Die Faszination für Produktion begleitet Prof. Dr. Syska sein gesamtes Berufsleben. Nach Maschinenbaustudium und Promotion an der RWTH Aachen war er bei der Robert Bosch GmbH tätig, zuletzt als Produktionsleiter. Gegenwärtig ist er Professor für Produktionsmanagement an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach und gibt seinen Studenten und Industriepartnern ein größtmögliches Stück dieser Faszination weiter.

Bildung

Was läuft verkehrt im Bildungssystem?

Die Kritik am Ausbildungssystem ist berechtigt: Schüler, Auszubildende und Studenten würden nicht für auf die Zukunft vorbereitet, sondern immer noch auf eine Wirtschaft, die es bald nicht mehr geben wird. Das Problem: Die Wirtschaft von morgen kennt keiner. Und was man nicht kennt, kann auch nicht gelehrt werden.

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Derzeit richten wir Menschen zu Bedienern von Digital-Maschinen ab. Wir nennen es Bildung und verschmutzen somit diesen Begriff. In Bildung und Wirtschaft werden Menschen dazu erzogen, Aufgaben anhand von Musterlösungen zu bearbeiten. Und das in einer Welt, für deren Probleme es kaum noch Musterlösungen gibt. So dringt aus vielen lernenden Köpfen der Ruf nach eben diesen Musterlösungen, wie nach einer Droge. Das wird der Realität nicht gerecht und ist für die Talentierten unter den Lernenden mehr als erdrückend. 

Wir sind es ja selbst schuld. Wir konditionieren Menschen, in Systemen zu funktionieren, statt sie zu befähigen, diese Systeme zu hinterfragen oder gar zu gestalten. Es ist beängstigend: gibt man ihnen eine Aufgabe, dann fragen sie stets: „Wie soll ich es machen?“. Wie gerne würde ich einmal hören: „Warum soll ich dies machen?“ oder gar „Ist dies gut für die Menschen?“.

Solche gut funktionierenden Leute sind für den Moment natürlich sehr bequem, langfristig aber schädlich. Sie werden immer auf Anweisungen warten, statt die Zukunft mitzugestalten. Diese dringend benötigte Fähigkeit zur Gestaltung braucht aber eine innere Haltung. Wilhelm von Humboldt hat vor über 200 Jahren ein Bildungsideal formuliert, das aktueller nicht sein könnte. Er schrieb sinngemäß: Es gibt schlechterdings eine gewisse Bildung der Gesinnungen und des Charakters, die keinem fehlen darf. Jeder ist nur dann ein guter Handwerker oder Geschäftsmann, wenn er an sich ein guter, anständiger und aufgeklärter Mensch und Bürger ist. Gibt ihm der Schulunterricht, was hierfür erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher recht leicht und behält immer die Freiheit, wie es im Leben so oft geschieht, von einem zum anderen überzugehen.

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Von einem zum anderen überzugehen: die derzeit an die Menschen gerichtete Forderung, sich verändern zu können, kann also nur durch die Entwicklung ihrer Persönlichkeiten erreicht werden, nicht aber durch Druckbetankung mit Wissensupdates. Bevor wir also das Codieren von digitalen Werkzeugen und den Umgang mit ihnen lehren, sollten Philosophie, Ethik, kritisches Denkvermögen, Kreativität Fairness, Anstand und Respekt auf dem Stundenplan gestanden haben. Die Zukunft kommt nämlich nicht einfach auf uns zu. Sie ist Ergebnis unserer Taten. Unsere Taten sind das Ergebnis unserer Pläne. Und unsere Pläne sind das Ergebnis unserer Visionen und unserer inneren Haltung.

Lieber Leser, es war mir eine große Freude, für Sie zu schreiben. Ich verabschiede von Ihnen mich mit einem weiteren sinngemäßen Zitat von Wilhelm von Humboldt: 

Was verlangt man von einem Zeitalter und dem dort wirkenden Menschengeschlecht, wenn man ihm seine Achtung und seine Bewunderung schenken soll? Man verlangt, dass Bildung, Weisheit und Tugend so mächtig und allgemein verbreitet sind, wie irgend möglich. Bemühen wir uns um das innere Wesen des Menschen, so wird dieses beständig und von sich aus zu den Gegenständen außerhalb übergehen. Und so wird stets das erhellende Licht und die wohltätige Wärme seiner Werke in sein Inneres zurückstrahlen.

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