Umwelttechnik

Umwelttechnik-Industrie bereit zur Entwässerung

Wie und warum Entwässerung innovative Konzepte nützt und wie Andritz ihre Siebbandpressen noch effizienter macht.

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Abwasser-, Wertstoff- und Energiekreisläufe rücken immer enger zusammen. Integrierte Technologien sind ein wesentliches Betätigungsfeld der österreichischen Umwelttechnik-Industrie.

„Österreichs Umwelttechnik-Industrie wird in Europa und der ganzen Welt geschätzt. Gerade dann, wenn es um spezielle Anforderungen und maßgeschneiderte Lösungen geht. Mit über 70 Prozent Exporten liegt sie deutlich über dem gesamten Industrie-Schnitt, Tendenz steigend“, meint Richard Guhsl. Er ist Referent für Umwelt- und Energiepolitik der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich.

Bei der Umwelttechnik handelt es sich um einen besonders dynamischen Bereich. Laut einer Studie des IWI aus dem Jahr 2017 wird ein andauernder Aufwärtstrend verzeichnet. Zwischen 2011 und 2015 wuchs der Umsatz um rund 18 Prozent, in der Sachgüterindustrie um nur zwei Prozent. 

Starker Wirtschaftszweig

Seit Beginn der Erhebung der Umwelttechnik-Industrie in Österreich im Jahr 1993 ist die Anzahl der Arbeitsplätze um das Dreifache gestiegen, der Umsatz um mehr als das Sechsfache, beides bezogen auf umwelttechnische Aktivitäten. Der Wirtschaftszweig der Umwelttechnik-Industrie sorgt unmittelbar für rund 31.000 Arbeitsplätze in der heimischen Wirtschaft. 

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Typische Umwelttechnik-Produkte sind übrigens Elektromotoren, Generatoren und Transformatoren. In Summe werden 17,9 Prozent der Umwelttechnik-Umsätze durch diese Güter erwirtschaftet. Für 15,4 Prozent  der Umsätze ist der Maschinenbau verantwortlich, das Produktspektrum reicht von Turbinen, Pumpen und Kompressoren bis zu Brennern sowie kälte- und lufttechnischen Erzeugnissen. Je rund 14 Prozent der ge­nerierten Umsätze der Umwelttechnik-Industrie stammen aus der Herstellung von Datenverarbeitungs­geräten und elektronischen Erzeugnissen sowie Kraftwagen und -teilen.

„Abwasser-, Wertstoff- und Energiekreisläufe werden künftig immer enger zusammenrücken”, so Guhsl. Passend dazu blicken wir nun genauer auf die Entwässerungsverfahren von heute und morgen.

Entwässerungsarbeiten von Andritz

Einen Beitrag zur Umweltindustrie leisten auch die Entwässerungsanlagen von Andritz. Seit mehr als 150 Jahren liefert das Unternehmen Lösungen, die den gesamten Prozess der Abwasser- und Schlammbehandlung abdecken. Sie reichen von der Siebung und Eindickung bis hin zur Entwässerung, Trocknung und Verbrennung.

Wege und Mittel zur Entwässerung gibt es verschiedene. „Unsere Siebbandpressen sind ideal, wenn höchste Trockenstoff- und Durchsatzleistungen gefordert sind. So werden die Prozesse bei der Behandlung von Abwässern effizienter. Das trägt wiederum zum Umweltschutz bei”, erklärt Loic Lebegue, Industry Director for Environment der Andritz. 

© Andritz AG

Die Hochdruck-Siebbandpresse SMX-Q verfügt über eine große Filtrations- und Pressfläche. Ihr robuster Rahmen sorgt für hohe Bandspannung und Druck auf den Schlamm, wodurch eine hohe Entwässerungsleistung gewährleistet wird.

Er erwähnt auch die C-Press-Schneckenpressen für die Schlammentwässerung. Sie sind für Trinkwasser- und Abwasseranlagen geeignet. Laut Lebegue sind sie eine gute Alternative zu Zentrifugen oder Filterpressen. 

Andritz bietet mechanische Systeme wie Pressen, Filter und Zentrifugen. Ebenso wird die thermische Fest- und Flüssigtrennung, also Trocknung angeboten. Die Entwässerungskosten sowie die Dauer sind von Fall zu Fall unterschiedlich.

Intelligente Entwässerungskonzepte

Die Anforderungen an die Schlammentwässerung und an die Behandlung von Abwässern steigen. Ebenso nehmen aber die Möglichkeiten durch die Industrie 4.0 zu. Wie funktioniert also Entwässerung in der Zukunft? 

Loic Lebegue ist der Ansicht, dass der autonome Betrieb einer Kläranlage nur eine Frage der Zeit ist. „Ein aktuelles Beispiel für die Digitalisierung in der Abwasserindustrie ist unsere intelligente Filterpresse. Andritz hat ihre Lösungen zur Automatisierung für Filterpressen mit Technologien des IIoT kombiniert“, meint er.

Durch Funktionen wie die Überwachung des Trockenfeststoffgehalts und der Filtratqualität sollen beispielsweise intelligente Waschzyklen ermöglicht werden. Eine Filterpresse ist eine chargenweise arbeitende Maschine. Oft sind die Zyklen der Filtration einfach an eine bestimmte Zeitspanne gebunden. 

Durch die intelligente Filterpresse sind die Filtrations- und Waschzyklen genau so lang, wie sie sein müssen. Dadurch können Schwankungen des Trockenfeststoffgehalts reduziert und die Verfügbarkeit der Filterpresse sowie die Qualität des Endprodukts erhöht werden.

KI für die optimale Polymerdosis

Doch kommen wir nochmals zurück zu den Siebbandpressen. Um deren Effizienz zu steigern, setzt Andritz auf das Metris addIQ RheoScan-System. Damit kann Polymer automatisch in Echtzeit mithilfe von KI eingestellt werden. 

„Prozesse wie die Schlammeindickung und Entwässerung erfordern die Injektion von Polymer als Flockungsmittel. So wird eine Fest-Flüssig-Trennung durch Filtration ermöglicht. Polymer kann aber kostspielig sein. Nämlich dann, wenn es um die Betriebskosten und die Auswirkungen auf die Umwelt geht”, so Lebegue.

Er weist darauf hin, dass die anfängliche Polymerdosierung bei herkömmlichen Anlagen vom Bediener der Maschine ausgewählt wird. Im Laufe des Tages wird die Dosierung selten angepasst. Das ist problematisch, da sich die Schlammeigenschaften und auch die Anforderungen an die Produktion ständig verändern. 

„Metris addIQ RheoScan setzt ein intelligentes Kamerasystem ein. Es erfasst den freien Bandbereich und die tatsächliche Schlammviskosität. Mithilfe von KI wird sichergestellt, dass die Anlage immer die optimale Dosis an Polymer verwendet“, erklärt Lebegue. 

Die Ergebnisse von Fallstudien im Umwelt- und Bergbau-Bereich scheinen für sich zu sprechen. Durch die proaktive Anpassung von Polymer konnten die eingesetzten Mengen um bis zu 40 Prozent reduziert werden.