Personalia

Warum die erste weibliche CEO SAP den Rücken kehrt

Nur ein halbes Jahr hat die Doppelspitze bei SAP gehalten. Warum Jennifer Morgan den Software-Riesen wieder verlässt und wer künftig das Unternehmen leiten wird.

SAP Personal IT

Die 48-jährige Morgan kam 2004 zu SAP und wurde 2017 als erste Frau in den SAP-Vorstand berufen. 

Das Personalkarussell bei SAP dreht sich weiter. Nach nur einem halben Jahr ist die von Christian Klein und Jennifer Morgan gebildete Doppelspitze gescheitert, die US-Amerikanerin kehrt Europas wertvollstem Technologiekonzern zum Monatsende den Rücken. "SAP benötigt eine klare Führung", sagte Klein, der das deutsche Unternehmen nun allein durch die Coronavirus-Pandemie steuern wird. Morgan, die 16 Jahre für SAP arbeitete, war die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns. Zusammen mit Klein hatte sie im Oktober überraschend den langjährigen Vorstandschef Bill McDermott abgelöst. Mit Morgan verlassen auch Vorstand Michael Kleinemeier sowie Personalchef Stefan Ries den Konzern. Auch bei den Zuständigkeiten gab es zuletzt Veränderungen.

Expertin für das Cloud-Geschäft

An der Börse wurde die Nachricht vom Weggang der Managerin skeptisch aufgenommen. In einem schwachen Marktumfeld gab das Papier um mehr als 2 Prozent auf 111 Euro nach. Im Februar vor dem Ausbruch der Coronakrise hatte die SAP-Aktie ein Rekordhoch bei 129,60 Euro markiert. Analyst Julian Serafini von Jefferies wies darauf hin, dass mit Morgan eine Expertin für das Cloud-Geschäft gehe, das für SAP immer wichtiger werde. Die Analysten von Baader merkten an, dass eine schlankere Führungsstruktur dabei helfen sollte, in der Krise schnellere Entscheidungen zu treffen.

SAP-Finanzchef Luka Mucic, der erst kürzlich seinen Vertrag bis 2026 verlängert hat, bleibt zuversichtlich. Das Cloud-Geschäft bleibe ein Wachstumstreiber. Im ersten Quartal legte der Cloud-Auftragsbestand währungsbereinigt um 24 Prozent auf 6,65 Mrd. Euro zu. Trotzdem will Mucic stärker auf die Ausgaben achten - gleichzeitig schließt er Kurzarbeit oder einen Antrag auf Staatshilfe aus und will auch an der Dividendenanhebung nicht rütteln. In den letzten Jahren hatte SAP ähnlich wie die jungen Konkurrenten Salesforce und Workday stark investiert - auch in Zukäufe wie die US-Firma Qualtrics.

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Klein bleibt Chef

Klein fand bereits 1999 als Student zu SAP und ist seit 2016 für das operative Geschäft zuständig. "Er ist unser Hauptansprechpartner, weswegen ich kaum mit Veränderungen für uns rechne", sagte Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). "Als Anwendervertretung beobachten wir jetzt, ob es SAP gelingt, unter dem Druck der Krise weiterhin an der Integration der verschiedenen Programme und der Kundenfokussierung zu arbeiten."

Kernkennzahlen für das erste Quartal hatte SAP bereits bei der Senkung des Ausblicks vor zwei Wochen veröffentlicht. Demnach reichte es währungsbereinigt in den ersten drei Monaten noch zu einem Umsatzplus von 5 Prozent auf 6,52 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis fiel um 1 Prozent auf 1,48 Mrd. Euro, während die am Aktienmarkt viel beachtete Marge um 1,3 Prozentpunkte auf 22,6 Prozent nachgab. SAP geht weiterhin davon aus, dass das Geschäft ab Sommer allmählich wieder anzieht. Mucic begründete diese Einschätzung damit, dass auf dem wichtigen chinesischen Markt die Buchungen mit der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft Ende März wieder gestiegen seien. (APA/Reuters)

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