Einkaufsstrategie

Wie Maschinenbauer heute Werkzeuge kaufen

Gerade beim Einkauf von Werkzeugen haben heimische Maschinenbauer ihren ganz eigenen Fahrplan. Dass da der Preis längst nicht mehr an erster Stelle steht, ist klar. Dass es dafür aber neue Forderungen an die Anbieter gibt, wohl auch.

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Preisdrucker versus Verfügbarkeitspromoter: Shopping-Allüren: Für Maschinenbauer ist heute ihre Kaufentscheidung bei Werkzeugen keine einsame, sondern eine bewusst teamorientierter Vorgang.

Einen wirklich passenden Einkauf von Werkzeugen bewältigt die Werkzeugbranche mit einem sehr auf Optimum bedachten Zugang. Qualität ist dabei das wichtigste Kriterium, wie Stefan Hansch, CEO des Salzburger Maschinenbauers Emco, betont: „Grundsätzlich achten wir darauf, auf unsere Maschinen abgestimmte Werkzeuge in der optimalen Qualität zuzukaufen.“ Und eine Kaufentscheidung ist für ihn jedenfalls keine einsame, sondern eine bewusst teamorientierte: „Das optimale Werkzeug wird in Abstimmung mit dem Produktmanagement, der Technik, dem Einkauf und der Anwendungstechnik definiert und bei einem qualifizierten Lieferanten zugekauft.“ Selbstverständlich wird - siehe Optimieren! - nicht nur einer oder eine Gruppe von Lieferanten bevorzugt, Breite sorgt da für qualitatives Angebot, meint Stefan Hansch: „Wir haben mit allen namhaften Werkzeugherstellern entsprechende Vereinbarungen.“

Verfügbarkeit als entscheidender Hebel

Womit kann die angepeilte Qualität schon beim Einkauf von Werkzeugen erreicht werden? Markus Stecher, ERP-Spezialist und Managing Director kcs.net, erläutert die Zusammenhänge in der Kette der Produktion: „Eine hohe Werkzeugverfügbarkeit ist ein entscheidender Hebel in einer Gesamtkostenbetrachtung des Werkzeugs, die der Werkzeugbau direkt beeinflusst.“ Und die wird natürlich von den eingekauften Werkzeugen bedingt, die für die Produktion verwendet werden. Stecher, Experte für Warenwirtschaftssysteme,  begründet seine These mit Argumenten wie Kosten, Zeit und Strategie: „Wenn heute von Wettbewerbsfähigkeit im Werkzeug- und Formenbau gesprochen wird, steht dies synonym mit Verkürzen der Durchlaufzeit, Reduzieren der Herstellkosten, strategischer Ausrichtung des Unternehmens.“ Dass da bei jeder Entscheidung der Preis mitzählt, ist keine Frage, aber ist er wirklich entscheidend?

Stefan, Hansch © Emco/Florian Stuerzenbaum

„Gerade für Großprojekte mit entsprechender Werkzeugvielfalt gibt es zu wenige Anbieter, die es sich zutrauen, das gesamte Projekt mit Werkzeugen auszustatten.“ Stefan Hansch, CEO Emco Gruppe

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Preisrelevanz nimmt ab

Stefan Hansch antwortet direkt auf die Frage nach der Relevanz des Preises für den Zuschlag für ein Werkzeug: „Der Preis ist dabei nur ein Faktor, nicht zwangsläufig der entscheidende.“ Was für ihn aber das Wichtigste im Entscheidungsprozess ist, das hat mehr mit Funktionalität als mit Kosten zu tun: „Wenn Emco die Definition des zu verwendenden Werkzeuges übertragen bekommt, so gilt es, das qualitativ und anwendungstechnisch optimale Werkzeug festzulegen.“ Dahinter steht aber eine breit gefächerte Know-how-Expertise, in die auch vom Einkauf und seiner Strategie mitbestimmt ist: „Auf Grund der langjährigen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit qualifizierten Lieferanten können wir unseren Kunden das aus unserer Sicht jeweils bestmögliche Werkzeug für seinen Anwendungsfall empfehlen“, erläutert Hansch.

Wunsch nach Gesamtverantwortung

In der Digitalen Fabrik hat Einkauf also eine strategische Bedeutung: „Das Internet der Dinge bietet dem Einkauf enorme Chancen. Er kann als zentrale Schnittstelle zu internen und externen Partnern in der Wertschöpfungskette Industrie 4.0 den Weg ebnen“, so zitiert Michael Henke, Institutsleiter des Fraunhofer IML aus der aktuellen Studie „Digitalisierung des Einkaufs“ des IML. Dass da gerade in der Werkzeugbranche nicht alle Weichen in diese Richtung auf freie Fahrt stehen, begründet Emco-Chef Stefan Hansch mit seiner Praxiserfahrung: „Gerade für Großprojekte mit entsprechender Werkzeugvielfalt gibt es zu wenige Anbieter, die es sich zutrauen, das gesamte Projekt mit Werkzeugen auszustatten.“  Oft fehlt es hier auch am Überblick: „Dies wird vor allem schwierig, wenn das Projekt Werkzeuge für Anwendungen enthält, für die der Lieferant Werkzeuge zukaufen muss, die er selbst nicht im Programm hat.“ Und Hansch erklärt das Dilemma weiter: „In diesem Fall soll der Lieferant sowohl für seine eigenen Werkzeuge, als auch für die zugekauften und an Emco gelieferten Werkzeuge die Verantwortung übernehmen und die damit verbundene Werkstückabnahme beim Kunden garantieren.“

Werner, Pommer © Weingärtner Maschinenbau

„Unsere Geschäfte mit Werkzeuglieferanten gehen weit über die gewönhliche Einkaufsbeziehung hinaus.“ Werner Pommer, Technik und Vertrieb Weingärtner Maschinenbau

Teamwork ausschlaggebend für Weingärtner Maschinenbau

Team hilft viel - aber, ist das die Lösung für den Einkauf? Weingärtner Maschinenbau zum Beispiel nutzte den Auftrag eines US Energiekonzerns für sein bis dato größtes Bearbeitungszentrum mpmc 2000S für Turbinenwellen bis 60 Tonnen zu einer Partnerschaft mit Ceratizit. Nach zwei Evaluierungen mit Frästests und Probewerkzeugbau wurde von Weingärtner aus sechs potenziellen Lieferanten Ceratizit als Partner für die Entwicklung des Werkzeugkonzeptes und die Lieferung der Werkzeuge ausgewählt. Werner Pommer, Technik und Vertrieb Weingärtner Maschinenbau, ist von der Partnerschaft, die weit über eine „Einkaufsbeziehung“ hinausgeht, voll zufrieden: „Natürlich sind wir ein bisschen stolz, dass wir den Kunden weltweit zeigen können, dass wir gemeinsam stark sind.“ Teamwork über den Einkauf wird aber mehr als das, meint Pommer: „Es gibt weitere herausfordernde Projekte, die nach Lösungen suchen.“  Erfolgreicher Einkauf als Schnittstelle zu Wertschöpfung? Ja natürlich, ganz im Sinne von Einkauf 4.0.

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