Aufbruchstimmung

Wie sich die Instandhaltung wandeln muss

Dass das Servicegeschäft mittlerweile der Funke zur Umsatzbefeuerung ist, ist klar. Dass manche Unternehmen dabei noch auftreten wie vor 50 Jahren, leider auch. Welchen Wandel die Instandhaltung heute leisten muss.

Mobil und digital: Die Instandhaltung als Working Class Hero und Umsatztreiber wird sich in den kommenden fünf Jahren drastisch ändern und das nicht nur in ihrem Image.

Die Instandhaltung als Working Class Hero. Was John Lennon anno 1970 in seinem Hit noch kritisch meinte, hat das Wiener Start-up Tablet Solutions komplett ins Positive umgedreht: Mit dem Tool WorkHeld hat der Nutzer einen, wie die Wiener ihn gerne nennen, „Master of Maintenance“ in der Hand, der Instandhaltung völlig neu gestalten kann: Mobil, vernetzt und vor allem digital. Für Start-up Gründer Benjamin Schwärzler ein notweniger Schritt, entwickelt sich die Instandhaltung langsam aber stetig zur nicht zu unterschätzenden Umsatzquelle. „Der Anlagenverkauf alleine rentiert sich heutzutage fast nicht mehr“, so Schwärzler. Sein Credo: „Industrieunternehmen werden, nein sie müssen, Service sowie die regelmäßige Wartung von Maschinen als ausschlaggebendes Umsatzpotenzial erkennen und dementsprechend nutzen.“

Dass das einen wunden Punkt bei so manchem Produktionsbetrieb trifft, ist klar. Dennoch bohrt Schwärzler gerne in dieser Wunde. Denn Fakt ist: Der Instandhalter als Einzelkämpfer ist passé. Der Wiener Start-up Gründer warnt zudem vor „Old-School-Praktiken“: „Instandhaltung so wie wir sie heute kennen, wird in fünf Jahren nicht mehr existieren.“ Immer noch würden Instandhalter als Repräsentanten des Unternehmens zum Kunden geschickt und „genau die arbeiten noch, wie vor 50 Jahren.“ Die ganze Welt verändere sich, nur die Instandhaltung steckt immer noch fest, kritisiert der Tablet-Experte. Schwärzler weiß aber auch um die Nöte der Servicetechniker: Denn als Kundenkontakt an der Front sollten sie als erstes Wissen, wenn sich Pläne, Zeichnungen oder Maschinendaten ändern. Dass das nur mit Unterstützung aus dem Back Office gelingt, ist klar. Dass es dafür mobile Lösungen braucht, wohl auch.

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Mobile Lösungen als Tonangeber

Schnell erkannt hat das der Seilbahnhersteller Doppelmayr. Als Pilotkunde war er sofort Feuer und Flamme für die Idee von Tablet Solutions. Das Ziel des Vorarlberger Seilbahnherstellers war klar: Die lästige Zettelwirtschaft auf der Baustelle radikal kürzen. Statt in einem Berg von Papieren und Plänen zu versinken, sollte alles am Tablet geordnet abrufbar, leicht zu finden und untereinander als Info verknüpfbar sein. Nach anfänglichen Tests mit Prototypen, fiel schnell die Entscheidung, die komplette Doppelmayr Montagemannschaft mit Tablets auszustatten und eine individuelle App zu entwickeln. „Montage2Go“ wird seitdem zum Teilen von Informationen von über hundert Monteuren erfolgreich verwendet, auch bei internationalen Skilift-Projekten. Eine weitere App, die „TimeTracker2Go“, hilft wiederum bei der Optimierung der Projekt- und Arbeitszeiten. Die pfiffigen Wiener haben es sich also zur Aufgabe gemacht Techniker von zeit- und energieraubenden Tätigkeiten zu befreien „damit haben sie endlich die Autonomie, um von bisher missachteten Potenzialen für zusätzliche Services Gebrauch zu machen“, so Schwärzler.

Auch interessant: Als Schwärzler Tablet Solutions 2015 gegründet hat, wurden sie schnell Teil eines exklusiven österreichischen Industriekonsortiums, das unter der Leitung von Profactor einen beachtlichen vier Millionen Euro Zuschlag für das Leitprojekt „Produktion der Zukunft“ bekam. Der edle Zirkel aus 24 Firmen hat auch Großes vor: Im Rahmen des Projekts sollen Methoden zur sinnvollen Produktionsoptimierung erforscht werden. Das Projekt hat, so Schwärzler, einen absolut realen Konnex zur Zukunft der Industrie: „Nur wenn wir zum Vorreiter der Digitalisierung werden, lässt sich der Industriestandort Österreich halten.“

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