Neuausrichtung

Warum ABB seine Geschäftsbereiche umbaut

Vier "neue" Geschäftsbereiche, eine Partnerschaft mit Dassault Systèmes und das Abstoßen der Stromnetzsparte sollen das Geschäft von ABB schlanker und schmackhafter für die Aktionäre machen.

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Will sein Unternehmen zum Technologieführer für digitale Industrien machen, ABB-CEO Ulrich Spiesshofer. 

Schon im Dezember letzten Jahres hat ABB fundamentale Massnahmen zur Vereinfachung des Geschäfts angekündigt. Man wolle sich auf die Technologieführerschaft in digitalen Industrien fokussieren. Erster Schritt: Der Verkauf der Stromnetz-Sparte an Hitachi. Auch die bisherige Matrixstruktur soll zur Vereinfachung des Geschäfts aufgelöst und vier "neue" Geschäftsbereiche forciert werden.  

Partnerschaft mit Dassault Systèmes soll Digital-Plattform puschen

Heute präsentierte ABB Medien und Investoren einen Fahrplan für die Umsetzung dieser Maßnahmen. Und als "Zuckerl" oben drauf, gab der Konzern eine neue globale Software-Partnerschaft mit Dassault Systèmes bekannt. Eine Chance für ABB seine Digital-Plattform "ABB Ability" am Markt zu puschen. Den die "siemensianische" Konkurrenz ist bekanntlich groß. "Mit unserem Digital-Angebot ABB Ability werden wir unser profitables Wachstum weiter vorantreiben", so ABB-CEO Spiesshofer. Die Partnerschaft mit Dassault Systèmes soll die Position von ABB in digitalen Industrien weiter stärken. ABB Ability wurde vor zwei Jahren eingeführt und ist eine weitere Plattform am Digitalisierungshorizont, die um die Gunst der Kunden buhlt. Interessant: Etwa 45 Prozent der Neuaufträge von ABB werden von digitalen Lösungen generiert. Die Auftragspipeline für ABB Ability soll sich seit Oktober 2018 um mehr als 20 Prozent erhöht haben. 

Roboter, ABB, Cobot, Yumi © ABB

Die Zielmärkte von ABB sollen jährlich um 140 Milliarden US-Dollar wachsen. Die zunehmende Bedeutung von Elektromobilität, Datenzentren und Robotik wird diese Nachfrage treiben.

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Was sind die vier "neuen" Geschäftsbereiche?

Die neue ABB wird einen Jahresumsatz von insgesamt 29 Milliarden US-Dollar haben und rund 110.000 Mitarbeitende beschäftigen. Die vier Geschäftsbereiche sind in ihren jeweiligen Märkten weltweit Nummer eins oder Nummer zwei, heißt es vom Konzern. Übrigens so "neu" sind diese Bereiche dann doch nicht, nur die mittelfristigen Zielkorridoren für die operative EBITA-Marge sind neu (in Prozent). 

  • Elektrifizierung: 15 - 19 Prozent 
  • Industrieautomation: 12 - 16 Prozent
  • Antriebstechnik: 14 - 18 Prozent
  • Robotik & Fertigungsautomation: 13 - 17 Prozent 

Für ABB gestalten diese vier Bereiche die Zukunft der Menschheit. Sie werden demnach beeinflussen wie wir Energieversorgung ausgestalten, Waren produzieren, arbeiten, leben und uns fortbewegen. Die Zielmärkte von ABB sollen jährlich um 3,5 - 4 Prozent, also 140 Milliarden US-Dollar, wachsen und so bis 2025 rund 550 Milliarden US-Dollar umfassen. Die zunehmende Bedeutung von Elektromobilität, Datenzentren und Robotik wird diese Nachfrage treiben. Doch wie sieht es im Detail in den einzelnen Bereichen aus?

Elektrifizierung richtet sich nach USA und China

Der Geschäftsbereich Elektrifizierung ist derzeit laut ABB Nummer zwei am Weltmarkt und bietet eines der grössten Portfolios. Hier haben die Schweizer  das geografische Wachstum in den USA und China im Blick und wollen sich auf wachstumsstärkere Segmente konzentrieren. Das beinhaltet beispielsweise Datenzentren, Smart Buildings und Dienstleistungen für Elektromobilität. Gerade der "Smart Home"-Ansatz überrascht. Mit einer Partnerschaft mit Amazon und Sonos verleiht der Konzern seinen Entwicklungen im Bereich Smart Home ordentlich Schub. Denn die offene Plattform ABB-free@home wird nun um die Lösungen Alexa und Sonos ergänzt. ABB-Rund 1,7 Millionen Produkte werden täglich versandt. Die Produktpalette reicht von zentralen Strom- und Bauprodukten bis zur Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Der Geschäftsbereich hat 55.000 Mitarbeiter und wird von Tarak Mehta geleitet.

ABB Robotics 14-196, Servicebilder © ABB / Pia Nordlander

Ein Schwerpunkt des Bereichs Industrieautomation liegt auf Schnellade-Lösungen für Kunden aus den Industrien Öl und Gas, Chemie, Papier und Zellstoff, Marine und Häfen.

Bereich Industrieautomation soll um drei Prozent pro Jahr wachsen

Der neu geformte Geschäftsbereich Industrieautomation (ohne den Anteil des österreichischen Automatisierers B&R) ist laut ABB die Nummer zwei im globalen Markt. Der Fokus liegt auf der Gestaltung der Zukunft sicherer und smarter Produktion. Der Schwerpunkt des Angebotes liegt auf integrierten Automationslösungen in den Bereichen Prozess-, Elektro- und Antriebstechnik, Messung & Analyse sowie Marine- und Schnellade-Lösungen für Kunden aus den Industrien Öl und Gas, Chemie, Papier und Zellstoff, Marine und Häfen. Der Geschäftsbereich hat 21.000 Mitarbeiter und wird von Peter Terwiesch geleitet. Es wird erwartet, dass der Geschäftsbereich überdurchschnittliche Wachstumszahlen erreicht.

Bereich Antriebstechnik baut auf Verdoppelung der E-Motor-Anzahl

Der neu geschaffene Geschäftsbereich Antriebstechnik von ABB soll laut Konzern weltweit die Nummer eins in der Antriebstechnik sein. Hier setzen die Schweizer ganz klar auf Elektromobilität. Bereits heute wird ein Drittel der Elektrizität weltweit von Elektromotoren in Bewegung umgewandelt. Impulsgeber dafür sind die wachsende Weltbevölkerung, die Urbanisierung und die Digitalisierung. ABB geht davon aus, dass sich die Gesamtzahl der Elektromotoren bis 2040 verdoppeln wird. Das entspricht dem jährlichen Energieverbrauch von ganz China.

Kurz, Spiesshofer © ABB

ABB-CEO Ulrich Spießhofer (li.) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (re.): ABB investiert 100 Millionen Euro in globalen Innovations- und Bildungscampus in Eggelsberg. 

Bereich Robotik & Fertigungsautomation setzt auf B&R 

Der Geschäftsbereich Robotik & Fertigungsautomation wird das Maschinen- und Fabrikautomationsgeschäft von ABB mit der leistungsfähigen Robotikplattform des Konzerns zusammenführen. Die tragende Rolle spielt hier der Automatisierer B&R, welchen ABB 2017 gekauft hat. 100 Millionen Euro pumpen die Schweizer dafür in einen neuen Innovations- und Bildungscampus in Eggelsberg, wo künftig Technologien für die Fabrik der Zukunft entwickelt, in der auf ABB AbilityTM basierende, smarte und Cloud-vernetzte Maschinen und Roboter weitgehend autonom produzieren. Aber auch in China tut sich viel. So baut ABB in Shanghai derzeit eine 150-Millionen-Dollar-Fabrik, wo Roboter Roboter bauen. Dieser Bereich soll übrigens satte sechs Prozent pro Jahr wachsen. Derzeit umfasst hat er 11.000 Mitarbeiter und wird von Sami Atiya geleitet. (eb) 

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