Interview

Warum Konecranes und Demag ihre Produkte getrennt halten wollen

Konecranes und Demag sind jetzt eins. Die beiden Kranlieferanten firmieren seit Anfang Juli unter einem Dach. Factory sprach mit Geschäftsführer Robert Höfler über die Hintergründe für die Verschmelzung.

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„Wir machen mit der Verschmelzung keine Produktharmonisierung. Das wäre nicht klug […] Die beiden Produkt-Identitäten sollen weiterhin am Markt ihre volle Kraft entwickeln und die langjährigen Kunden bei der Stange halten.“ Robert Höfler, Geschäftsführer Konecranes and Demag GesmbH

Seit Anfang Juli dieses Jahres firmen die Unternehmen Demag und Konecranes – bis dahin firmenrechtlich jeweils eigenständig – unter dem neuen Firmennamen Konecranes and Demag GesmbH. Damit wurden die zuvor existenten Firmen Konecranes GesmbH und Demag Cranes & Components miteinander verschmolzen. Der Firmensitz in Österreich bleibt in Brunn am Gebirge und nach außen hin zu den Kunden verändert durch die legale neue Firmenstruktur nichts oder doch auch einiges, eröffnet Robert Höfler, Geschäftsführer der beiden bisherigen Firmen und jetzt der Konecranes and Demag GesmbH. Im Gespräch mit Factory erklärt der Manager was zur Verschmelzung bewogen hat und wohin die Reise künftig gehen soll.

Administrative Kosten senken

Einer der Gründe ist, dass „wir die administrativen Kosten der einzelnen Firmen im Konzern auf ein betriebswirtschaftlich vertretbares Niveau bringen wollen“. So wurden mit Ausnahme von Deutschland in allen Ländern Konecranes und Demag legal miteinander verschmolzen. Die breite Produktpalette der beiden am Markt gut eingeführten Marken bleibt die gleiche wie bisher und Konecranes und Demag vermarkten jeweils ihre Produkte wie bisher getrennt voneinander auf den bekannten Vertriebskanälen. Höfler: „Wir machen mit der Verschmelzung keine Produktharmonisierung. Das wäre nicht klug und wir verfolgen weiterhin zwei Schienen unabhängig von der Konsolidierung der legalen Firmenstruktur.“  Das klare Ziel ist: Die beiden Produkt-Identitäten sollen weiterhin am Markt ihre volle Kraft entwickeln und die langjährigen Kunden bei der Stange halten und neue Kundenzielgruppen erschließen.

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Die Freiheit der Kunden

Die Kunden können entscheiden ob sie einen Kran von Konecranes oder von Demag wollen. Mit ihrem Kranangebot können beide Namen den Bedarf von Industrie und Gewerbe gänzlich abdecken, „das können wir ohne Übertreibung behaupten“, so Höfler nicht ohne Stolz. In jeder Produktionskette von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung gibt es etwas zu heben. So gesehen hat der Kranmarkt beinahe ewige Perspektiven, weil sich die Gravitation wohl nicht morgen ändern wird und es Krane in allen wirtschaftlichen Produktionsprozessen braucht. Ein Kran ist ein auf den Anwender zugeschnittenes, individualisiertes Betriebsmittel mit einer großen Auswahl an verschiedenen Features, Assistenzsystemen und ständig steigender Automatisierung. Der denkende Kran ist längst Realität. Der Kran ist heutzutage digital mit dem Lieferanten und Anwender verbunden und so ist der Betriebsstatus des Krans jederzeit abrufbar, können Mängel sofort erkannt und Reparaturmaßnahmen eingeleitet werden. 

Servicedienstleistungen stärken

Gute Produkte im Portfolio zu haben ist das eine, eine professionelle Serviceleistung anzubieten ist das andere. Mit der Verschmelzung der beiden bisherigen Firmen werden auch die Servicedienstleistungen für beiden Marken gestärkt, sind österreichweit 110 Techniker jederzeit einsatzbereit und können die Kunden damit rechnen, dass technische Hilfe rasch zur Stelle ist. Das beste Produkt ist nicht viel wert wenn die dazugehörige Servicedienstleistung das Produktversprechen nicht halten kann. Bei den Servicelistungen geht der Trend ganz klar in Richtung Outsourcing. Höfler: „Wartung und Instandhaltung auszulagern hat Sinn, weil ein Kran eine gefährliche Maschine ist und wir immer gegen die Gravitation kämpfen.“ Wenn sie gewinnt ist das schlecht; wenn von einem Kran etwas herunterfällt entsteht entweder ein Schaden oder gibt es sogar Verletzte oder Tote.

Konservative Branche

Ein Kran muss funktionieren und einsatzbereit sein, das erwarten die Anwender und damit das so ist investiert Konecranes bzw. Demag viel in Forschung und Entwicklung der Produkte. Industrie 4.0 bedingt auch Wartung 4.0 und darunter ist Service on demand, sind transparente Serviceabläufe mit Abbildung der Servicekosten über den ganzen Lebenszyklus eines Krans zu verstehen, betont Höfler und ergänzt: „Wir haben vor neun Jahren mit der Digitalisierung im Servicebereich begonnen und gelernt Daten zu generieren, um unsere Serviceleistungen noch mehr zu verbessern.“ Diese Daten werden auch mit den Kunden ausgetauscht. Mit den verfügbaren Daten ist es möglich, dass Konecranes bzw. Demag seinerseits auf die Anwender zugeht und informiert, dass sich ein Mangel am Kran abzeichnet und die Behebung empfohlen wird. Höfler weiß, dass man die Kunden mit der Digitalisierung nicht überfordern darf, die Branche ist eher konservativ. Dennoch: „Wir wollen neue Technologien nutzen und sie anbieten und nicht warten bis die Kunden nachfragen. Dann ist es zu spät.“ Beim Service wolle man auf jeden Fall eine Vorreiterrolle einnehmen und das umso mehr aus der neuen Firmenstruktur heraus.

Lehrlingsoffensive statt Fachkräftemangel

Innovationen sind in der Krantechnologie die halbe Miete. Je automatischer die Maschinen sind, desto technischer aufwändiger sind sie auch und umso mehr Features lassen sich digitalisieren. In einem 24-Stunden-Support-Center können die Servicetechniker auf alle Kräne weltweit online zugreifen, die Funktionsfähigkeit der Geräte analysieren und im Fall des Falles auch gleich losfahren, um einen Mangel zu beheben. „Wir entwickeln unsere Produkte natürlich laufend weiter, bieten neue Assistenzsysteme, die das Handling sicherer machen. Bei einem neuen Assistenzsystem etwa zentriert sich das Lasthaken genau in der richtigen Position bevor die Last gehoben wird. Damit werden ein Pendeln der Last und damit verbundene Gefahren vermieden. Rückblickend auf das Jahr 2018 bilanziert Höfler mit „sehr zufrieden wie es für uns gelaufen ist trotz Verschmelzung, die nicht spurlos an uns vorübergegangen ist.“ Was den Manager allerdings nachdenklich macht ist der enorm spürbare Fachkräftemangel. Es sei sehr schwer Servicetechniker zu finden. Daher wird überlegt selbst Lehrlinge auszubilden.

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