Nachgefragt

Wie wird Instandhaltung effizienter gemacht?

Digitale Arbeits-, Termin- und Ressourcenplanung und die mobile Instandhaltung. Andreas Dankl, Geschäftsführer von dankl+partner consulting über zwei Optimierungsansätze in der Instandhaltung, die sich lohnen.

"Mehr Effektivität und Effizienz dank digitaler Ressourcenplanung und mobiler Instandhaltung." Andreas Dankl (dankl+partner consulting  & MCP Deutschland)
 

Asset Management ist für Unternehmen zwar schon seit Jahrzehnten eine wichtige Aufgabe. In den vergangenen Jahren ist aber erheblich Dynamik in das Thema gekommen. Denn durch die Digitalisierung verändern sich nicht nur die zu wartenden Assets dramatisch. Innovative Technologien eröffnen auch zahlreiche neue Möglichkeiten für die Realisierung der Aufgabe. Andreas Dankl (dankl+partner consulting & MCP Deutschland) spricht über zwei Optimierungsansätze: die digitale Arbeits-, Termin- und Ressourcenplanung und die mobile Instandhaltung.

Anm. Redaktion: Das Interview wurde von den SAP-Experten von Orianda durchgeführt. Die Orianda Solutions AG ist ein unabhängiges Schweizer Beratungshaus im SAP-Umfeld.

Herr Dankl, aus Ihrer Sicht als Inhaber und Geschäftsführer einer Strategie- und Prozessberatung: Wo liegt beim Asset Management heute das größte Potenzial?

Andreas Dankl: Unternehmen können mithilfe der neuen digitalen Möglichkeiten die Effektivität und die Effizienz ihres Asset Managements steigern. Mit Blick auf die Effektivität geht es darum, die richtigen Dinge zu tun. Dazu gehören auf jeden Fall eine strategische Anlagenentwicklung, die Etablierung eines Life-Cycle-Costing-Ansatzes und die Definition und Implementierung einer risikobasierten vorausschauenden Instandhaltungsstrategie. Ziel ist, die Substanz der Assets zu erhalten und die Anzahl der Anlagenstörungen und -ausfälle sowie der Reparaturen zu reduzieren. Für mehr Effizienz müssen die Dinge richtig getan werden. Das heißt vor allem, das Personal in der Instandhaltung möglichst ohne Zeitverluste einzusetzen. Prozesse müssen dafür klar definiert, schlank und transparent sein. Industrie-4.0-Lösungen helfen bei beiden Optimierungsansätzen.

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Vor diesem Hintergrund kommt der digitalen Ressourcenplanung eine Schlüsselrolle zu.

Dankl: Absolut – vor allem die Personaleinsatzplanung ist ein Erfolgsfaktor. In unseren Projekten steigen die wertschöpfenden Zeiten dadurch in der Regel um 15 bis 20 Prozent. Voraussetzung ist dabei eine vorausschauende Instandhaltung. Denn durch sie reduziert sich die Menge an ungeplanten Reparaturen und erhöht sich die Anzahl an planbaren Instandhaltungsmaßnahmen. Und erst wenn klar ist, wann welche Leistung ansteht, lassen sich auch die Mitarbeiter entsprechend disponieren. Das hat neben dem Effizienzgewinn noch weitere Vorteile: Sind Leistungen planbar, kann die Schicht- und Wochenendarbeit verringert werden. Das führt nicht nur dazu, dass insgesamt weniger Mitarbeiter beschäftigt werden müssen. Der Arbeitsplatz in der Instandhaltung wird auch attraktiver, was angesichts der Knappheit an Fachkräften sehr relevant ist. Durch die Planung nehmen außerdem Qualität und Sicherheit der Ausführungen zu und die Kosten für Ersatzteile sinken, weil die Beschaffung frühzeitig angestoßen werden kann.

Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn sie eine digitale Ressourcenplanung etablieren wollen?

Dankl: Zunächst einmal: Nur etwa ein Drittel der Unternehmen hat bislang überhaupt eine leistungsfähige Arbeits-, Termin- und Ressourcenplanung. Es gibt also einiges zu tun. Dabei kommt es vordringlich darauf an, ein Commitment im Unternehmen zu schaffen: Management, Produktion und Instandhaltung müssen sich zur Planung bekennen und verbindliche Spielregeln vereinbaren. Dazu zählt zum Beispiel, Prioritätsregeln für Instandsetzungsmaßnahmen oder geplante Termine einzuhalten. Auf Basis des Commitments werden Strukturen, Prozesse und Tools für die Planung definiert und implementiert. Das beginnt bei der Benennung eines Planungsverantwortlichen und endet bei der Einführung einer Lösung wie SAP Multiressource Scheduling (SAP MRS). Wenn nicht bereits vorhanden, sollte parallel auf eine vorausschauende Instandhaltung umgestellt werden. Wichtig bei all dem: Ziel sollte nicht sein, von 0 auf 100 zu springen. Das kann nicht gelingen. Sinnvoller ist es, den Wandel schrittweise zu vollziehen, dabei immer detaillierter zu planen, den Planungsumfang zu erhöhen und zusätzliche Aspekte wie die wegzeitoptimierte Routenplanung zu ergänzen.

Sind mobile Endgeräte ein unverzichtbarer Bestandteil der digitalen Ressourcenplanung?

Dankl: Auch ohne mobile Endgeräte lässt sich schon eine ganze Menge erreichen. Unverzichtbar sind sie also nicht. Aber natürlich: Mit mobilen Endgeräten können Unternehmen noch mehr aus der digitalen Planung herausholen. So lässt sich zum Beispiel der Einsatz der Mitarbeiter während einer Schicht noch besser steuern.

In welchen Bereichen ist der Einsatz von mobilen Endgeräten außerdem sinnvoll?

Dankl: Grundsätzlich ist es so: Smartphones und Tablets, zunehmend aber auch Datenbrillen und sogar Datenhandschuhe sorgen dafür, dass Informationen ohne Medienbruch überall verfügbar sind und Daten direkt erfasst werden können. Prozesse lassen sich dadurch weiter digitalisieren und werden noch schlanker. Effektivität und Effizienz nehmen zu. Insofern ist der Einsatz in allen Bereichen des Asset Managements eine gute Idee. Die Szenarien sind vielfältig, die Effekte ebenso. Auto-ID-Technologien wie QR-Codes, Augmented-Reality-Tags oder Bluetooth Beacons forcieren das zusätzlich. So ist beispielsweise vorstellbar, dass ein Mitarbeiter mit seiner Datenbrille auf eine Anlage blickt, die allein dadurch identifiziert wird. Auf die Brillengläser werden dann je nach Perspektive alle relevanten Informationen zu der Anlage projiziert – es entsteht eine erweiterte Realität. Der Blick durch die Brille genügt dann auch, um sämtliche Arbeitsschritte und die verwendeten Ersatzteile zu dokumentieren.

Das klingt nach einer Vision, die eher in ferner Zukunft Realität wird. Wo stehen die Unternehmen heute?

Machbar ist ein solches Szenario ohne Weiteres auch schon heute. Allerdings ist das an Voraussetzungen wie die Anlagenstrukturierung und -codierung, die Pflege der erforderlichen Stammdaten oder durchgängig definierte Instandhaltungsprozesse gebunden. Ich schätze ausgehend von unseren Optimierungsprojekten, dass maximal 15 Prozent der Unternehmen bereits eine mobile Instandhaltung systematisch eingeführt haben und konsequent nutzen.

Es gibt also einiges zu tun.

Dankl: Richtig. Der Handlungsbedarf ist enorm. Und es führt auch kein Weg an der Mobilisierung der Instandhaltung vorbei. Denn wer die Chancen ungenutzt lässt, wird früher oder später nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Daher sollten Unternehmen zunächst ein bereichsübergreifendes Verständnis für die Notwendigkeit einer mobilen Instandhaltung schaffen und die betroffenen Mitarbeiter einbinden. Wichtig ist dabei, auf bestehende Vorbehalte einzugehen und den Nutzen einer mobilen Lösung klar aufzuzeigen. Das gelingt vor allem dann gut, wenn im Vorfeld ein Austausch mit anderen Unternehmen stattgefunden hat, die bereits Erfahrungen gesammelt haben. Der Einsatz wird so viel greifbarer. Außerdem kommt es darauf an, eine mobile Strategie zu entwickeln, die zu den spezifischen Anforderungen passt. Einfach ein paar Smartphones oder Tablets anzuschaffen, wird kaum zum Erfolg führen.

Zum Abschluss: Haben Sie drei ganz konkrete Tipps für Unternehmen, die ihr Asset Management optimieren wollen?

Dankl: Natürlich ist das letztlich immer eine sehr individuelle Aufgabe. Aber tatsächlich sollten diese drei Punkte immer hilfreich sein:

  • Erstens: Identifizieren Sie Ihre Stärken und Schwächen und arbeiten Sie heraus, wo Potenzial für Optimierungen besteht. Hilfreich ist dafür unser Excellence Radar
  • Zweitens: Beurteilen Sie die verschiedenen Optimierungsansätze, schätzen Sie die Effekte ab und priorisieren Sie die möglichen Maßnahmen: „Was sollte weshalb wann umgesetzt werden?“
  • Drittens: Kommen Sie nach der Identifizierung, Beurteilung und Priorisierung wirklich ins Handeln. Dabei ist es sinnvoll, sich eine überschaubare Aufgabe vorzunehmen – statt direkt den großen Wurf landen zu wollen.

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