Intuitiv

Zeigen statt programmieren

Wenn sich Roboter ohne Spezialwissen programmieren lassen, wird eine weitere Akzeptanzhürde fallen. Wie ein Dresdner Startup beweist, dass es für das Programmieren vor Ort keine Experten braucht.

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Wandelbots Roboter Programmierung Start-up Robotik

Wenn es nach Wandelbots geht, soll Programmieren von Robotern nicht länger Expertensache sein.

Wandelbots entwickelt Lösungen, die Industrieautomation intuitiver machen. Das Dresdner Start-up will, dass das Programmieren von Robotern nicht länger Expertensache ist. Gegründet wurde das Unternehmen von sieben wissenschaftlichen Mitarbeitern der Fakultät für Informatik der TU Dresden. Einer von ihnen, Christian Piechnick. Die ursprüngliche Idee stammt von Piechnicks Frau: intelligente Kleidung zur Steuerung von Robotern. Der Grundgedanke blieb erhalten, eine Software und ein handliches Eingabegerät sind das Resultat der 1,5-jährigen Entwicklungsarbeit.

Bewegung wird zu Programmcode

Das Anlernsystem für Roboter, bestehend aus einer Software und einem Eingabegerät, dem Tracepen. Das Funktionsprinzip: Ein Mensch führt einem Roboter mit dem Tracepen direkt am zu bearbeitenden Werkstück den späteren Bewegungsablauf des Roboters vor. Die Sensoren im Tracepen erfassen die Abläufe in Echtzeit und übertragen sie an die Software auf dem iPad, wo sie bearbeitet, gespeichert und zur Steuerung des Roboters genutzt werden. Anschließend erzeugt die App den roboterspezifischen Code und exportiert ihn auf den Controller des Roboters.

Zeitgewinn für bahngeführte Applikationen

Einsatzmöglichkeiten für den Tracepen sieht der Gründer von Wandelbots vor allem für bahngeführte Applikationen wie Schweißen, Entgraten, Kleben oder Sprühen. In ersten Pilotprojekten mit Automobilherstellern konnte das Unternehmen unter Beweis stellen, dass der Wechsel zu einem neuen Prozessschritt unter Verwendung des Tracepens 70-mal schneller gelingt als mit herkömmlicher Programmierung. „Fast 75 Prozent der Kosten für den Einsatz eines Roboters entfielen auf Anpassung oder Neuprogrammierung der Software, um den Roboter einen neuen oder veränderten Prozessschritt ausführen zu lassen“, erläutert Christian Piechnick.

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Herstellerunabhängige Programmierung

Der erlernte Prozessschritt kann auf weitere Roboter anderer Hersteller übertragen werden. Da jeder Roboterhersteller auf seine eigene proprietäre Programmiersprache setzt, ein zusätzlicher Zeitgewinn. Zu den Kunden gehören mittlerweile Industriekonzerne, wie Infineon und Volkswagen. Die Lösung soll auch kleinen und mittelständischen Unternehmen den Einsatz von Robotern einfacher ermöglichen. Auch Unternehmen, die kleine Losgrößen produzieren oder Produktionsprozesse häufig verändern, bieten sich neue Möglichkeiten.

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