Smart Factory

Wie Losgröße 1 in der Schokoladenfabrik funktioniert

Für Lebensmittelproduzenten kann das Thema individuelle Produkte und Losgröße 1 ganz besondere Ausprägungen annehmen. Dabei geht es nicht nur um das maßgeschneiderte Produkt, sondern auch um den Produktionsprozess. Ein zuckersüßes Beispiel für hochflexible Produktion und effizientes Engineering findet sich in Amsterdam. 

Siemens Losgröße 1 Schokolade Automatisierung Lebensmittelindustrie

Tony und die Schokoladenfabrik

In Amsterdam treffen in Tony’s Chocolonely Super Store Industrie 4.0 Fans und Schokoliebhaber auf eine Hightech Schokofabrik. Hinter der „süßen Fassade“ bei Tony’s findet sich die Idee einer hochflexiblen Produktion in Losgröße 1 wieder. Wer den Laden in Amsterdam betritt, findet sich in einer Welt der Schokolade wieder. Hier gibt es nicht nur erlesene Sorten der wohlschmeckenden Süßigkeit, sondern auch Zeitschriften und Bücher zum Thema. Man spürt, dass die Betreiber ein Herz für Schokolade haben. Mehr noch. Ihnen ist auch eine nachhaltige und faire Rohstoffgewinnung sehr wichtig, was man bei Tony’s zu 100 Prozent sicherstellen möchte. Kunden, die hier einkaufen, sollen idealerweise nicht nur die Schokolade teilen oder verschenken, sondern die dahinterstehende Story ebenso. Dazu hat Tony’s sich eine Marketing-Idee der besonderen Art einfallen lassen - die Tony’s Unlimited, eine Maschine zur Herstellung individualisierbarer Schokoladentafeln. Die Steuerung übernimmt eine Simatic S7-1200 von Siemens. Die Bedienung der Automatisierung erfolgt bequem über mehrere Simatic HMI Comfort Panel Pro.

Automatisierung im Schaufenster

Eine vollautomatische Schokoladenmaschine, die Tony’s Unlimited, steht im Schaufenster des Geschäfts. Via Tablet können Kunden Bestellungen an die Maschine schicken und 40 Minuten später ihre selbst zusammengestellte Schokolade in den Händen halten. Der Kunde weiß jederzeit genau, wo sich welche Schokoladentafel im Produktionsprozess befindet. Der Namensteil „Unlimited“ rührt daher, dass die Kunden aus insgesamt 20 Zutaten frei wählen und ihre Packung konfigurieren dürfen. Die Steuerung der Tony’s Unlimited erfolgt über eine Technologie aus dem Simatic-Portfolio von Siemens. Damit ist nicht nur eine serielle, hochflexible Produktion in Losgröße 1, sondern auch ein effizientes Engineering und eine komfortable Bedienung der Anlage möglich.

Die Maschine des Maschinenherstellers Hacos produziert nicht nur individualisierbare Schokolade. Sie verpackt sie auch in sogenannte Zwei-in-Eins-Verpackungen: Eine Tafel ist für den Käufer selbst, die zweite soll er verschenken und dabei die Philosophie des Geschäfts weitergeben. Das Herz der Anlage ist ein Simatic S7-1200 Basic Controller, der die Rezepte basierend auf der jeweiligen Bestellung empfängt und diese Daten samt aktuellen Status an die RFID (Radio Frequency Identification)-Tags der Formen weitergibt. Eine Simatic-Steuerung stellt dann die jeweils aktuellen Daten wie beispielsweise den Produktionsstand zur Verfügung und überwacht den Abkühlprozess. 

White Paper zum Thema

Ist die Tafel fertig zum Verpacken, sendet die Simatic ein Signal an das Store-System. Die Bedienung der komplexen wie kompakten Automatisierung erfolgt über vorkonfigurierte und sofort einsatzbereite mehrere Simatic HMI (Human Machine Interface) Comfort Panel Pro. Das Engineering ist mit dem Engineering- Framework TIA Portal besonders einfach.

Schnelle Reaktionszeit in der Produktion mit 24-Stunden Betrieb

Die Anforderungen an die Tony’s Unlimited und den dahinter liegenden Prozess waren vielfältig. Die im hinteren Teil des Geschäfts liegende Schmelz-Linie inklusive Abkühlung ist von den Kunden einsehbar und muss nicht nur optisch ansprechend, sondern auch möglichst kompakt sein. Das gilt auch für die Automatisierungs-, Steuerungs- und Visualisierungs-Komponenten. Eine der Herausforderungen bestand darin, die Produktionsanlage inklusive Abkühlung auf 20 Quadratmetern im hinteren Bereich des Ladengeschäfts unterzubringen.

Zudem muss die Linie in der Lage sein, hochflexibel nach individuellen Kundenwünschen und binnen kurzer Zeit zu produzieren. Die Automatisierung erfasst jede Bestellung und stellt sicher, dass der Anwender weiß, wo sich welche Schokoladen-Tafel befindet. Da die Anlage zudem in ein speziell für Tony’s entwickeltes Bestell-, Nachverfolgung- und Checkout-System integriert ist, verfügt die Siemens-Automatisierungstechnik über offene Schnittstellen für eine nahtlose Integration und Echtzeit-Datenübertragung. 

Letztendlich ist es Hacos gelungen, eine Anlage für die serielle Produktion von Mengen in Batch Size One (Losgröße 1) zu realisieren, die 24 Stunden am Tag in Betrieb sein kann. Die Simatic sichert einen zuverlässigen Datentransfer und die Comfort Panels ermöglichen eine einfache und benutzerfreundliche Bedienung.

Wer schon immer davon geträumt hat, einmal das goldene Ticket für die utopische Schokoladenfabrik von Willy Wonka zu ergattern, wird sich im Amsterdamer Tony’s Chocolonely Super Store wohlfühlen und in Nostalgie schwelgen. Für Naschkatzen als auch für Smart Factory-Fans: hier ist für jeden etwas dabei. Auch die Verpackung der Schokolade erinnert an den Kult-Film. Kunterbunte Schoko-Blöcke stapeln sich auf den noch bunteren Theken. Kein Wunder, dass der Produzent seine Kakao-Leckereien auch im Doppelpack verkauft. Sie sind ein echter Hingucker und eignen sich wunderbar als Mitbringsel vom Venedig des Nordens. Die Schokoladentafeln sind ungleichmäßig verteilt - das soll die ungleichmäßige Einkommensverteilung in der Schokoladenindustrie symbolisieren. All diese Aspekte dürfte den Kunden mindestens genauso begeistern wie die High-Tech-Fabrik selbst. Denn das Auge isst schließlich mit. Mittlerweile läuft das Business für den Niederländischen Schokoladenhersteller so gut, dass er sein Geschäft ausweiten und 2015 sein erstes Büro in den Vereinigten Staaten eröffnen konnte.

https://www.youtube.com/watch?v=qI_xUt5CNCM