Studie

Wie tickt die Jugend zum Thema Technik und Frauen?

Die qualitative Studie zeigt große Vorstellungskraft zur Zukunft der Technik, wenig Interesse, selbst technische Berufe zu ergreifen und Unverständnis, warum sich erwachsene Mädchen in der Technik schwer vorstellen können.

Die Berufsorientierungsmesse Technolution von Cox Orange 2015.

Begleitend zum zweijährig stattfindenden Projekt „Technolution - Frauen in die Technik“ wurde unter 161 Jugendlichen von Unter- und Oberstufen aus unterschiedlichen Schulen eine Statusanalyse gemacht. Als Methode für die qualitative Studie wurde ein interaktives Format mittels Co-Creation im Rahmen eines Open Space gewählt sowie mit Workshops in Schulklassen gearbeitet. Die vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) beauftragte Studie wurde von PGM von Juni bis Oktober 2017 durchgeführt. Handy und PC gehören zum Alltag. Beigebracht haben sich die Fähigkeit zum Umgang damit die Jugendlichen laut eigener Angabe meist selbst, auch YouTube und Freunde spielen hier eine Rolle. Teilweise wurden die Eltern (vor allem Väter) und Lehrkräfte genannt.

Unerreichte Technikstars

Technikstars spiegeln den Zeitgeist wieder: genannt wurden primär Mark Zuckerberg (Facebook), Bill Gates (Microsoft), Larry Page (Google), Jan Koum (WhatsApp), Jack Dorsey (Twitter), Steve Jobs (Apple) oder Elon Musk von Tesla. Auch die YouTuber sind Role Models der 12 – 16 Jährigen und zwar jene von Musikplattformen oder digitalen Spielen wie Minecraft. Technikstars, wie der Erfinder des ersten Flugzeugs oder die erste Frau im Weltall entsprechen nicht mehr der kollektiven, jugendlichen Denke. Lebendige Klischees: Mädchen nannten hier hauptsächlich die Erfinder und Gründer sozialer Netzwerke, Burschen die Entwickler und Gründer von Computerspielen.

Arbeitswelt wird technischer, nur keiner will dort arbeiten

Schlecht bestellt ist es, laut der aktuellen Studienergebnisse, um den österreichischen Nachwuchs in technischen Berufen: nur eine schwindend geringe Menge an Schüler/innen kann sich vorstellen, im Arbeitsbereich ihrer Technikstars zu arbeiten. Zu abgehoben und entfernt erscheint hier eine Berufskarriere. Sie sehen sich selbst nicht als zukünftige Ausnahmeerscheinungen. Erstaunlich, zeigt sich hier doch ein Unterschied zur selbstbewussten Generation Y, die viele Erwachsene derzeit ob ihres forschen Auftretens beschäftigt. Dabei wird durchaus Kreativität an den Tag gelegt, wenn es um die Zukunft der Technik geht. Hier erwarten sich die Jugendlichen fliegende Autos, Roboter, Telepathie, Weltraumreisen zu anderen Planeten, eine bessere Medizin, selbst fahrende Autos, Tier-Synchronsprecher bis zu Essen, das aus dem 3-D-Drucker kommt, oder Schuhe mit integriertem Navi. Neue Berufe wie der Robotermechaniker oder der „Teleportationstester“ könnten entstehen. Künstliche Intelligenz ist selbstverständlich bekannt und die Jugendlichen gehen davon aus, dass auch hier berufliche Zukunftschancen vorhanden sind und der Alltag dadurch weiter vereinfacht wird. Selbst der klassische Beruf einer Lehrkraft werde sich womöglich durch Live-Übertragungen und digitale Unterrichtsstunden verändern, um die Flexibilität der Menschen zu erhöhen. Die gute Nachricht jedoch für die Lehrenden: Die Jugendlichen meinen trotzdem, dass ein persönlicher Kontakt weiter bestehen solle, weil „man sich nicht zu 100% aufs Internet verlassen könne“.

Frauen, in, der, Technik, Technolution © Cox Orange

Schülerinnern und Schüler diskutieren zum Thema Frauen in der Technikbranche.

Digitalisierung hebt Geschlechterunterschiede auf

Die Jugendlichen erkennen, dass Frauen oder Mädchen in technischen Disziplinen benachteiligt werden, was auch von beiden Seiten als ungerecht empfunden wird. Fazit: Die Mädchen von heute sind zum Thema Technik durchaus selbstbewusst und meinen, die Annahme es gäbe geschlechtliche Unterschiede sei unbegründet und unfair; sie trauen sich zu, vieles selbst zu erlernen, und fordern von der älteren Generation mehr Unterstützung. Interessanter Input der Jugendlichen zur Art, wie geschlechterspezifisch mit Technik umgegangen wird: die Befragten meinen, Mädchen sehen sich eher einen Bauplan an, bevor sie zu bauen beginnen und kontrollieren den Bauprozess öfter. Jungen würden jedoch ohne viel Nachdenken einfach zu bauen beginnen. Das könnte auch eine der Antworten sein, warum, offenbar laut anderer Studien, gemischte Teams erfolgreicher seien. Erkennbar ist laut Ergebnissen, dass die Digitalisierung Burschen und Mädchen der Generation Z stark verbindet und auch abgrenzt gegen die Erwachsenenwelt, da spielen Geschlechterunterschiede weniger Rolle. Ein gutes Zeichen.

Begrifflichkeiten

Wenn es um den Begriff und die Diskussion über „Technik“ geht, denken die Jugendlichen primär an physische Gegenstände und Berufe, die körperliche Tätigkeit erfordern und weniger an Berufe oder Bilder in Zusammenhang mit IKT (die ja auch nicht greifbar ist). Denn die Technik als omnipräsenter Begleiter des Zeitalters, in dem die Kinder und Jugendlichen als Generation Z aufwachsen und von dem sie geprägt sind, wird so selbstverständlich wahrgenommen, sodass z.B. Künstliche Intelligenz ein größeres Thema ist als Handwerk im herkömmlichen Sinn. Es dominieren zwar digitale Geräte wie Laptop, Handy oder PC den Alltag der Jugendlichen, aber auch der Begriff „Digitalisierung“ scheint unter den Befragten jedoch nicht durchgedrungen zu sein, zu selbstverständlich ist die Integration dieser technischen Devices ins tägliche Leben. Mehr noch, es wird in manchen Runden nicht einmal mehr das Handy mit Technik assoziiert. Anders beim „Fernseher“, der sehr wohl als technisches Beispiel genannt wird. Auch „Elektronik“ wird mit Technik assoziiert.

„Handwerk“ hat in der Wahrnehmung der jungen Erwachsenen nichts mit Technik zu tun und zum Nachsehen des nach jungen Fachkräften durstenden IKT-Sektors wird auch die IT nicht genannt. Offenbar scheinen hier die „Erwachsenen-Diskussionen“ und deren „wording“ zu abgehoben und abstrakt für den Nachwuchs, der gleichzeitig, wie erwähnt, mit dem plastischen Begriff „Künstliche Intelligenz“ durchaus vertraut scheint. Jugendliche sehen die digitale Zukunft alles in allem positiv, obwohl sie Folgen kritisch hinterfragen. Das vorhandene Wissen und die Informationen zu technischen Entwicklungen und Trends beziehen die Jugendlichen aus sozialen Medien und Foren als primäre Informationsquelle.

Technik, am, Zug © Festo

Kinder und Jugendliche entdecken mittels interaktiven Zugang Technik.

„Talente“- Der Förderschwerpunkt des bmvit

Forscherinnen und Forscher fördern, Nachwuchs gewinnen, Menschen vernetzen, unter diesen Vorzeichen steht der Förderschwerpunkt „Talente“ des Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit). Das bmvit möchte mit gezielten Förderungsmaßnahmen mehr junge Menschen, speziell Mädchen und junge Frauen, für eine Karriere in der österreichischen Forschungslandschaft begeistern. Um das zu erreichen, möchte das bmvit den jungen Menschen und deren Eltern vermitteln, dass Forschende die gefragten ExpertInnen der Innovationsgesellschaft von morgen sind. Als zentrale VermittlerInnen von naturwissenschaftlich-technischen Kompetenzen sind aber auch Lehrkräfte angesprochen. Unternehmen und Forschungseinrichtungen können junge Talente entdecken, fördern und bereits frühzeitig an ihre Organisation binden. Verstärktes Augenmerk muss dabei auf die gezielte Förderung von Mädchen und jungen Frauen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich gelegt werden. Nur die Bereitschaft, ständig neue Lösungen zu entwickeln garantiert zukünftigen Erfolg. Dafür sind Schlüsselkompetenzen erforderlich, die durch experimentelles Lernen gefördert werden.

Folgende Aktivitäten werden gefördert:

  • Praktika für Schülerinnen und Schüler - Vier Wochen Technik und Naturwissenschaft
  • FEMtech Praktika für Studentinnen - Einstieg in die Forschungskarriere

Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie fördert Österreichs Talente in Forschung und Entwicklung. Wer auf Menschen setzt und Forscherinnen und Forscher fördert, hat auf der ganzen Welt die Nase vorne - und schafft ein forschungsfreundliches Klima in Österreich. Denn: Österreichs Innovationskraft steckt in den Talenten des Landes. Das sichert den Standort im internationalen Wettbewerb“, so Rupert Pichler, der für Forschungs- und Technologieförderung im bmvit zuständig ist.