzt hier mit einem genialen Einfall. Für die Vergrößerungen wurde ein Platz in der Prüfspitzenschutzkappe vorgesehen. Auch noch zwei Prüfspitzenabdeckungen finden leicht Platz. Diese sollen beim Messen an nahe aneinander liegenden Punkten einen Kontakt der Spitzen untereinander verhindern. Greenlee hat diesen Schutz um die Prüfspitze fest integriert. Dieser kann allerdings nicht entfernt werden und verkompliziert dadurch die Montage der Vergrößerungen. Auch ein Abgreifen der Spannung an filigranen Prüfpunkten wird so zum Geduldspiel.

Eine weitere hilfreiche Funktionalität beim Steckdosentest ist die Möglichkeit die Prüfspitzen zu arretieren. Alle Testgeräte ausgenommen den Duspol expert besitzen dieses Feature. Der C.A. 760N von Chauvin Arnoux besitzt keine Arretierung, kann aber mit einem separat erwerbbaren Adapter nachgerüstet werden. Positiv aufgefallen ist den Testern die Lösung von Weidmüller. Beim Combi Check Pro werden die Prüfspitzen von zwei Magneten fest in Position gehalten. Dadurch ist ein Abbrechen eines mechanischen Verbindungsstückes unmöglich und das Verstauen wird ebenso komfortabler. Beim Gerät VC-53 von Conrad sitzen die Prüfspitzen trotz einfacher Konstruktion überraschend fest. Enttäuscht haben hier die Greenlee-Geräte von Klauke. Die Spitzen müssen umständlich zusammengesteckt werden. Einmal verbunden lösen sich jedoch zu leicht. Der Punkt in dieser Runde – dank dieser ungewöhnlichen und innovativen Lösung – geht an den Combi Check Pro.

Weiter auf Seite 3: Dieser Hersteller hat die einfachste Bedienung.

Alle acht Tools im Überblick gibts hier.

Die dritte Sicherheitsregel bei Arbeiten an elektrischen Anlagen lautet: Auf Spannungsfreiheit prüfen - jedoch nur mit einem intakten Gerät. Deshalb muss ein Spannungsprüfer vor Gebrauch auf seine Funktion getestet werden. Factory hat die Frage interessiert ob ein Selbsttest ohne Bedienungsanleitung, die bekanntlich nie zur Hand ist, möglich ist. Am besten gelingt dies beim Greenlee GT-85ne von Klauke. Hier müssen die Prüfspitzen lediglich für einen Augenblick kurzgeschlossen werden. Bei Fluke-Geräten ist dies drei Sekunden lang erforderlich – einen Hinweis findet man diesbezüglich aufgedruckt am Gerät. Die anderen Prüfgeräte führen den Eigentest erst nach einer Kombination aus Tastenbetätigung und Kurzschluss der Prüfspitzen aus.

Eine Schadensbehebung kann ohne Taschenlampe zu einem Stochern im Dunkeln ausarten. Bis auf die Geräte von Chauvin Arnoux und Conrad werfen alle getesteten Geräte bei Tastendruck einen Lichtkegel in Richtung der Prüfspitze. Das vermeintlich nebensächliche Detail, dass bei sämtlichen Geräten die Lichtfarbe weiß anstatt orange ist, führten einige der Abendschüler als wichtigen Punkt an. Ihren Erfahrungen nach besteht bei oranger Beleuchtung Verwechslungsgefahr bei der Aderkennfarbe. In dieser Hinsicht haben alle Testgeräte bestanden. Lediglich dass beim Combi Check Pro von Weidmüller die Messstellenbeleuchtung nur für die Dauer des Tastendruckes eingeschaltet bleibt, wurde als etwas hinderlich angesehen, da bei einem Wechsel der Körperhaltung die Taste zwangsläufig ausgelassen werden muss.

Bester bei Tastenbedienung mit Handschuhen ist dieser Hersteller.

Im Praxiseinsatz wundert sich der Techniker ab und an über eine angezeigte Spannung an einer ausgeschalteten Leitung – der Grund dafür sind Einkopplungen. Diesen Umstand haben Fluke, Phoenix Contact und Weidmüller bedacht und die Geräte mit einer zuschaltbaren Lastfunktion ausgestattet. Durch diese kann der Blindspannungsanteil bedämpft und so zwischen diesem und einem unter Spannung stehendem Netz unterschieden werden. Außerdem kann eine – freilich nur grobe – Kontrolle des FI-Schalters durchgeführt werden. Sämtliche Geräte erhalten für diese Besonderheit ein Plus von den Testern. Der Duspol expert staubte hier noch einen Zusatzpunkt ab. Bei der Tastenbedienung mit Handschuhen schnitt das Gerät von Phoenix Contact am besten ab.

Ebenfalls mit Handschuhen wurde der Frage nachgegangen ob ein einpoliger Phasentest mit Handschutz möglich ist. Sämtliche Geräte gingen in dieser Hinsicht als einpoliger Phasenprüfer durch. Das Gerät von Phoenix Contact schafft diese Aufgabe in einer etwas abgewandelten Art als Kabelbruchdetektor sogar berührungslos. Eine äußerst nützliche Zusatzausstattung ist auch die Drehfeldanzeige. Der Spannungsprüfer von Conrad besitzt diese Funktion nicht und musste in dieser Disziplin aussetzen, alle anderen Geräte zeigen das Drehfeld mehr oder weniger selbsterklärend an. Einen Ausreißer leistet sich hier das Chauvin Arnoux-Gerät. Nur nach mehrmaligem Durchgehen der Anleitungsschritte war ein richtiges Interpretieren der Drehrichtung zu schaffen. Die gesamte Testmannschaft stand der Frage ratlos gegenüber, ob hier nicht zwei simple LEDs für „Links“ und „Rechts“ ausgereicht hätten.

Weiter auf Seite 4: Das ist der Gesamtsieger.

Alle acht Tools im Überblick gibts hier.

Ein Batterietausch gehört bei jedem Elektrogerät meist zu den unliebsamen Tätigkeiten – besonders bei denen, die staub- und wasserdicht sein müssen. Nach Auswertung aller Kommentare der Tester, hat sich der Combi Check Pro in diesem Punkt als Sieger herauskristallisiert. Der im Prüfspitzenschutz integrierte Batteriefachöffner sorgte für ein Aha-Erlebnis. Das Greenlee-Gerät von Klauke empfiehlt in der Anleitung, nach einem Metallplättchen mit dem Radius von acht und einer Dicke von zwei Millimetern Ausschau zu halten. Für diesen etwas holprig formulierten Hinweis und die leicht zu beschädigende Abdeckung bekamen beide Testgeräte einstimmig den Trostpreis.

Über die Sicherheit eines Spannungsprüfers entscheiden die Bauform und das Material. Die Testsieger sind hier ex aequo die Geräte von Fluke und Weidmüller. Der Combi Check Pro liegt nach Meinung der Abendschüler aufgrund der etwas ungewöhnlich großen Bauform gut und sicher in der Hand. Fluke kann dank des rutschfesten Kunststoffes und der speziell isolierten Messleitung, die Beschädigungen anzeigt, sicherheitstechnisch überzeugen. Auch die Greenlee-Geräte bieten dank des gummierten Griffes Sicherheit. Sicherheitshinweise findet man indes üblicherweise in der Bedienungsanleitung. In diese lies Factory zu guter Letzt auch noch prüfend blicken. Hier teilen sich das Weidmüller Gerätr Combi Check Pro and das Phoenix Contact Gerät Duspol expert den ersten Platz. Übersichtlich, gut strukturiert und verständlich – dem kann nichts hinzugefügt werden.

Gesamtsieger ist ein Amerikaner.

Der T150 VDE von Fluke ist das Gerät mit den meisten Funktionen an Bord. Nicht nur deshalb kristallisierte sich der Spannungsprüfer in beinahe allen Disziplinen als Champion und daher als Gesamtsieger heraus. Bei dem Gerät scheinen Theorie und praktische Erfahrungswerte in eine Form gegossen. Nicht weniger kann Factory aber auch die anderen Geräte empfehlen. Sie alle haben Ihre Vorzüge – allerdings in unterschiedlichen Schwerpunkten. Das bestätigen auch die HTL-Schüler. Trotz aller aufgedeckten Stärken und Schwächen würden sie im Ernstfall auf jedes der getesteten Geräte zurückgreifen und sind sich sicher: Hat man eines der Testgeräte im Falle des Falles parat, steht einem beim Durchgang des Spannungspfades bis zum „Ahhh, geht schon wieder“, nichts mehr im Weg.

Wir möchten uns herzlich bei allen Mitwirkenden der HTL Ottakring/Abendschule Elektrotechnik für Ihre Unterstützung bedanken. War ein toller Test!

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