Fünf Fragen an

Warum Nachhaltigkeit und Prozessmanagement untrennbar verbunden sind

Prozesse und Nachhaltigkeit hängen miteinander zusammen, das steht für Karl Wagner, geschäftsführender Vorstand der Gesellschaft für Prozessmanagement, außer Frage. Weshalb, das erklärt er im Interview mit FACTORY.

Über 400 Prozessmanager nehmen Jahr für Jahr am PzM Summit Teil. Die Branchen-Veranstaltung der in Wien angesiedelten Gesellschaft für Prozessmanagement (GP) ist seit vielen Jahren die Veranstaltung für Prozessmanagement im deutschen Sprachraum. Vorab hat FACTORY mit Karl Wagner, geschäftsführender Vorstand der GP, gesprochen. Ein Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung: Nachhaltigkeit. 

FACTORY: Nachhaltigkeit im Unternehmen und Prozessmanagement, warum gehören die beiden Themen zusammen?

Karl Wagner: Prozesse und Nachhaltigkeit sind unbedingt im Zusammenhang zu sehen, da Prozesse der wesentliche Handlungsträger der betrieblichen Leistung und somit der größte Hebel um Nachhaltigkeit in den Organisationen systematisch und strukturiert zu gewährleisten. Organisationen wie z.B. Mondi, Brückner Maschinenbau, WEB Windenergie aber auch die Raiffeisen Bank International zeigen eindrucksvoll die Bedeutung von wirksamen Prozessen und deren positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Organisationen.

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FACTORY: Brückner Maschinenbau wird beim PZM Summit über nachhaltiges Prozessmanagement sprechen: Können Sie uns vorab einen kleinen Einblick geben?

Karl Wagner: Brückner Maschinenbau nutzt Prozessmanagement als Lösung für organisatorische Herausforderungen, die sich im Zuge der Nachhaltigkeitssteigerung ergeben. Durch gezielte Investitionen in Prozessoptimierungen und durch IT-Unterstützung von Prozessen wurden ökomische und ökologische Schwerpunkte dabei gesetzt. Die Eliminierung von jeglicher Verschwendung wurde als Schwerpunkt der Optimierung von Prozessen etabliert und kontinuierlich gefördert. Ziele und Anerkennungssystem wurden ebenfalls danach ausgerichtet. Auch ein durchgängiges Prozessreporting, aussagekräftige Kennzahlen und eine nahtlose Verbindung der Prozessziele mit den Unternehmenszielen wurde aufgebaut.

FACTORY: Welche Effekte hat nachhaltiges Prozessmanagement auf das Unternehmen?

Karl Wagner: Strategisch gesehen, bietet es einen Imagevorteil. Über eine gesteigerte Attraktivität als Arbeitgeber - insbesondere für junge Mitarbeiter, bis hin zu direkten Operationalisierung der strategischen Ziele in den Geschäftsprozessen. Damit steigt weiters die Agilität des Unternehmens, die Resilienz gegenüber Krisen und die Attraktivität für Investoren. Strategisch bedeutet es aber auch Investitionen auf den Weg zu bringen, die nachhaltigkeitsfördernd sind.
Operative bedeutet dies schlicht, dass die wirtschaftliche Leistung der Organisationen signifikant besser ist. Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass durch gelebtes und nachhaltiges Prozessmanagement eine mind. 10-15% besser wirtschaftliche mittelfristige Gebarung der Unternehmen erreicht wird. Dies ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil und trägt maßgeblich zur Standortsicherung bei.

FACTORY: Wie hat sich im Prozessmanagement die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren verändert?

Karl Wagner: Prozessmanagement hat in den letzten Jahren massiv an Schwung gewonnen. Nachhaltigem Prozessmanagement ist ein wesentlicher Faktor des langfristigen Erfolges eines Unternehmens geworden. Dabei spielen nicht nur ökonomische und ökologische Zielsetzungen eine Rolle, sondern zunehmend auch gesellschaftlich relevante Fragestellungen. Das steigert Komplexität, Anforderungsprofil und Steuerungslogik innerhalb des Unternehmens. Dynamische Organisationen und ihre Wertschöpfungsketten mit kontinuierlicher Verbesserung im Sinne der Nachhaltigkeit durch organisationsübergreifendes Prozessmanagement sind dabei ein unabdingbarer Faktor. Wenn Management und Mitarbeiter dem Trend in Richtung eines zunehmend nachhaltig orientierten Prozessmanagements folgen und diese im Tagesgeschäft leben, dann können Verantwortung und Führung die Glaubwürdigkeit erreichen, die es braucht, um nachhaltiges Wachstum zu generieren, Innovationen authentisch im Markt zu etablieren und Mitarbeiter optimal zu unterstützen die Kundenbedürfnisse zu realisieren. Letztendlich wird dadurch sowohl die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld deutlich verbessert wie auch die Management- und Führungskompetenz im Unternehmen gesteigert.

FACTORY: Neben der Nachhaltigkeit wächst die Bedeutung von Wissensmanagement: Wie können Prozesse hier helfen? 

Karl Wagner: Prozesse sind der Träger von „explizitem“ Wissen in Organisationen durch die transparente Gestaltung der organisatorischen Abläufe. Dem WAS durch WEN getan wird. Darüber hinaus dienen Prozesse, durch die Gestaltung der Zusammenarbeitspunkte der relevanten Experten, auch der Sichtbarwerdung des „impliziten“ Wissen. Prozesse nehmen somit eine wesentliche Rolle ein bei der Definition von Wissensgraphen und auch für das Lernen von Organisationen. Eindrucksvoll wird das z.B. Banner am PzM-Summit mit seinem Beitrag „Prozesse als Schlüssel im Wissens- und Informationsmanagement" zeigen.

Eventtipp:

Summit der Prozessmanager  
Wann: 18. und 19. November 2020 
Wo: Wien 
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Für den reibungslosen Ablauf durch umfassende Covid-19-Maßnahmen und optionale Online-Teilnahme ist gesorgt.