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Wie man bei ZKW mit der Krise umgeht

ZKW ist einer der größten Arbeitgeber im Mostviertel. Seit Beginn der Corona-Krise versucht man proaktiv Maßnahmen zu setzen. Wie der Automobilzulieferer die Krise erlebt.

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„Durch aktives Management unserer Supply Chain ist es gelungen, bis dato Lieferengpässe erfolgreich aufzulösen. Aufgrund der globalen Lieferantenstruktur ist und bleibt die Sicherstellung der Materialversorgung eine große Herausforderung.“ Oliver Schubert, CEO ZKW Group

FACTORY: Die Automobilindustrie steigt auf die Bremse: Wie macht sich diese Entwicklung bei ZKW bemerkbar und wie reagiert man bei ZKW auf diese Entwicklungen?

Oliver Schubert: Um das Ansteckungsrisiko mit Covid-19 zu minimieren, haben wir sehr rasch reagiert. Weltweit wurden für die ZKW notwendige Schutzmaßnahmen definiert und umgesetzt. Für seine internationalen Standorte hat ZKW eine zentrale Koordinationsstelle eingerichtet, die in engem Kontakt mit lokalen Gesundheitsbehörden, Fachfirmen und Arbeitsmedizinern steht. In Abstimmung mit allen Werken weltweit besprechen wir in unseren Taskforces täglich die Lage, tauschen Lösungsansätze aus und definieren erforderliche Maßnahmen. Wir nehmen die Situation sehr ernst und beobachten täglich die aktuellen Veränderungen, um zeitnah bestmöglich reagieren zu können. Panik und Angst sind immer ein schlechter Begleiter. Wir versuchen daher, stets einen kühlen Kopf zu bewahren.

FACTORY: Wie nehmen Sie die Lage aus Kundensicht wahr?

Schubert: Wahrscheinlich wird die Mehrzahl unserer Kunden erst Ende April oder Anfang Mai wieder beginnen zu produzieren. Als ZKW trifft uns die Stilllegung der Produktion der europäischen und nordamerikanischen Automobilhersteller besonders. Obwohl unsere Kunden ihre Produktion stillgelegt haben, laufen Projekte und Produktentwicklungen weiter.

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FACTORY: Wie macht sich die Krise international bemerkbar?

Schubert: Die wirtschaftlichen Comebacks sind länderspezifisch, die Regierungen agieren hier sehr unterschiedlich. Das bedeutet für unsere Kunden und uns als weltweit präsenter Partner der Automobilindustrie, dass das rasche wirtschaftliche Comeback, das sich alle wünschen, nur länderspezifisch abgestimmt realisiert werden kann. Auch wir arbeiten an einem Plan, wie wir unter besten Schutzmaßnahmen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder durchstarten können.

FACTORY: Wie steht es um die Produktion an den einzelnen Standorten?

Schubert: Jene Fertigungsprojekte, für die dringende Lieferverpflichtungen bestehen, führt ZKW unter besonderer Rücksichtnahme auf gesundheitliche und arbeitsrechtliche Vorkehrungen weiter. In Europa bereiten wir uns auf einen Wiederanlauf der Produktion vor. An den zwei chinesischen Standorten Dalian und Ningbo wurde der Betrieb mit Anfang Februar wieder aufgenommen. Unser Entwicklungsbüro in Incheon (Südkorea) unterstützt erfolgreich die internationalen Entwicklungsprojekte und arbeitet unter Berücksichtigung der eingeleiteten Schutzmaßnahmen. Wir sind im täglichen Austausch mit unseren internationalen Standorten. Hier können wir natürlich von Best Practices für die anderen internationalen Standorte lernen – vor allem für die unterschiedlichen Phasen des Krisenmanagements.

FACTORY: Welche Maßnahmen sind für Sie in dieser Krise besonders wichtig?

Schubert: Jetzt gilt es eine bestmögliche Balance zu schaffen zwischen Cash Management und der Vorbereitung von erforderlichen Innovationen. Ebenso ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, die Lieferketten auf den anstehenden Hochlauf vorzubereiten.

FACTORY: Kommt bei ZKW das Kurzarbeitsmodell zum Einsatz und welche Meinung haben Sie dazu?

Schubert: Das Kurzarbeitsmodell ist ein sehr sinnvolles Instrument, um Kündigungen zu vermeiden, sodass wir die Belegschaft wieder zur Verfügung haben, wenn die Produktion wieder hochgefahren werden kann. ZKW wird das Instrument der Corona-Kurzarbeit am Standort Wieselburg und am Standort Wiener Neustadt nutzen, um bestmöglich Arbeitsplätze für die Zukunft zu sichern und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

FACTORY: Machen sich bei ZKW Engpässe oder Lieferverzögerungen bemerkbar?

Schubert: Durch aktives Management unserer Supply Chain ist es gelungen, bis dato Lieferengpässe erfolgreich aufzulösen. Aufgrund der globalen Lieferantenstruktur ist und bleibt die Sicherstellung der Materialversorgung eine große Herausforderung. Wir evaluieren täglich, wie sich die ständig ändernden Rahmenbedingungen auf unsere Lieferanten auswirken.

FACTORY: Im Dezember 2019 wurde der neue Standort in Korea und die Übernahme eines Produktionsstandorts in China von LG bekannt gegeben. Wie hat ZKW die Krise vorab in Asien miterlebt?

Schubert: Wir sind im täglichen Austausch mit unseren internationalen Standorten in Asien und im täglichen Dialog mit unserem Eigentümer LG in Südkorea. Hier können wir natürlich von Best Practices für die anderen internationalen Standorte lernen – vor allem für die unterschiedlichen Phasen des Krisenmanagements.

FACTORY: Eine Einschätzung: Wie wird die Corona-Krise die produzierende Industrie verändern?

Schubert: Leider haben auch wir keine Glaskugel, um die Zukunft vorherzusehen. Fakt ist, der Automobilmarkt hat sich bereits vor der Corona-Krise abgekühlt. Die COVID-19 hat den Markt nur noch stärker einbrechen lassen. Wie intensiv das die unterschiedlichen Zulieferbetriebe betrifft, hängt von deren Kunden- und Produktmix ab. Lichtblicke erleben wir hier in China, wo sich die Märkte bereits beginnen wieder zu regenerieren. Wir hoffen, dass so wie die Prognosen vieler Institute zeigen, die Talsohle mit 2020 durchschritten ist und ab 2021 sich schon wieder höhere Absatzzahlen weltweit ergeben könnten. Bis das hohe Niveau von 2017 wieder erreicht wird, kann es einige Jahre dauern.

Danke für das Interview!