Arbeitskräftemangel

Wie die Generation Z für technische Berufe begeistert werden kann

Die Industrie braucht dringend Spezialisten – am besten junge. Wie können Betriebe neue Generationen von neuen Technologien überzeugen?

Der Generation Z werden überwiegend diejenigen zugerechnet, die zwischen 1995 bis 2010 zur Welt gekommen sind.

Fachkräfte sind vor allem im MINT-Bereich schwer zu finden. Laut einer DIHK-Arbeitsmarktreports 2019 sind vor allem die Industrie- und Baubranche vom Fachkräftemangel betroffen. 53% gaben an, dass gewisse Stellen längerfristig nicht besetzt werden können, weil die passenden Arbeitskräfte fehlen. Das führt oft dazu, dass teilweise unterqualifizierte Personen für gewisse Positionen eingesetzt werden.

Die Industriellenvereinigung geht davon aus, dass die Industrie alleine rund 60.000 Spezialisten benötige, wobei 10.500 dieser Stellen voraussichtlich gar nicht besetzt werden können. Ein weiteres Problem stellt die zunehmende Automatisierung dar. Viele befürchten, dass sie ohnehin in absehbarer Zeit von einem Roboter ersetzt werden. Und ganz unbegründet sind diese Sorgen nicht: Die Studie „Advanced Robotics in the Factory of the Future“ der Strategieberatung Boston Consulting Group zeigt, dass deutsche Industrieunternehmen vor allem die Chancen der neuen Technologie sehen. Insgesamt gehen die BCG-Berechnungen von einem Wegfall von bis zu 300.000 Stellen in Deutschland bis 2025 aus. Und auch die Anforderungen ändern sich: Künftig braucht es zunehmend digitale Talente, die nicht nur programmieren, sondern ganzheitlich denken und Projekte interdisziplinär umsetzen können. Die Bitkom hat über 550 Industriebetriebe befragt, 94 Prozent sehen in der Industrie 4.0 die Voraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Bei fast drei Viertel der deutschen Industrieunternehmen werden im Zuge von Industrie 4.0 nicht nur einzelne Abläufe oder Prozesse verändert, sondern ganze Geschäftsmodelle. Der Arbeitskräftemangel zählt für 58% zu den großen Hemmnissen. Wie können Digital Natives und die Generation Z dafür motiviert werden, in einem technischen Beruf Fuß zu fassen?

Digitale Experten von morgen

Niederösterreich ist ab sofort um einen Studiengang reicher: Das neue Fach „Design digitaler Systeme - IoT“ an der privaten New Design University in St. Pölten kombiniert Design und Kreativität mit neuen Technologien. Absolventen hätten sowohl technisches Verständnis, gestalterische Kompetenzen sowie wirtschaftliches Denken. Informatik, Mechatronik und Mathematik sowie Design Research, Interface-und User Experience Design werden den angehenden digitalen Experten von morgen vermittelt. „Es fokussiert auf die transdisziplinäre und nutzerorientierte Verbindung von Technologie, Design und Wirtschaft und richtet sich an junge Menschen, die den technologischen und gesellschaftlichen Wandel aus der Perspektive des Designs aktiv und verantwortungsbewusst mitgestalten wollen“, erklärt Herbert Grüner, Rektor und Geschäftsführer der New Design University. Der Mensch soll dabei immer im Mittelpunkt stehen.

White Paper zum Thema

Kreativität gekoppelt mit Technik

Studiengangleiter Florian Güldenpfennig wurde 2018 als Universitätsprofessor an die NDU berufen, zuvor war er an der TU Wien tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen seit einem Jahrzehnt in den Bereichen Interaktionsdesign und Human-Computer-Interaction. Zu einem seiner Forschungsprojekte zählt das „Magic Paradigm“.

https://www.youtube.com/watch?v=UbnWZnnIPfw&feature=youtu.be

Er stellt sich die Frage: Wie können Benutzer mit einem interaktiven Zauberstab – ganz ohne Computer – einfache vernetzte Systeme und IoT-Projekte selber programmieren? Das Forschungsprojekt, im Bereich der „Tangible User Interfaces“ angesiedelt, ist darauf ausgerichtet, die IoT-Technologie zu demokratisieren und die User auf eine lockere, spielerische Weise mit den neuesten technologischen Entwicklungen in Kontakt zu bringen. „Der Studiengang Design Digitaler Systeme – IoT verbindet, worauf es morgen ankommt: smarte Technologien, Verständnis für Design und Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Menschen. Seinen Studierenden ermöglicht er dadurch, an der Speerspitze der technologischen Innovationen aber auch der gesellschaftlichen Entwicklungen dabei zu sein und die ‚Welt von Morgen’ reflektiert, rücksichtsvoll und mit Bedacht mitzugestalten“, so Güldenpfennig.

Positives Feedback aus der Wirtschaft

Industriebetriebe begrüßen den neuen Studiengang. So meint etwa Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0 Österreich „Industrie 4.0 und IoT sind branchenunabhängig und verbinden Wissen aus unterschiedlichen Bereichen. Dazu ist ein interdisziplinäres Denken und Arbeiten unabdingbar. Dies zu fördern und junge Menschen für technische Berufe zu begeistern, beispielsweise über unser Projekt ‚Digital Pioneers‘, ist auch das Ziel der Plattform Industrie 4.0 Österreich. Die Nachfrage nach exzellent ausgebildeten jungen Menschen in diesem Bereich steigt stetig. Entsprechend freue ich mich, dass die NDU diesen neuen Studiengang, der sich mit dem Design digitaler Systeme beschäftigt, aufgesetzt hat und wünsche viel Erfolg für dieses Bachelorstudium.“

Auch Karl Lang, Senior HR Director CEE bei Siemens ist überzeugt von der neuen Ausbildungs-Möglichkeit: „Arbeiten 4.0 ist vernetzter, digitaler und flexibler: Vollelektronisch gesteuerte Produktionsabläufe und Geschäftsprozesse, transkontinentale Vernetzung über soziale Medien, mobile Endgeräte zur Analyse großer Datenmengen aus allen Lebensbereichen ("Big Data") – all das sind Entwicklungen, die zeigen, dass der technologische Wandel vielschichtig in vollem Gange ist. Umso bedeutender ist es, hierfür adäquate Studiengänge bereitzustellen, die es Studierenden ermöglichen, sich optimal auf diese Tätigkeitsfelder vorzubereiten. Davon profitieren sowohl die Studierenden als auch die Arbeitgeber. Die NDU liefert dafür einen wichtigen Beitrag – und sichert so ihrer beider Zukunft.“

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