Lagerwirtschaft

Wie Fraunhofer Lagerkosten senkt

Eine innovative Lagerplanung und Bewirtschaftung steigert die Wettbewerbsfähigkeit. Wie eine kleine Box beim Kostensparen helfen kann, erklärt Martin Riester, Gruppenleiter Logistiksysteme und Transport bei Fraunhofer Austria.

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Wenn vereinbarte Liefertermine nicht eingehalten werden können, wenn es beim Wareneingang oder Warenausgang staut und Leistungsversprechen gegenüber dem Kunden notleidend werden, dann spätestens gibt es im Lagerbereich ein Problem und einen dringenden Handlungsbedarf, so Martin Riester, Gruppenleiter Logistiksysteme und Transport bei Fraunhofer Austria gegenüber FACTORY. Lager sind weit mehr als ausschließlich Aufbewahrungsorte für Produkte, sie sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Je kürzer die Lieferzeiten und je später der dem Kunden zugesicherte Bestellzeitpunkt, desto wichtiger ist die Verfügbarkeit und eine kurze Bereitstellungsdauer der Waren im Hintergrund. Riester: „Moderne Distributionszentren sind ein Schlüsselelement zur Erfüllung der Kundenanforderungen und Steigerung der Kundenzufriedenheit.“

Abgestimmte Prozesse, das A und O

Wenn die anfangs erwähnten Defizite zutreffen, dann können die Ursachen vielfältig sein. Aber häufig sind physische Prozesse, eingesetzte technische Lösungen sowie Planungs- und Steuerungsmechanismen nicht auf die Produkte und die Auftragsstruktur abgestimmt. Häufig ist dies auf gewachsenen Strukturen und punktuelle Lösungen zurückzuführen. Wenn aufgrund dieser Unzulänglichkeiten die Durchsatzleistung leidet oder zu hohe Bestandswerte auftreten, dann sollten die Lagerverantwortlichen reagieren, besser wäre freilich schon früher die Möglichkeit zum Agieren zu haben. Effiziente Lagerbewirtschaftung beginnt bei der Wahl und dem Monitoring der passenden Kennzahlen. Zuverlässige Kennzahlen wie Lagerfüllgrad, Pickleistung, Raumnutzungsgrad, Flächennutzungsgrad, Pickdichte, Fehlerquote, Produktverfügbarkeit, Arbeitszeit oder Gesamtmenge, um nur einige Beispiele zu nennen, sind im Lagermanagement unerlässlich. 

Die Basis für die Kennzahlengenerierung und auch für die Durchführung von Optimierungsprojekten bilden die vorhandenen Daten. „Von Beginn an ist darauf zu achten, dass die Daten über einen ausreichend großen Beobachtungszeitraum in ausreichend zuverlässiger Qualität aufgezeichnet werden“, so Riester. Er spricht von „sauberen“ Buchungen und guten Stammdaten. Bei der Stammdatenerfassung sollten, wenn möglich, nur Zahlenwerte erfasst werden, Nullwerte sind tabu.

Lagerkosten im Griff

Bei Optimierungsprojekten sind alle Bereiche des Lagers auf den Prüfstand zu stellen: Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Versand inklusive Schnittstellen-Koordination mit der Transportabteilung, IT und Materialwirtschaft. Kostentreiber im Lagerbereich gibt es zahlreiche. Am besten in den Griff bekommen kann man sie, wenn man Investitions- und Betriebskosten genau betrachtet. Investitionsseitig kommt es auf die richtige Auswahl der Lagertechnik an, auf den Grad der Flächennutzung, Raumnutzung, Instandhaltungskosten. Losgrößen und Verpackungsaufwand, Kommissionier-Prinzipien und Auftragsteuerung sind weitere Bereiche beim Lagermanagement, die betriebskostenseitig Auswirkungen haben. Riester: „Einer der größten Kostentreiber ist die Kommissionierung, sie macht bis zu 55 Prozent der operativen Lagerkosten aus“. Beim Kommissionieren könne man zudem oft viel mehr herausholen: intelligente Warenlegung, Multi-Order-Picking, kluge Wegführung sind einige Punkte, auf die es ankommt. 50 Prozent der manuellen Kommissionierleistung entfällt in der Regel auf die Wegzeit. Dazu kommen Personalkosten für schwer automatisierbare Prozesse wie Wareneingangskontrolle, Paletten-Zerlegung etc.

Effizienteste Bewirtschaftungsart

Automatisierte Lagerlösungen werden unter anderem präferiert, wenn Flächen teuer und Personal schwer verfügbar ist. Beim Plan zur Automatisierung sollte im Vorfeld folgende Frage beantwortet werden: Wird das Lager rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres bewirtschaftet oder nur während einer Tagesschicht von acht Stunden? Je stabiler die Produktvielfalt und die Auftragsabwicklung und Zugriff auf das Lager im 24-Stunden-Betrieb, desto mehr eignet sich ein Lager für eine Vollautomatisierung. Für einen acht-Stunden-Bedarf eignet sich eine Vollautomatisierung häufig nicht, so Riester. Des Weiteren muss die Eignung des Lagerguts für eine automatisierte Lagerung geprüft werden.

Schwachstellen aufspüren

Die Rationalisierungspotenziale im Lager sind ebenso vielfältig: Intelligentes Verpackungs-Design und clevere Losgrößen-Gestaltung sowie intelligente Zuteilung von Produkten zur Lagertechnik helfen die Kosten im Griff zu haben. Um die Schwachstellen aufzuspüren braucht es eine akribische Analyse durch Logistikexperten um die Forschung auf die Praxis zu übertragen. Nicht selten beobachten die Fraunhofer-Experten wenn sie in Unternehmen gerufen werden eine fragmentierte und lückenhafte Datenlage. Viele Daten werden gesammelt, jedoch in dem meisten Fällen unstrukturiert und nur bedingt weiterverarbeitungsfähig. Aufgrund dieser Tatsache hat Fraunhofer unterschiedliche Tools für die Datenerhebung und -verarbeitung entwickelt. Bei der Analyse von Transporten beispielsweise wird häufig die von Fraunhofer entwickelte „Duck-Box“ verwendet. Für die Zusammenführung verteilter Daten und die Verarbeitung von großen Datenmengen kommt der „Data Squid“ zum Einsatz. Die mathematische Optimierung der Produktanordnung im Lager wird mithilfe des „Warehouse Cuckoo“ durchgeführt und die Analyse der Bestände übernimmt das Tool „Inventory Dragon“. Mit diesen Werkzeugen arbeiten die Fraunhofer-Experten wenn sie gerufen werden.

Duck, Box © Fraunhofer Austria